…wenn es um die Wurst geht

Wer viel auf Schusters Rappen unterwegs ist, hat es mit Sicherheit schon gemacht: pinkeln in der Natur. Hat man auch gemacht, wenn man nicht zu Fuß unterwegs ist. Im Grunde keine „große“ Sache, passiert ja nahezu ständig.
Anders als das kleine Geschäft praktiziert man jedoch das große Geschäft. Pinkelnde Männer am Wegesrand hat man sicher schon des Öfteren gesehen, aber einen Mann (oder eine Frau) am Wegesrand, der/die das große Geschäft verrichtet, wohl eher nicht. Und wenn doch, dann war die Situation gewiss seltsam. In diesem Beitrag geht es also um die Wurst.

Das Schild steht wohl aus bestimmten Gründen hier.
Das Schild steht wohl aus bestimmten Gründen hier.

Für einige Menschen in den Ländern der ersten Welt ist „Scheißen“ ein Tabuthema. Darüber spricht man nicht, man macht es zwar, aber bitte, es soll niemand mitbekommen. Und wenn dann sorgt der Zitrus-Raumspray für eine geordnete, olfaktorisch ansprechende Umgebung.
Erst vor wenigen Wochen haben wir in einer Freundesrunde über dieses und jenes philosophiert und kamen dabei über irgendwelche Abflusswege auf das Thema „Scheißen“ zu sprechen. Es gab nun kaum jemanden, der nicht irgendeine Anekdote zu erzählen hatte, die man auf einen Bob verladen und die Bahn runterschicken konnte. Es wurde gelacht und noch mehr gelacht.
Am Tag danach begann ich über meine Erfahrungen mit dem großen Geschäft beim Weitwandern nachzudenken. Auf meiner längsten Tour, der einmonatigen Wanderung in Spanien, war ich kein einziges Mal in der Natur „kacken“. Mein Körper hat sich für die Darmentleerung einen eigenen Rythmus angewöhnt und ließ erst am Abend die Pforte frei. Es gab also ein Häuserl zur Erleichterung, egal ob es dann ein Plumpsklo mit Fliegen oder ein einfaches Loch im Boden war. Diesen unglaublichen Rythmus schaffte ich auch nur dank der Tatsache, dass ich von Montezumas Rache verschont blieb, dazu jedoch weiter unten.

Manche Indoor-Toiletten sind auch nicht so einfach zu erreichen.
Manche Indoor-Toiletten sind auch nicht so einfach zu erreichen.

Doch viele andere Wandersmenschen mussten augenscheinlich dem Druck nachgeben. Ein riesiger Stroh-Haufen in der spanischen Meseta im Hochsommer ist zwar im ersten Moment der ideale Schatten- und Pauseplatz, entpuppt sich aber als ein schattiges Freiluftklo. Da kann man nur hoffen, dass der geworfene Schatten lang genug ist um nicht neben den Häufchen seine Trinkpause anzugehen.
An der Zugspitze warnte uns ein entgegenkommender Bergsteiger im Stopseldrehersteig vor einer vorhanden Eisplatte und vor einem biologischen Häufchen. Tritt man auf das eine, ist es zwar ein Missgeschick und es verletzt sich hoffentlich niemand dabei, tritt man jedoch auf das andere, tut es zwar körperlich nicht weh, jedoch nimmt man auf die Zugspitze etwas ganz besonderes mit und ermöglicht einem Teil des Häufchens vielleicht sogar einen Gipfelsieg. Sollte der Verursacher des Haufens es nicht zum Gipfel geschafft haben, so waren wenigstens seine Exkremente mit dabei.
Mittlerweile war ich jedoch in meiner Wanderkarriere schon des Öfteren „groß“ in der Natur unterwegs. Ich suchte mir dazu immer Plätze aus, die niemand freiwillig aufsucht, irgendwo mitten im Dickicht, weit weg vom Weg. Es war jedesmal aufs Neue eine Herausforderung.

Ein schattiger Platz in einer brandheißen Gegend entpuppt sich als großes Outdoor-Klo.
Ein schattiger Platz in einer brandheißen Gegend entpuppt sich als großes Outdoor-Klo.

Scheißen in der Natur ist gar nicht so einfach. Man muss schon im Vorhinein irgendwie wissen, welche Konsistenz das Kommende besitzen wird, um „beschissene“ Missgeschicke zu vermeiden. Nichts ist ärgerlicher als ein Stempelabdruck am Schuh, der Unterhose oder weiß Gott was.
Es versteht sich von selbst, dass die Darmentleerung an abgelegenen Plätzen passieren soll und nicht direkt am Weg oder am Wegrand. Ein Scheißehaufen soll den Steinhaufen nicht ersetzen.
Doch man platziert die Wurst auch nicht einfach so auf die karge, ebene Fläche. Die ökologisch sinnvollste Art und Weise, seinen länglichen Untermieter an die Natur zu bringen, ist das Eingraben. Ein Loch buddeln, rein damit und wieder zugeschüttet. Hört sich zwar einfach an, jedoch in Drucksituationen kann dieses Vorgehen schon problematisch sein. Manche scheitern an einem Loch, denn wie buddelt man einfach so ein Loch? Die erste Antwort: mit einem Klappspaten. Es sei jedoch dahingestellt, wieviele Weitwandermenschen einen Klappspaten für die Exkrementverwertung im Rucksack haben. Oder lass dir lange Fingernägel wachsen.

Ein Luxus-Pissoir in einer einsamen Almgegend.
Ein Luxus-Pissoir in einer einsamen Almgegend.

Doch ein weiteres Problem stellt sich abrupt nach der Erleichterung ein. Taschentücher dabei? Vielleicht sogar wirklich eine Klopapierrolle? Nein? Nun, bitte keine lebenden Tiere verwenden, lasst dem kleinen Hasen sein flauschiges Fell (in der Vergangenheit gab es bestimmte Barbarengruppen, die wirklich so vorgingen, kein Scheiß). Ein Moosfleck wäre eine passende Alternative.
Eine der beiden Hände entpuppt sich als einfachste Abwisch-Variante, sollte jedoch gut überdacht sein (man nicht speist, wo man scheißt, das gilt auch für die Hand). Daher wird in manchen Kulturen die rechte Hand zur Essenszugabe verwendet, damit die linke Hand die Reste dessen wieder von den Pobacken entfernen kann – ein ewiger Kreislauf.
Blätter werden gerne als passender Ersatz für Toilettenpapier angesehen, funktionieren meist auch relativ gut, nur sollte man um die vielleicht hautunverträgliche Wirkung im Vorhinein Bescheid wissen, ehrlich.
Wenn man aber in der Lage sein sollte, auf Taschentücher oder Toilettenpapier zurückgreifen zu können, dann sollten diese nicht mitvergraben werden. Ökologisch am Besten wäre es, das benutzte Papier in eine verschließbare Plastiktüte zu geben und bei passender Gelegenheit wieder der Zivilisation zuzuführen. Und ja nicht im Rucksack vergessen.

Hier wird die Schranz-Hocke perfektioniert.
Hier wird in einer spanischen Bar die Abfahrts-Hocke perfektioniert.

Das alles lässt sich leicht sagen, doch wehe man fällt Montezumas Rache zum Opfer, dann sind alle Ratschläge für Arsch und Friedrich. Vor allem in entlegenen Gebieten, exotischen Ländern und auch daheim vor der Haustüre sollte man darauf achten, welches Wasser man trinkt und woher es zu kommen scheint. Denn sollte man von einer Durchfallerkrankung während dem Weitwandern befallen sein, ist die Kacke ordentlich am Dampfen.

200 Meter später wird die Hose herunter gelassen.
200 Meter später wird die Hose herunter gelassen.

Zu guter Letzt gebe ich euch einen Tipp: solltet ihr jetzt das Verlangen spüren, einen Haufen der Mutter Natur zuzuführen, bitte lest vorher das ernstgemeinte Buch How to shit in the woods vom Conrad Stein Verlag. Das Buch ist kein Griff ins Klo, sondern meiner Meinung nach DIE Bibel für Outdoor-Geschäfte aller Art und gibt wervolle Einblicke und Tipps in die gesamte Entleerungs-Thematik.
In diesem Sinne: Je tiefer das Loch, desto plumps!

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