Alpenplan, quo vadis?

Werfen wir mal einen Blick über den österreichischen Alpenrand in den bayerischen Alpenraum. Wenn am 9. November 2017 der Bayerische Landtag zusammenkommt und dieser über die Änderung des Alpenplans abstimmt, ist es amtlich: Die Natur wird kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen geopfert. Ziel der Änderung des Alpenplans ist die landesplanerische Freigabe für eine Skischaukel am 1787 Meter hohen Riedberger Horn im Allgäu westlich von Oberstdorf. Warum das? Das Riedberger Horn liegt in der Zone C, der absoluten Ruhezone. Zuviele Informationen ohne Vorwissen? Fassen wir kurz zusammen.

Seit 1972 ist der Alpenplan als landesplanerisches Instrument in Bayern gültig. Dieser soll für eine nachhaltige Entwicklung sorgen sowie eine Steuerungsfunktion zur Erholungsnutzung erlauben (z.B. Verkehrserschließungen mit Seilbahnen, Straßen, Wegen, Skipisten etc.). Der Alpenplan war Teil des Landesentwicklungsprogrammes Bayern und soll eine Übererschließung des bayerischen Alpenraumes verhindern und den Naturraum sichern. Stein des Anstosses für die Umsetzung des Alpenplanes war eine geplante Erschließung des Watzmanns mit einer Seilbahn. Damit der Alpenplan auch sinnvoll umgesetzt werden kann, wurden die Gebiete des Alpenraumes in drei Zonen A, B und C definiert. Zone A erlaubt die Errichtung von Erschließungsanlagen, diese werden jedoch auch einer Prüfung auf Raum- und Umweltverträglichkeit unterzogen, wobei Zone B etwas strenger vorgeht und höhere Umweltmaßstäbe verlangt. In Zone C, welche etwa 42% Fläche des bayerischen Alpenraumes bedeckt, sind neue Verkehrserschließungen nicht erlaubt (außer Maßnahmen wie Alm- und Forstwege).

Alpenplan in den Bayerischen Alpen. (Quelle: DAV)

Wir wissen nun, die Zone C des Alpenplans ist als absolute Ruhezone ausgelegt, in welcher Erschließungen wie z.B. Seilbahnen nicht zulässig sind. Im Jahr 2016 wurde diese Zoneneinteilung von der Bayerischen Regierung in Frage gestellt, damit der Bau einer Skischaukel am Riedberger Horn in der Zone C durchgeführt werden kann. Am 9. November 2017 wird schon erwähnt über diese Änderung abgestimmt.

Das Riedberger Horn hat Geschichte. Bereits 1968 gab es Pläne für eine Seilbahnerschließung, der Alpenplan zerstreute diesen Wunsch nach einer resultierenden Zusammenlegung der Skigebiete Grasgehren am Riedbergpass und Balderschwang. Noch immer streben die Betreiber diese Zusammenlegung an um einerseits im touristischen Kontext von mehr Pistenkilometern und mehr Seilbahnen mit den großen Skigebieten mithalten zu können und andererseits unabhängiger von der oftmals wegen Lawinengefahr gesperrten Riedbergpassstraße zu sein.

Erstmals in der Geschichte des Alpenplans steht nun eine Verschlechterung einer Zone C bevor. In einem Gebiet, welches nicht über 1800 Meter hinausreicht und weswegen auch die generelle Sinnhaftigkeit eines neuen Skigebietes zur Frage steht. In Zeiten der nachweislichen Klimaveränderung mit schneearmen Wintern und steigenden Temperaturen im Alpenraum, kann dieses Projekt langfristig kaum einen ökonomischen Nutzen erzielen. Ökologisch sowieso nicht. Von einem Projekt wie diesem profitieren nur einige Wenige für einen kurzen Zeitraum. Die Natur wird dabei jedoch unweigerlich zerstört.

Doch es geht nicht nur ums Riedberger Horn. Sollte diese Umsetzung wirklich geschehen, wie CIPRA und der Deutsche Alpenverein befürchten, öffnet dieser Fall Tür und Tor für weitere Zonenänderungen. Es kommen andere Betreiber und wollen in sensiblen Zonen erweitern, frei nach dem Motto: „Wenn die können, können wir auch“.

Wollen wir das? Wollen wir weitere Erschließungen, die einen enormen Eingriff in die Natur vornehmen, nur damit Interessen von Wirtschaftstreibenden gestillt sind? Wollen wir in einer sommerlichen Bergwelt herummarschieren, die von Seilbahnen, Speicherteichen und Schneekanonen dominiert wird?
Der über vier Jahrzehnte anerkannte und sich gut entwickelnde Alpenplan soll auf einmal zur flexiblen Marionette der Politik und Wirtschaft werden. Wo gehst du hin, lieber Alpenplan?

Vielleicht ein wenig Schwarzmalerei. Aber fällt einmal der erste Stein, fallen andere.

Verliert die Natur, verliert auch der Mensch.

Quellen und weiterführende Informationen:
https://www.alpenverein.de/der-dav/presse/tag-der-entscheidung-staatsregierung-will-schwaechung-des-alpenplans-durchdruecken_aid_30353.html
Der Alpenplan – eine raumplanerische Erfolgsgeschichte (pdf)

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