Großer Pyhrgas (2.244m) über Bad Haller Steig

Wer auf der Pyhrnstrecke in Richtung Steiermark unterwegs ist, sei es mit dem Auto oder mit dem Zug, kann den Großen Pyhrgas östlich von Spital am Pyhrn kaum übersehen. Der westlichste und auch der höchste Gipfel der Haller Mauern ist als Aussichtsberg bekannt und beliebt, auch weil drei markierte Aufstiegswege auf den 2.244m hohen Gipfel führen.

Die Haller Mauern bilden zwar einen eigenen Gebirgsstock, werden aber häufig den Gesäusebergen zugerechnet und bilden den nordwestlichen Abschluss der Ennstaler Alpen. Die schroffen Kalkwände und deren Schichten sind besonders an der Nordwand des kleinen Pyhrgas gut ersichtlich. Steiermark und Oberösterreich teilen sich diesen Gebirgsstock.

Ich war öffentlich unterwegs, startete am Bahnhof Spital/Pyhrn und kehrte zu diesem nach dem Gipfelsturm auch wieder zurück. Als Aufstiegsweg wählte ich den selten begangenen Bad Haller Steig auf der Nordseite, runter ging’s klassisch am West-Kamm.

Wer es auf den Pyhrgas schaffen will, muss sich erst mal von der Aussicht an der Gowilalmhütte losreißen.
Wer es auf den Pyhrgas schaffen will, muss sich erst mal von der Aussicht an der Gowilalmhütte losreißen.

Die Route auf den Großen Pyhrgas

Vom Bahnhof Spital/Pyhrn (659m) ausgehend führt ein markierter und beschildeter Weg (Nr. 616/617) auf Güterwegen, Waldsteigen und Schotterstraßen unschwierig zur Stefansbergalm (960m) und weiter zur unbewirtschafteten Holzeralm (1.120m). Ein erster Blick auf den weiteren Weg in Richtung Holzerkar kann von der Holzeralm schon geworfen werden, vorher steige ich noch links zur Gowilalmhütte (1.375m) auf.

Östlich der Hütte auf der Almwiese trennen sich die Aufstiegswege des Kleinen und Großen Pyhrgas. Etwas halbrechts beginnt der Bad Haller Steig, bei welchem auch schriftlich Trittsicherheit gefordert wird, diesen Hinweis kann ich in weiterer Folge bestätigen. In stetigem Auf und Ab verläuft der Steig durch das rutschige und hängende Wald- und Latschenfeld, teilweise sehr schmal und an zwei Stellen durch Drahtseile gesichert. Konzentration ist gefordert. In weiterer Folge wechseln sich kleine Geröllhänge mit Latschenfeldern ab, ehe man zu einem größeren Geröllhang absteigt, diesen auf der Gegenseite wieder hochsteigt und ein weiteres Latschenfeld durchquert. Das erreichte Holzerkar (1.600m) stets bergauf den Markierungen folgend fällt mir etwas besonderes auf. Ich höre nichts, absolut nichts.

Am Nordgrat geht's schnurstracks zum Gipfel.
Am Nordgrat geht’s schnurstracks zum Gipfel.

Am gesamten Weg von der Hütte bis zum Gipfel traf ich an diesem Steig keinen einzigen Menschen, die geräuschvollen talgelegenen Straßen und Bahnen sind in diesem vom Großen und Kleinen Pyhrgas eingeschlossenen Kar wie weggefegt, Fliegen und sonstiges Fluggetier hat hier auch kein Bedürfnis nach Nähe. Ich setze mich auf einen Stein und bleibe einige Minuten sitzen. Wie selten sind die Momente geworden, in welchen man nur sich selbst hört, wie seltsam und bemerkenswert dies sein kann. Die Ruhe wird aber gnadenlos von einem Steinschlag unterbrochen, ausgelöst von zwei Gämsen welche am Hang herumturnen.

Ein Schneefeld muss ich umgehen und kurz vor einem kleinen Latschenfeld im oberen Teil des Kars wende ich mich rechts dem Wandfuß zu. Zwei große rote Punkte markieren den Einstieg in den felsigen Teil des Bad Haller Steiges (1.780m), mit nochmaliger Forderung nach Trittsicherheit. Steil ansteigend und mit einigen Drahtseilen gesichert erreicht man den Nord-Grat (2.000m) und blickt hinab auf Spital/Pyhrn und auf das gegenüber liegende Warscheneck, rechts davon thront hinter dem Windischgarstener Becken das Sengsengebirge. Am breiter werdenden Grat geht es weiter bergauf, die letzten rutschigen Höhenmeter sind wieder durch Drahtseile gesichert und erst wenige Meter vor dem Gipfel erblickt man das Gipfelkreuz.

Vom Gipfel hat man einen prächtigen Rundum-Blick. Östlich gut einsehbar der Grat zum Kleinen Pyhrgas und zum Scheiblingstein. Im Uhrzeigersinn zeigen sich die Gesäuseberge, Niedere Tauern, Grimming, Totes Gebirge, Reichraminger Hintergebirge und Sengsengebirge. Im Gipfelbereich tummeln sich freche Dohlen, welche es gierig auf Brösel-Stücke meiner Jause abgesehen haben.

Die Wandersmenschen vor mir spielen gut mit und bescheren ein schönes Fotomotiv.
Die Wandersmenschen vor mir spielen gut mit und bescheren ein schönes Fotomotiv.

Wer einen Übergang zum Kleinen Pyhrgas oder zum Scheiblingstein wagt, muss laut Alpenvereinsführer von Willi End mit einem II-er Schwierigkeitsgrad rechnen.

Der Abstieg erfolgt auf dem schon erwähnten West-Kamm, eher unschwierig anfangs noch felsig, später durch Latschen und Wälder zu einem Sattel (1.415m), dort rechts über eine Alm zur Hofalmhütte (1.305m) und zur dortigen Sonnenterrasse. Nicht nur die hütteneigenen Solar- und PV-Kollektoren sammeln hier Energie auf, mit Speiß und Trank werden die körpereigenen Akkus wieder aufgeladen. Weiter runter am Weg Nr. 614 erreiche ich die Verbindungsstraße von Spital zur Vogelsang-Klamm (690m), auf dieser schlendere ich in Richtung Ortszentrum.

Spital am Pyhrn ist eine 2200-Seelen Gemeinde in der Tourismusregion Pyhrn-Priel. Erwähnenswert sind die Stiftskirche, das Felsbildermuseum im Stiftsgebäude, eine Schauschmiede im Zentrum und die südlich gelegene Vogelsang-Klamm, die zweitlängste Felsenklamm Österreichs. Vergessen darf man natürlich nicht die Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner. Vor der Stiftskirche ist ihr ein hölzernes Denkmal gesetzt.

Das Zentrum durchwandere in diesem Fall nicht nur ich, sondern auch einige Weitwanderwege starten oder durchqueren Spital am Pyhrn: der bekannte Nordalpenweg, der regionale Kalkalpen-Weitwanderweg, die grenzüberschreitende Via Alpina und der pilgerfreundliche Benedikt-Weg. Den Bahnhof ist auf einem Radweg bequem wieder zu erreichen.

Impressionen

Blick auf das Holzerkar und der eingezeichnete Weg dorthin.
Blick auf das Holzerkar und der eingezeichnete Weg dorthin.
Der Kleine Pyhrgas zeigt sich von seiner kalkigsten Seite.
Der Kleine Pyhrgas zeigt sich von seiner kalkigsten Seite.
Größer als viele andere Gipfelkreuze am Großen Pyhrgas.
Größer als viele andere Gipfelkreuze, dsa Kreuz am Großen Pyhrgas.
"Du stehst im Weg." "Nein, du gehst auf meinem Weg."
„Du stehst im Weg.“ „Nein, du gehst auf meinem Weg.“
Auf der Sonnenterrasse der Hofalmhütte werden die Akkus wieder aufgeladen.
Auf der Sonnenterrasse der Hofalmhütte werden die Akkus wieder aufgeladen.
Die talwärts liegenden Ausläufer der Vogelsangklamm sind auch noch ziemlich "wild".
Die talwärts liegenden Ausläufer der Vogelsangklamm sind auch noch ziemlich „wild“.
Spital am Pyhrn ist stolz auf Gerlinde Kaltenbrunner.
Spital am Pyhrn ist stolz auf Gerlinde Kaltenbrunner.
Das Schild lügt nicht.
Das Schild lügt nicht.

Fazit

Eine tagesfüllende und konditionell anspruchsvolle Überschreitung, aber eine empfehlenswerte für all jene, welche den Großen Pyhrgas mal von der „anderen“ Seite kennenlernen möchten und auch den helfenden Händen beim Weiterkommen nicht abgeneigt sind.

Weitere Informationen

Start -und Endpunkt: Bahnhof Spital/Pyhrn
Weglänge: 18,2km / ca. 8,5h
Höhenmeter bergauf: 1650m
Höhenmeter bergab: 1650m
Einkehrmöglichkeiten: Stefansbergalm, Gowilalmhütte, Hofalmhütte
Karten: ÖK50 UTM 4208, ÖK25V UTM 4208-West, fb WK 062
Wanderführer der Region: Rother Eisenwurzen, Kral Verlag Nationalpark Kalkalpen

Karten und Literatur bei freytag & berndt, Wallnerstraße 3, 1010 Wien erhältlich, outdoor@freytagberndt.at, +43(0)1 533 86 85-15, www.freytagberndt.at

Sollten Fragen, Anmerkungen, Hinweise oder Ergänzungen auf der Zunge brennen, bitte entweder ein Kommentar am Beitragende hinterlassen oder eine E-Mail an martin@gehlebt.at senden.

Übersichtskarte

volle Distanz: 18.95 km
Gesamtanstieg: 1909 m
Gesamtabstieg: -1912 m

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