Warum es derzeit auf gehlebt.at wenig zu lesen gibt – Der Versuch einer Erklärung

Mir ist aufgefallen, dass in den letzten Monaten immer weniger Berichte den Weg auf gehlebt.at gefunden haben. Der 1. und 18. eines Monats sind für Weitwander- und Literaturrückblicke reserviert, an denen wurde in der Vergangenheit nicht und wird in Zukunft auch nicht gerüttelt. Jedenfalls genauso wenig wie Niederländer bei der kommenden Fußball-EM in Frankreichs Stadien spielen werden (sorry für die Untergriffigkeit). Aber es ist Tatsache, ich schreibe weniger auf gehlebt.at! Warum das so ist, versuche ich euch jetzt zu erklären.

1. Bücher, Bücher, Bücher…

Ja, genau, es geht um Bücher. Beschreibung Nr. 5 ist gerade erst erschienen, aktuell arbeite ich an insgesamt vier weiteren Wanderbüchern, die allesamt zwischen Weihnachten 2015 und Frühjahr 2017 erscheinen sollen. In chronologischer Reihenfolge: Ein grenzüberschreitender Weitwanderweg Österreich-Ungarn, Gassi-Abenteuer für Hunde in Wien, Hüttenwandern in den Wiener Hausbergen und Wandertouren im Meraner Land. Die Arbeit an diesen Werken geht natürlich vor. Zeiten, die früher damit verbracht wurden einen wunderbar aussagekräftigen Text für gehlebt.at zu fabrizieren, werden heute mit stundenlanger Recherearbeit zugekleistert. Was soll ich sagen: aus meinem Hobby wurde ein Beruf – und ich liebe ihn.

2. Eine gewisse Müdigkeit

Ihr kennt doch sicher diese Momente der Unlust, der Motivationslosigkeit, der Müdigkeit – egal ob in beruflicher oder privater Hinsicht. Diese Phasen traten in den vergangen Wochen immer öfter zu Tage, teilweise konnte ich diese Zeiten mit einer kurzen Weitwandertour hinweggehen. Doch es gab und gibt immer wieder Tage, an denen ich keinen Blick auf gehlebt.at werfe, nicht meine SocialMedia-Kanäle nach Neuigkeiten checke, einfach mal ein Buch für mich lese oder mich in den Zug setze, herumfahre und einfach aus dem Fenster blicke. Ich nehme mir Zeit für mich.

3. Der Drang nach „Mehr“ ist verschwunden

„Weniger ist mehr“, sagt mensch. Das stimmt in manchen Bereichen nicht. Weniger Liebe, weniger Frieden, weniger Moral sind wohl kaum eines Problems Lösung. Der Blog gehlebt.at ist in den letzten Jahren gewachsen. Am Anfang verirrte sich kaum jemand hierher, die Zahl der facebook-Fans tümpelte zwischen Meeresspiegel und Landeshöhepunkt der Malediven herum. Mit der Zeit stiegen die Besuchszahlen, die Follower in den SocialMedia-Kanälen setzten ihren Weg bergwärts fort.
Ich freute mich, wenn Monat für Monat immer mehr BesucherInnen gehlebt.at erreichten. Klar, warum denn auch nicht. Ich fiel in eine Spirale, die uns wohl aus anderen Lebensbereichen bekannt ist. Immer mehr Berichte verfassen, mehr posten um noch mehr Menschen zu erreichen, sich was Neues einfallen lassen. Täglich rief ich die Besuchszahlen auf gehlebt.at, erstellte Statistiken. Als aber letztes Monat die Besuchszahlen das erste Mal seit langem rückläufig waren, ich veröffentlichte kaum Neues, war es mit dem Wachstum nun fürs Erste geschehen. Wachstumskrise? Rezession? Brechen die Aktien jetzt ein? Nein, es ist einfach so und mir wurde knallhart vor Augen geführt, was aus meinen Gedanken geworden ist.
Was wurde aus dem ausgeglichenen, minimalistischen, ganzheitlich denkenden Martin? Mit Besuchszahlen versehene Scheuklappen förderten meinen Tunnelblick. Die Scheuklappen sind nun mittlerweile wieder abgelegt. Es hat sich wieder ein gewisses Wurschtigkeitsgefühl eingestellt, damit meine ich aber nicht, dass mir die Besuche, Likes, Kommentare etc. egal sind. Sie sind das Futter für die Blogtätigkeit, aber ich arbeite nicht mehr aktiv auf ein „Mehr“ hin. Wenn jemand neu auf gehlebt.at kommt, sich diese geniale Seite merkt und später wieder mal besucht: super! Wenn nicht, dann nicht. Einfach laufen lassen.

4. Phase des Weltschmerzes

Diese Phase habe ich immer wieder mal, auch wenn sie meist nur von kurzer Dauer ist: der Weltschmerz. Da sitze ich kopfschüttelnd vor unzähligen Berichten lesend und denke mir: Was zum Geier ist mit dieser verfluchten Welt los? Warum werden Kriege geführt? Warum gibt es so viel Hass? Warum werden Menschen und Länder ausgebeutet? Warum, warum, warum? Dann ertappe ich mich bei der Feststellung, die an Arroganz und Narzissmus kaum zu überbieten ist: „Wenn alle Menschen so wie ich wären, dann wäre alles super.“ So! Und dann: Zack!, nach einer gedanklichen Ohrfeige für mich selbst bin ich wieder in der realen Welt gelandet, schäme mich für diesen Gedanken und Mahatma Gandhi flüstert mir ins Ohr: „Be the change you want to see in the world.“ Oder um die nicht minder geläuterten Ärzte zu zitieren: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“
Aber all diese Gedanken wirken unweigerlich in Punkt 2. meiner Erklärungsliste ein. Es kommen wieder andere Phasen, andere Gedanken, doch derzeit befinde ich mich in einem Wellental.

Jetzt habe ich etwas aus dem Nähkästchen geplaudert, doch schrieben sich die Wörter so geradewegs, wie sie aktuell in meinem Kopf umhergeistern. Ja, es gibt im Moment wenig Neues zu lesen auf gehlebt.at. Ja, daran wird sich wohl in den kommenden Monaten kaum etwas ändern. Dennoch, ich würde mich sehr über deinen Besuch auf gehlebt.at freuen, wenn ich dich weiterhin als meinen Gast begrüßen darf. Vielleicht kommen wir sogar noch weiter ins Plaudern, trinken Tee und essen Kekse. Virtuell jedenfalls. Außer du hast wirklich Kekse bei der Hand, dann darfst du mich gerne auch real besuchen.

Und wer weiß. Vielleicht brauchte ich die Niederschrift dieser Zeilen, um mich wieder neu zu motivieren, den Kompass neu auszurichten, einen neuen Weg einzuschlagen. Danke, dass du dich auf gehlebt.at aufhältst, du bist super!

Ein Gedanke zu „Warum es derzeit auf gehlebt.at wenig zu lesen gibt – Der Versuch einer Erklärung

  1. Ach Martin,

    wie gut kenne ich diese Zeit.
    Es liegen rd. 15 Berichte ungeschrieben und es eilt auch nicht.

    Du hast doch die Basis geschaffen, der Blog lebt. Deine Leser werden immer wieder kommen und nachschauen, wenn sie Informationen benötigen oder Anregung oder einfach nur lesen, weil es so gut tut, oft ohne einen Kommentar aber meist mit einem Gedanken wie „Das war schön zu lesen“

    Es gibt so viel in unserem Leben und das ist gut, dass sich nicht alles um ein Thema, um z.B. einen Blog dreht. Es kümmert dich was in der Welt geschieht, viele Blicke über den Blogtellerrand hinaus. Ich finde das gut 🙂

    Alles Liebe für dich
    Elke

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