Haubenkoch trifft Hüttenwirt am Holzofen

Informationen zu den Terminen 2017 „Haubenkoch trifft Hüttenwirt“ sind auf der Webseite der Wiener Alpen zu finden!
Termine 2017: 10. Juli & 4. September 2017

Ist die Vogelbeere nun giftig oder nicht? Trauen wir dem Volksglauben oder sind wir hier einem Aberglauben aufgesessen? Essentielles Survival-Wissen ist scheinbar bislang an uns vorüber gegangen, als wir an einer Kehre im Schlangenweg am Aufstieg zum Karl-Ludwig-Haus auf der Rax darüber zu diskutieren beginnen. „Als Schnaps“, fällt ein Kommentar, „sind die Beeren aber ziemlich gut.“ Andere Meinungen lassen die Vogelbeere als das giftigste Beerchen überhaupt am Wanderweg stehen. Hochtechnisierte Welt sei Dank, wird die Diskussion von einem Wikipedia-Artikel in ihren Grundfesten erschüttert.

„Auch wenn sich im Volksglauben hartnäckig das Gerücht hält, die Früchte seien giftig, ist dies nicht richtig. Allerdings enthalten die Beeren Parasorbinsäure, die zu Magenproblemen führen kann.“ Zitat: wikipedia.de

Sofort schnappe ich mir eine knallrote Frucht der Eberesche und führe sie meinem Magen zu, gleich mal die Parasorbinsäure ausprobieren. Und bei Magenbeschwerden einfach einen Schnaps auf der Hütte nachschießen. Es wird gelacht, fragt doch jemand wieviele solcher Beeren der Haubenkoch wohl für uns raufgeschleppt hat. Ja, jetzt lachen wir noch.

Unterwegs zum 6-Gänge-Bio-Holzofen-Menü auf die Rax

Wir, das sind ich und zehn weitere Genusswanderer, sind unterwegs zum Karl-Ludwig-Haus zu einem ganz besonderen Festessen. Veranstaltet und organisiert von den Wiener Alpen in Niederösterreich, hat sich Haubenkoch Uwe Machreich, ausgezeichnet mit zwei Gault-Millau-Hauben vom Wirtshaus-Restaurant Triad bei Bad Schönau, auf der Berghütte eingefunden und hat den Holzofen angeworfen. Normalerweise bedient diesen der Hüttenwirt Gerold Hubmer, heute sind einige weitere Köche in der Küche am Werken. Viele Köche verderben den Brei? Nicht beim Holzofen-Gourmetdinner auf der Rax.

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Nebelsuppe aus dem riesigen Himmelstopf.

Gemeinsam mit der Wanderführerin Martina von Teamwandern wandern wir vom Preiner Gscheid am einfachsten Aufstiegsweg, dem Schlangenweg, zum Karl-Ludwig-Haus auf knapp über 1.800 Höhenmeter. Die Wetterbedingungen sind bescheiden und treiben den Wandersmenschen eigentlich eher bergab als bergauf. Der Drang nach dem was uns heute noch erwarten wird ist aber größer als jede Schlechtwetterlage. Den ersten Gang gilt es jedenfalls schon am Beginn des Schlangenweges auszulöffeln: die Nebelsuppe.
Wir entschließen uns für den Gang über das Törl, welcher etwas flacher, aber länger zum KaLuHa führt. Ich mag die Abkürzung irgendwie. Jedenfalls bekommen wir am Raxplateau schon das Dessert serviert: eiskaltes Windspiel. Durch diesen unwirtschaftlichen Gang müssen wir alle durch. Erleichtert und mit kalten Fingern betreten wir die Gaststube. Ja, arbeitet hier denn niemand?

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Links: Uwe Machreich, rechts: Gerold Hubmer.

Gemütlich sitzen die Koch- und Hüttenmannschaft an den Tischen, lustig unterhaltend, während wir gerade noch dem aufkommenden Polarsturm entrinnen konnten. Aber der Schein trügt. Seit dem frühen Vormittag ist der Holzofen im Betrieb, die Vorbereitungen für das Gourmet-Dinner laufen seit Stunden auf Hochtouren. Nur sieht das der Gast nicht. Die Kunst der Haubenküche.
So bleibt für uns mal Zeit anzukommen und die Körpertemperatur vor dem Kamin wieder auf halbwegs gesunde Werte zu bringen. Einige Gäste sind schon am Vortag auf die Hütte gestiegen und haben sich dem Kochkurs von Haubenkoch Uwe Machreich hingegeben. Etwas später treffen noch zwei Gourmet-KlettersteiglerInnen über den Haidsteig bei uns ein. Seid ihr alle da? Jaaa. Dann kann das 6-Gänge-Bio-Holzofen-Menü gegen 15 Uhr ja beginnen. Nichtsahnend, dass dem Menü heute noch ein Zahlensturz bevorsteht.

Uwe Machreich und Gerold Hubmer heißen uns herzlich willkommen und hängen uns gleich mal einen ordentlichen Brocken um. Zum ersten Gang gibt es Rax-Stein mit Beilagen. Und hier kommen auch die schon erwähnten Vogelbeeren zum Einsatz. Wir lachen – Insider-Schmäh für die Wandergruppe.

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Stein mit Beilage.

Ich sage es gleich vorweg: Jeder Gang war eine eigene exquisite Komposition aus biologischen und großteils regionalen Lebensmitteln und jeder Gang hat mich geschmacklich absolut fasziniert. Zwischen den einzelnen Gängen war immer genug Rastzeit eingeplant, welche für Gespräche mit den anderen Gästen genutzt wurde oder um sich edlen Wein aus den Häusern Jurtschitsch, Wieninger und Zillinger kredenzen zu lassen. Wer jedoch eher eine herbere Begleitung bevorzugt, ist mit der grundsätzlich ausreichenden Bierauswahl am KaLuHa gut versorgt.

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Teilweise so gut wie undefinierbar.
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Vom heimischen Rax-Bergwein.
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Ob nach den vielen Gängen überhaupt noch gekraxelt werden kann?
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Auswahlschwierigkeiten darf man keine haben…
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Zwischen den Gängen gilt es die Aussicht zu genießen.

Und wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt vom Holzofen noch ein Gängchen her. Moment mal, es hieß doch sechs Gänge? Und wir sind noch lange nicht fertig? Das Bild von Gang Nr. 8 ist nur mehr ein erbärmliches Gleichnis meines noch immer vorhandenen Heißhungers. Richtig gutes Essen! Gibt es aber auch außerhalb des heutigen Events am KaLuHa, Packerlsuppe und Dosenfutter wird man in der bio-zertifizierten Berghütte vergeblich suchen.

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Und außerdem wäre ich ein verdammt schlechter Food-Blogger.

Der Schleier der Nacht hat sich über das Raxplateau gelegt, das fahle Licht in der Hütte schafft eine warmherzige Umgebung. Die Augen werden schwerer, reißen aber beim letzten Gang wieder auf: Kaiserschmarrn mit Hollerkoch. In einem Wort: Top!

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Ausgezeichnet hoch 9!
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Ein begehrtes Objekt: Hollerkoch. Meeeeeins!

Ihr kennt doch sicher das wohlige Gefühl nach dem Essen, wenn alle Reste verputzt sind, der Gürtel etwas gelockert werden muss und man sich auf den Sessel zurücklehnt. Für Köche gilt dies ebenso. Nach vollbrachter Arbeit schenken sie sich ein genüssliches Achterl Rot ein und lassen den Tag mit einer zünftigen Bauernschnapserei ausklingen. Müdigkeit durchzieht die Räume im Karl-Ludwig-Haus, ein arbeitsreicher Tag liegt hinter dem gesamten Team, ein genussvoller Tag hinter uns.

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Dem Spiel über dem Feuer folgt das Spiel zu Tisch.
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Langsam kehrt Ruhe ein.
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Leuchten am Berg und im Tal.

Einige Gäste verweilen auf der Hütte und werden erst am morgigen Tag wieder zum Preiner Gscheid absteigen. Sie haben die noch eine Spur genussvollere Variante dem dunklen Abstieg mit Stirnlampen vorgezogen. Wobei uns die vielen aufgegessenen Teller nun grandioses Nachtwetter beschert haben. So machen sich einige Stirnlampen und deren TrägerInnen gegen 21 Uhr auf den verdienten Heimweg.

DANKE an den wundervollen, kulinarisch hochwertigen Abend in einer geselligen und lustigen Runde in ungewöhnlichem Ambiete für ein mehrgängiges Menü. Danke an Uwe Machreich, Gerold Hubmer und die weiteren Köche, die den Brei auf keinen Fall verdorben haben. Danke auch an das sympathische KaLuHa-Team und vor allem ein großer Dank an Wiener Alpen in Niederöstereich, welchen ich diese Einladung zu verdanken habe. Wer mich kennt, weiß, dass dieser Umstand nichts an meiner Kritikfähigkeit ändert. Aber hey, was soll ich an einem so perfekten Abend schon kritisieren. Außer das Wetter im Aufstieg. Das geht besser. Nächstes Jahr dann.

  • Damit das Wasser im Mund zusammenläuft, hier noch die Menüliste des Gourmet-Dinners 2016:
    • Auf dem Stein: Paradeis mit Ziegenkäse vom Mandlbauern, Reinankentartar  auf Brotcracker, Gesalzener Gamsrücken mit mariniertem Kürbis & Vogelbeeren, Hausgem. Speck vom Karl-Ludwig-Haus
    • Rindsuppe mit Steinpilzen & Erdäpfelespuma
    • In Schmalz gebratene Reinanke mit Karfiol & eingelegten Gurken
    • Rindsuppe mit Schulterscherzl & Gemüse
    • Lammrücken vom Pongratz mit Melanzanicreme & geschmorten Paprika
    • Geschmorte Lammschulter mit Paprikaspätzle vom Brett
    • Schweinsbauch aus dem Holzofen mit Schmorkraut & Erdäpfel
    • Rehkeule mit weiße Mohn-Schupfnudeln, Pilzen & Zwetschkenchutney
    • Hüttenschmarren mit Hollerkoch
  • Einige Fotos vom Event sind auf der Facebook-Seite der Wiener Alpen zu finden: https://www.facebook.com/wieneralpen/posts/10154600832777010
  • Auch im Jahr 2017 wird das tolle Gourmet-Event stattfinden. Die Termine werden hier und auf www.wieneralpen.at zu finden sein. Dann sollte man sich die Nächtigung auf der Hütte nicht entgehen lassen. Wegen dem Sonnenuntergang – als Sahnehäubchen.
Sonnenaufgang am nächsten Morgen. (c): WIENER ALPEN/Lisa Kornfell
Sonnenaufgang am nächsten Morgen. (c): WIENER ALPEN/Lisa Kornfell

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