Von der Schnapsidee zur Umsetzung – Trailrun am Bisamberg

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Montag, 4. April 2016, Wien. Menschen gehen arbeiten, die Woche nimmt ihren Betrieb wieder auf. Und ich? Ich könnte zwar nicht behaupten, dass mir an jenem Tag langweilig im Kopf gewesen wäre. Aber irgendeine verrückte Stimme in meinem Kopf fragte im Mantrastil unüberhörbar: „Heute mal bergauf laufen?“
Wenn du gleich zum Trailbericht vom Bisamberg kommen möchtest, dann überspringe den folgenden Absatz. Wenn du aber wissen willst, warum ich zum Laufen gekommen bin und warum es dabei jetzt auch im wahrsten Sinn bergauf geht, bleib am Ball.

Die Übersichtskarte, kompakte Laufinformationen und Streckenführung befinden sich am Ende des Berichtes.

Warum zum Teufel Laufen?

Ich hasse Laufen. Kläglich waren meine Versuche in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter, mich für den schweißtreibenden und lungenexplodierenden Sport zu begeistern. Habe ich mich einmal dazu überwinden können, schoßen mir spätestens nach zehn Minuten Gedanken wie „Warum tust du dir das eigentlich an?“ und „Was für ein Blödsinn!“ durch den Kopf. Eine ganz besondere Sternenkonstellation muss gerade am Himmelszelt gewesen sein, wenn ich zwei Tage später noch einen Versuch startete. Aber dann war immer Schluss, für die nächsten zwei Jahre. Aber seit dem letzten Herbst muss ich meinen Eingangssatz zeitlich umändern. Ich habe Laufen gehasst.
Eines herbstlichen Abends fragte mich Alina, während sie gerade ihre Laufschuhe schnürte, ob ich mitlaufen will. Nach einem langen „ääääääääh“ folgte ein kurzes „Ja“. Laufschuhe hatte ich natürlich keine zur Verfügung, so mussten die desolaten Sommersneakers daran glauben. Die Sohle war bei diesen Schuhen fast durch, ich spürte jedes Steinchen durch die dünne Schicht. Nach 25 Minuten war der Spuk vorüber. Früher wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, so „lange“ zu laufen, erstens weil ich keinen Sinn darin sah und zweitens die Lungenflügel schon halb rausgekommen wären. Aber nichts von diesen beiden Demotivationsmomenten setzte ein. Im Gegenteil. Ich fühlte mich gut dabei und konditionell war dies überhaupt kein Problem. Ich merkte, dass ich mir mit Bergsteigen und Wandern eine gewisse Grundkondition erarbeitet hatte, die erst so richtig im Lauf auffiel. Wobei, eigentlich eh klar. Sonst hätte ich wohl nie den kroatischen Gewaltmarsch, den Höhenmeter fressenden Weg zur Zugspitze und den 80er im letzten Jahr überstanden.
Auf einmal war Laufmotivation vorhanden und zeigte sich insofern, als dass ich meine alten Laufschuhe von der Bundesheerzeit (ja, ich war beim Bund, glaubt mir nie wer) aus den Tiefen des Elternhauskellers hervorkramte und diese sogar den Weg zu einem mehrtägigen Seminar nach Innsbruck fanden, an dessen Abenden ich meine Runden um den Block drehte. Die Laufschuhe mussten in weiterer Folge jedoch sang und klanglos entsorgt werden. Erstens waren die Laufschuhe sowieso purer Mist und zweitens weil ich diese im feuchten Zustand in ein feuchtes Eck im Haus stellte, mir nichts dabei dachte und erst zwei Wochen später feststellte, dass sich eine neuartige Zivilisation auf den Schuhen gebildet hatte. Laufschuhe adé.
Im Jänner nahm ich an der Burgenland Extrem Tour teil, 120 Kilometer galt es rund um den Neusiedler See zu absolvieren. Nach 60 Kilometern wandern spielte mein Knie jedoch nicht mehr mit und ließ es bei der Kilometersumme bleiben. Doch ich startete neben 1.700 anderen Leuten gemeinsam mit Alexandra Schistek, eine langjährige Freundin und frühere Mitbewohnerin von mir. Sie ist die 120 Kilometer in etwa 14 Stunden gelaufen, übrigens hat sie laufend Erfolgserlebnisse zu Buche stehen. Unglaublich. Wirklich! Alex dient als weiterer Ansporn meiner Laufmotivation.
Es folgten mein privater Umzug im Februar 2016 nach Wien, die zeitlich sehr einfordernden Arbeiten am neuen Buch „Abenteuer Gassi“ und ein Trip nach Berlin. Und danach: Ein salomonischer Schuhkauf.
Doch erst am Ostersamstag packte mich auf einmal der Trieb. Vor der Wiener Haustür hielt ich meine Nase in den Himmel, nahm einen langen Zug feinstaubgetränkter Luft, hustete und lief los. Über Karlsplatz, Stadtpark, Donaukanal bis zum Prater. Verdammt, fühlte ich mich gut. 50 Minuten später stieg ich in die 1er Bim ein und ließ mich wieder in Richtung Zuhause chauffieren. Über 8 Kilometer spulte ich bei meinem ersten richtigen Run in Wien ab und mein Körper hätte noch länger und weiter können. Der Kopf meinte jedoch, ich solle aufhören. Es könnte doch nicht sein, dass ich gleich beim ersten Antritt in Wien meinen Laufrekord „pulverisierte“. Doch ich tat es, und es machte unglaublichen Spaß. 28 Jahre musste ich alt werden, um die Freuden des Laufens kennenzulernen.

Und warum um Gottes Willen gleich bergauf?

Ich merkte schnell, dass ich nicht unbedingt der beste Freund des Laufens in der Stadt bin. So suchte ich die nahe Natur für meine Stadtläufe und am eingangs schon erwähnten Montag versuchte ich mich das erste Mal im bergauf laufen. Professionelle LäuferInnen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie mein Laufoutfit sehen würden. Der Trail-Rucksack fand sich schon in meinem Ausrüstungsrepertoir, wobei ich diesen bei der Tour absolut nicht gebraucht hätte, als Laufhose verwendete ich eine Lederhosen-Badehose, die Laufschuhe sind eigentlich für den Stadtlauf ausgelegt. Keine Sorge, mittlerweile befinde ich mich im Besitz richtiger Trailrun-Schuhe von Saucony. Dazu aber in einem anderen Bericht mehr.
Aber egal, ich lief einfach mal drauf los. Vom Bahnhof Langenzersdorf ging es am trockenen Aufstiegsweg zur Elisabethhöhe, von hier weiter durch schattigen Wald zur Gamshöhe, zu Weingärten und zum Herrenholz und hinten rum durch gepflasterte Kellergassen hinab zur Straßenbahnstation in Stammersdorf. Siehe auch den Routenplan nach den Fotos.
Ich hab geschwitzt wie ein Schwein, den Laufschritt konnte ich hinauf zur Elisabethhöhe nicht durchziehen und meine Laufbewegung ersetzte ich durch dynamisches Emporsteigen. Freude? Kaum. Aber der weitere Lauf im Auf und Ab durch Wälder und Weingärten war für den Genuss verantwortlich. Nach einer guten Stunde landete ich in Stammersdorf, glücklich, geschafft und froh. Meine ersten Laufhöhenmeter sind Geschichte, und es war geil! Nun bin ich also auch aufs Laufen GEHkommen. GEHt auch!

Ich weiß jedoch nicht, ob ich dieses Dahingeschleppe und Gelaufe wirklich als Trailrun bezeichnen kann. Wo sind die Profis, die mich für diese Aussage schelten?

Fünf "Anläufe" brauchte ich für das Foto. Ob sich das wirklich auszahlt...
Fünf „Anläufe“ brauchte ich für das Foto. Ob sich sowas wirklich auszahlt…
Hier benötigte ich nur zwei Anläufe. Es wird.
Hier benötigte ich nur zwei Anläufe. Es wird.
Duftveilchen ahoi am Bisamberg.
Duftveilchen ahoi am Bisamberg.
Von Bienen und Blüm...nein, nur Bienen.
Von Bienen und Blüm…nein, nur Bienen.
Ein kleines Etwas am Bienenlehrpfad.
Ein kleines Etwas am Bienenlehrpfad.
Im dauerhaften Winterschlaf befindet sich neuerdings der Gasthof Gamshöhe.
Im dauerhaften Winterschlaf befindet sich neuerdings der Gasthof Gamshöhe.
Fotografieren und Laufen verträgt sich einfach nicht. Jedenfalls bei mir nicht.
Fotografieren und Laufen verträgt sich einfach nicht. Jedenfalls bei mir nicht.

Fazit der Lauftour am Bisamberg

Länge: 9,2km
Höhenmeter: 260m
Zeit: 55 Minuten
Asphaltanteil+Pflasterwege: 41%
Streckenführung: Bahnhof Langenzersdorf – Hauptplatz – Jubiläumsgasse – In Schiffeln – Aufstieg, rote Markierung – Elisabthhöhe – Gamshöhe – Bisamberg-Wald – In Borschäckern – Herrenholz – Mitterhaidenweg – Luckenholzgasse – Clessgasse – Stammersdorfer Straße – Freiheitsplatz – Jedlersdorfer Straße – Josef-Flandorfer-Straße – Straßenbahn-Station Stammersdorf

volle Distanz: 9.25 km
Gesamtanstieg: 262 m
Gesamtabstieg: -262 m

Läufst du auch? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

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