Winterwanderung zum Naturfreundehaus Knofeleben (1.250m)

Zu früher Stunde brechen Pirie und ich mit dem Zug nach Payerbach-Reichenau auf, mit dem optimistischen Ziel, den Krummbachstein (1.602m) zu erreichen. Wir begnügen uns in weiterer Folge einstimmig mit dem Erreichen des Naturfreundehauses Knofeleben, ehemals Friedrich-Haller-Haus.

Auffi auf’n Berg

Der Horizont steht in Flammen, der Himmel über uns nimmt eine rötliche Färbung an. So die frühmorgentliche Stimmung in Payerbach, es scheint wohl im wahrsten Sinn ein guter Tag zu werden.

Winterwanderung Naturfreundehaus Knofeleben - frühmorgens am Bahnhof Payerbach-ReichenauWir verlassen den Bahnhofvorplatz über den Parkplatz, an dessen Ende führt eine Stiege zur Straße runter. Dem orange beleuchteten Tunnelstück folgen wir und bleiben ca. 50m auf der Straße, ehe wir dem ersten Wegweiser zum Naturfreundehaus und der roten Markierung nach links folgen. Nach einem ersten steilen Waldstück und Stufen landen wir im Schneebergdörfl. Pirie ist heut flott unterwegs und legt ein ordentliches Tempo vor. Im Schneebergdörfl leg ich ihr aber die Leine an, auch wenn um diese Zeit auf den Straßen noch nicht viel los ist. Nach ca. 500m erreichen wir eine Kreuzung, biegen bei dieser rechts und gleich wieder links ab, vorbei an der Filiale Schneebergdörfl, ein ehemaliges Feuerwehrhaus. Ab hier immer auf der Straße bleibend mit Fernsicht auf die Rax, vorbei an der Wald-Hütte und immer stets den Hinweisen und Markierungen folgend.

Winterwanderung Naturfreundehaus Knofeleben - Pirie-Göttin und die Rax-Göttin Winterwanderung Naturfreundehaus Knofeleben - Rax im MorgenlichtWir verlassen die Straße und befinden uns nun auf einem Waldweg, welcher leicht ansteigend nach oben führt. Die Eng-Schlucht kommt immer näher, den versicherten Mariensteig bringen wir auch hinter uns, die Schneelage ist in diesem Teil ideal.

Winterwanderung Naturfreundehaus Knofeleben - MariensteigTeilweise liegt fast gar kein Schnee auf den Wegen, und wenn, dann nicht besonders hoch. Wir steigen immer höher und ich erkenne, dass die Schneelage sich auch von Meter zu Meter ändert. Es befinden sich hier fast keine vorangegengenen Spuren, nur die etwas zugewehten Abdrücke von Schneeschuhen kann ich erkennen, in welchen ich auch meist hineinsteige. Dennoch versinke ich bei den meisten Schritten bis zum Knöchel, sogar die Pirie fällt des Öfteren in den Schnee hinein.

Winterwanderung Naturfreundehaus Knofeleben - Blick von der Eng zum SemmeringWir bringen die Holzriese in der Eng hinter uns und Pirie zeigt die ersten Anzeichen von Aufgabe. Als ich mir das Informationsschild zur Holzriese zu Gemüte führe, wählt sie selbstständig den schon begangenen Weg als Weiterweg. Nein Pirie, wir gehen noch weiter.

Winterwanderung Naturfreundehaus Knofeleben - Holzriese in der Eng-SchluchtEinige Meter später verliert sich die Spur der Schneeschuhe im Graben, hier befindet sich auch ein Abzweiger nach links der gelben Markierung und dem Weg 834 folgend. Der Schnee wird tiefer und der Aufstieg wird steiler. Da nutzt es uns auch nichts, als uns die ersten Sonnenstrahlen erreichen.

Umgeknickte Bäume hindern den Aufstieg ebenfalls. Das erste Mal sinke ich bis zu den Knien ein, es wird mühsamer. Pirie findet den Aufstieg wohl auch nicht mehr so spannend und bleibt konsequent knapp hinter mir. Wir erreichen eine Forststraße, welche auch mit 30-40cm Schneetiefe auftrumpfen kann. Von der Ferne erkennen wir zur Rechten einen Wegweiser, dies sollte der letzte Abzweiger am Weg zur Hütte sein. Ach wie sehr wünschte ich mir gerade Schneeschuhe oder Ski, diese würden den Moment etwas erleichtern. Ich kenne den Aufstiegsweg vom Sommer, aber im Winter sieht alles anders aus. Wir bahnen uns den Weg durch Gestrüpp und Bäume, stets darauf achtend nicht zu tief zu versinken.

Winterwanderung Naturfreundehaus Knofeleben - Sonnenstrahlen kommen durch die SchluchtEin paar Mal gelingt es mir dennoch, meine Beine im Schnee versinken zu lassen, manchmal stehe ich bis zu den Hüften im Schnee. Jedesmal wenn ich so tief versinke, kommt Pirie angelaufen um mir das Gesicht abzuschlecken. ‚Jetzt ist er wehrlos‘ denkt sie wohl, oder doch vielleicht ‚Komm wieder raus da‘. Der Wind wird ebenfalls stärker, die Sonnne zeigt sich gar nicht mehr und scheint verdeckt hinter Wolken. Nach dem mühsamen dreistündigen Aufstieg erreichen wir das Plateau und erblicken das Naturfreundehaus Knofeleben.

Winterwanderung Naturfreundehaus Knofeleben - am Naturfreundehaus KnofelebenDer Wind pfeift hier ordentlich, Piries Ohren flattern im Wind, Mini-Schneetornados formen sich am Plateau. Die Wolkenbildung prophezeit auch keine positive Wetterentwicklung in den nächsten Stunden. Wenn wir noch weiter aufsteigen würden, wären wir dem Wetter ausgeliefert, außerdem wären es wieder 350 Höhenmeter Spurarbeit mehr. Einstimmig beschließen Pirie und ich, die Wanderung dabei zu belassen und am selben Weg wieder zurückzukehren. Runter geht’s um einiges schneller, die Spuren vom Aufstieg helfen mir bei der Wegfindung und auch beim Steigen. Im Wald nehmen wir die direkte Falllinie in den Graben um den umgeknickten Bäumen auszuweichen. Am Rückweg ist die Rax mehr oder weniger eingehüllt.

Winterwanderung Naturfreundehaus Knofeleben - Rax eingehülltZur Mittagszeit erreichen wir wieder den Bahnhof und auf den letzten Metern beginnt es plötzlich zu regnen. Da hat mich die Wolkensituation doch nicht getäuscht, glücklich und etwas erschöpft fahren wir wieder nach Hause. Ich kann jedenfalls verraten, dass Pirie den ganzen Nachmittag und Abend verschlafen hat. Eine Gassi-Tour, die es also in sich hatte.

Fazit

Eine mit normalem Schuhwerk mühsame Angelegenheit. Bis zum Abzweiger in der Eng-Schlucht für diese Verhältnisse eine schöne Wanderung, die Schlucht ist gut vor Schneemassen geschützt. Danach war das Steigen einfach nur mehr „zach“, wie gesagt, mit normalen Bergschuhen. Anders sieht die Tour mit Schneeschuhen aus, hier würde die Tour richtig Spaß machen. Die Hütte ist im Winter geschlossen, daher Verpflegung selbst mitnehmen. Skitourenaufstieg ist aufgrund der Waldsteige nur begrenzt möglich, Abfahrten gibt es auch keine brauchbaren.

Weitere Informationen

Start- und Endpunkt: Bahnhof Payerbach-Reichenau
Weglänge: ca. 13km
Höhenmeter: 800m
Einkehrmöglichkeiten: Naturfreundehaus Knofeleben
Karten: ÖK50 UTM 4212, ÖK25V UTM 4212-Ost, f&b WK 022
Sommerwanderung beschrieben im Bergwanderatlas Niederösterreich

Karten und Literatur bei freytag & berndt, Wallnerstraße 3, 1010 Wien erhältlich, outdoor@freytagberndt.at, +43(0)1 533 86 85-15, www.freytagberndt.at

Übersichtskarte

volle Distanz: 12.62 km
Gesamtanstieg: 991 m
Gesamtabstieg: -991 m

 

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