„Zu Fuß durch das Gebiet der Nationalparks Kalkalpen und Gesäuse“, Vortrag von Verena und Andreas Jeitler

1411_titelbild_jeitlerEinen ganzen Sommer lang zu Fuß unterwegs sein. Viele träumen davon, manche machen es. So wie die beiden Wandermenschen aus der Oststeiermark: Verena und Andreas Jeitler. Sie waren im Sommer 2013 einige Monate zu Fuß im Nationalpark Gesäuse und im Nationalpark Kalkalpen unterwegs, haben die schroffe und wilde Natur des Gesäuses sowie die waldreiche und einsame Landschaft des Nationalparks Kalkalpen kennengelernt. Im Oktober und November 2014 tourten sie mit einem Foto-Film-Vortrag durch das südliche Oberösterreich, ich war bei ihrem Vortrag in Viechtwang bei Scharnstein im Almtal dabei.

Das Gasthof Silmbroth in Viechtwang im Almtal heißt uns willkommen.
Das Gasthof Silmbroth in Viechtwang im Almtal heißt uns willkommen.

Direkt im idyllischen Zentrum von Viechtwang gelegen, bildet das Gasthaus Silmbroth den Rahmen des Film- und Foto-Vortrages. Begrüßt wird man von hausgemachten Cremeschnitten, die aufgeweckte Wirtin weist uns auf den Vortragssaal im ersten Stock hin und nimmt parallel gekonnt unsere Getränkebestellung entgegen. Die Wirtin weiß wie es geht.

Jeitler - KalkalpenVerena und Andreas Jeitler begrüßen uns als erste Ankömmlinge. Die Platzwahl fällt noch leicht und bald stehen auch schon unsere Getränke am Tisch. Nach und nach trudeln Interessierte ein, an die 20 Menschen finden sich schlussendlich im Vortragssaal ein. Der Beamer fährt hoch, die Vortragenden begrüßen das Publikum, wünschen einen angenehmen Abend und dunkeln das Raumlicht ab.

Wo wir uns befinden, ist hiermit bekannt.
Wo wir uns befinden, ist hiermit bekannt.

Nationalpark Gesäuse

Der Vortrag startet mit imposanten Bildern sowie Filmaufnahmen von reißenden Gewässern sowie schroffen Felsen, unterlegt mit passender Musik und einem Live-Kommentar von Verena Jeitler.
Einen Experten des Nationalparks Gesäuse, dessen Name mir entfallen ist, lassen sie ebenso im Filmvortrag zu Wort kommen, wie Andreas Jeitler selbst. Seine Stimme erzählt von den Wandertouren im Gesäuse. Die eingezeichneten Wanderrouten in Luftbild-Übersichtskarten geben Aufschluss über die Routenführungen sowie Einkehrmöglichkeiten. Präsentierte 2.000er-Tourenziele wie Lugauer, Hochtor, Reichenstein oder Hochzinödl machen Lust auf mehr und lassen unweigerlich die Füße zucken.

Jeitler - Tamischbachturm(1)Bei ihren Aufnahmen merkt man, dass sie die Motive suchen und auch finden. Sie brechen frühmorgens auf um den Sonnenaufgang am Gipfel zu erleben, bleiben lange um den Sonnenuntergang zu betrachten. Zu guter Letzt folgen Fotos von ausgesetzten Klettersteigen und Kletterstellen, ehe dem Publikum nach der einstündigen Vorstellung des Nationalparks Gesäuses eine Verschnauf- und Toilettenpause gegönnt ist.

Aktuelle und ehemalige BergsteigerInnen unter sich.
Aktuelle und ehemalige BergsteigerInnen unter sich.

Nationalpark Kalkalpen

Die Wirtin schwebt mit Block und Stift durch den Raum, ale Menschen sind versorgt, der Vortrag startet in die zweite Hälfte. Das Ennstal bleibt uns in guter Erinnerung, vor uns stehen die imposanten Wände der Haller Mauern. Auch in diesem Grenzgebiet zwischen Oberösterreich und Steiermark, welches wie das Gesäuse zu den Ennstaler Alpen gezählt wird, präsentieren Andreas und Verena Jeitler Tourenmöglichkeiten. Einige Fotoaufnahmen erinneren mich an begangene Touren, so wie die Besteigung des Großen Pyhrgas, auch wenn mein gewählter Aufstiegsweg, der Bad Haller Steig, nicht vorkommt.
Nachdem der Scheiblingstein und Hexenturm bestiegen wurden, wechselt man nun endgültig in den Nationalpark Kalkalpen. Der zweitgrößte Nationalpark Österreichs schließt das Sengsengebirge sowie das Reichraminger Hintergebirge ein und wirkt landschaftlich um einiges anders als das nahe Gesäuse.

Jeitler-DürrensteigkammIm Nationalpark Kalkalpen befindet sich eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Österreichs, der Hohe Nock ist mit seinen 1.963m der höchste Punkt im Nationalpark. Die beiden Wandersleut präsentieren im einsamen Wandergebiet interessante Tourenmöglichkeiten wie den Triftsteig (A/B-Klettersteig), den Gipfel des Großen Größtenbergs oder die zweitägige Überschreitung des Sengsengebirges, mit Übernachtung in der Biwakschachtel. Selbst mit Aufnahmen eines stillen Örtchens in der Nähe der Schachtel wird nicht gespart.

Jeitler - KlettersteigDer Vortrag nähert sich seinem Ende, doch ein letztes Mal wird die Gebirgsgruppe gewechselt und das Warscheneck mit seinen äußerst stark gebänderten Kalkfelsen vorgestellt. Dabei wird vor allem das Naturschutzgebiet erwähnt und die vor einigen Jahren geplante Skischaukel kritisiert, welche durch das Naturschutzgebiet eine Schneise der Verwüstung gezogen hätte. Im Jahr 2012 wurde dank starkem Protest von Alpenvereinen und Naturschutzorganisationen das Projekt fallen gelassen.
Bei solch wunderschönen Landschaftsaufnahmen wird wohl den meisten Menschen im Saal klar, dass die Berglandschaft erhalten werden muss und dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir eine unberührte Natur vorfinden. Man muss sich dafür einsetzen. Verena und Andreas Jeitler sind zwei Menschen, die mit ihren Bildern und Erzählungen genau das tun. Danke für den tollen Vortrag, die eindrucksvollen Bilder und danke für die wirksame Botschaft.

Fünf Fragen zum Fünfuhrtee

  • Eure Lieblingstour im Gesäuse und im NP Kalkalpen?
    Andreas: Gesäuse – Tamischbachturm, Kalkalpen – Sengsengebirgshöhenweg
    Verena: Gesäuse – Buchstein, Kalkalpen – Wasserklotz
  • Wieviele Sonnenaufgänge habt ihr erlebt?
    Keine Ahnung, haben irgendwann aufgehört zu zählen. 🙂
  • Wieviele Kilometer seid ihr in den Nationalparks abgewandert?
    über 500 km
  • Was habt ihr immer auf Tour mit?
    Kamera, Regenkleidung, Wasser, Essen, Stirnlampe, Erste Hilfe Set, Sonnenschutz, Wanderkarte, Handy
  • Tragt ihr euch in Gipfelbücher ein?
    Nein, sehr selten. Auch ein Tourenbuch führen wir nicht. Für uns zählt einfach das Erlebnis und nicht die Statistik.

Weiterführende Literatur

Wer Informationen zu Wanderwegen und Naturlandschaften im Nationalpark Kalkalpen sucht, wird im Wanderbuch Nationalpark Kalkalpen von Gerald Radinger fündig. Nähere Informationen findet man auf der Seite hochtourist.at, bestellbar ist das Buch bei freytag & berndt.

Wandervorschläge für den Nationalpark Gesäuse findet man im Rother Wanderführer Gesäuse, wer aber die alpine Geschichte der schroffen Bergwelt näher kennenlernen möchte, dem sei das Buch Erlesenes Gesäuse von Adi Mokrejs, Ernst Kren und Josef Hasitschka wärmstens empfohlen. Für visuelle Menschen ist auch die Universum-Dokumentation des Nationalparks Gesäuse auf DVD erhältlich.

3 Gedanken zu „„Zu Fuß durch das Gebiet der Nationalparks Kalkalpen und Gesäuse“, Vortrag von Verena und Andreas Jeitler

  1. Hallo Martin und Christof,
    es freut mich, dass euch der Bericht gefallen hat.
    Ich war auch von Verena und Andreas sehr beeindruckt und vielleicht treffe ich sie mal bei einer Bergtour.
    Herzliche Grüße nach Franken und Kärnten,
    Martin

  2. Hallo Martin,

    schöner ausführlicher Bericht. Hat mich besonders für Verena und Andi gefreut, die Freunde von mir sind und deren Arbeit ich einfach schätze!

    Viele Grüße aus Franken

    Christof

  3. Vielen vielen Dank! Das wäre der erste Vortrag, den ich versäume, daher hoffe ich, dass er sich noch irgendwie ausgeht, wenn auch in absehbarer Zeit keine Ausflüge nach OÖ geplant sind.

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