Buchtipp: I’ll push you

Das Unmögliche möglich machen. Ein Satz, welcher verdeutlichen soll, dass sich der Mensch manche Grenzen im Kopf selbst zusammenzimmert und diese Grenzen eingeschlagen werden sollten. Was wir als unmöglich erachten, mag zwar gewissermaßen wirklich unmöglich sein, aber wie wissen wir das, wenn wir nicht das Unmögliche probieren? Hast du schon einmal versucht, das Unmögliche möglich zu machen? Zwei Gestalten auf dieser Erde haben es: Patrick Gray und Justin Skeesuck aus den USA. Mit dem Rollstuhl pilgerten die beiden Freunde 800 Kilometer von Saint-Jean-pied-de-Port am Spanischen Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

Auf drei Rädern und zwei Beinen nach Santiago

I’ll push you
Der Jakobsweg, zwei beste Freunde und ein Rollstuhl

Autoren: Patrick Gray, Justin Skeesuck
Übersetzung
: Annemarie Pumpernig, Eva Pumpernig, Regina Berger
Auflage: 1. Auflage 2017
Seiten: 316
ISBN-13: 978-3-7109-0028-0
Gebundener Buchhandelspreis Österreich: € 24,00
Gebundener Buchhandelspreis Deutschland: € 24,00
Verlag: Benevento Publishing (eine Marke der Red Bull Media House GmbH)

Mit 16 erleidet Justin einen Verkehrsunfall, der ihn fast tötet und eine langsam voranschreitende Autoimmunerkrankung auslöst. Er kann seine Arme und Beine nicht mehr bewegen, ist auf den Rollstuhl angewiesen. Sein Traum: den Jakobsweg gehen. Als er seinem Freund Patrick davon erzählt, zögert dieser nicht, sich mit ihm zusammen auf das Abenteuer einzulassen. Sechs Wochen sind die beiden unterwegs, die Reise bringt beide an ihre Grenzen, doch gemeinsam bewältigen sie die 800 Kilometer über Stock und Stein durch Nordspanien.

Ein ungewöhnliches Zeugnis von Mut, Glauben und wahrer Freundschaft, das dazu anregt, das eigene Leben infrage zu stellen und Dinge zu wagen, die man bisher nie für möglich hielt.

Blick ins Buch

Patrick Gray und Justin Skeesuck verbindet eine innige Freundschaft seit Kindheitstagen. Eine Freundschaft, welche durch eine stetig ansteigende Autoimmunerkrankung von Justin noch tiefer und selbstverständlicher erscheint. Das Buch handelt von ihrer längsten gemeinsamen Reise, welche beide ihre Augen öffnen soll.

Das Buch ist gegliedert in drei Teile: Wie alles anfing, die Vorbereitungen und der Jakobsweg.
Eine Gefühlsachterbahn erleben die beiden Freunde am Jakobsweg.
Justin und Patrick, die beiden Freunde und Autoren des Buches.
Justin und Patrick wechseln sich in ihren Erzählungen ab.
Freunde, Fremde, Bekannte, Unbekannte helfen ihnen bei der sechswöchigen Wandertour über Hindernisse hinweg.
Trifft es auf den Punkt.

Patrick und Justin erzählen in diesem Buch abwechselnd über die Idee, den Jakobsweg zu gehen, die anstregende Vorbereitung und die noch anstrengendere Umsetzung am Jakobsweg. Teilweise überschneiden sich ihre Erzählungen, vor allem interessant, welch unterschiedliche Sichtweisen sich auf einen Moment ergeben können. Immer wieder blicken sie auf Lebenssituationen zurück, welche zu aktuellen Momenten am Jakobsweg passen und gewisse Charakterzüge oder Gedanken erklären. Die Gedankensprünge erfolgen meist chronologisch und erklären die entstandene Freundschaft zwischen den beiden Pilgern.

Es ist der März 2012, als Justin vor dem Fernseher sitzend eine lebensverändernde Fernsehsendung sieht. Er verfällt dem Spanischen Jakobsweg, obwohl er damals schon im Rollstuhl sitzt. Nur mit dem Funken einer Idee erzählt er seinem besten Freund Patrick von dem Weg, welcher nüchtern antwortet: „I’ll push you!“. Es beginnt ein intensives körperliches Training für Patrick, die Organisation der Reise (ein Filmteam begleitet sie) sowie die Auswahl eines idealen Rollstuhles, welcher für eine Belastung dieser Art geschaffen ist. Langsam wird ihnen klar, auf welches Unterfangen sie sich hier eingelassen haben. Der Abschied von ihren Frauen und Kindern fällt schwer, doch sie stehen hinter ihrem Abenteuer.
In den ersten Tagen erhalten Patrick und Justin noch Unterstützung ihres Freundes Ted, welcher über einen Gurt vor dem Rollstuhl ziehend vor allem bei Steigungen wertvolle Dienste leistet. Sie überqueren erfolgreich, wenn auch ausgepumpt, die Pyrenäen mit dem Rollstuhl, kämpfen nach kurzer Zeit mit einem abgebrochenen Rad, können sich jedoch immer auf die Hilfsbereitschaft der Menschen verlassen, die sie treffen. Pilger schließen sich ihnen an, helfen ihnen, wandern tagelang mit, erzählen ihre Geschichten, essen und trinken mit ihnen.

Patrick und Justin beschreiben die ergebenen Schwierigkeiten, wenn man mit einem Rollstuhl unterwegs ist, nicht nur was den Weg, sondern die Infrastruktur betrifft und geben Einblick in ihr ehrlichstes Wesen, welches sich nach einiger Zeit am Jakobsweg nach Außen öffnet. Unzählige Menschen helfen ihnen bei der Bewältigung des Jakobsweges, nichtwissend, dass Patrick und Justin durch Annahme von Hilfe, den Pilgern selbst auch helfen. Besonders bestürzend und rührend ist hier die Geschichte von Claudia, welche ihre Ängste durch die Zusammenkunft mit Justin und Patrick überwinden konnte bzw. wieder anfing, das Positive in einem gewissen Moment zu sehen. Mehr sei hier aber nicht verraten. Verraten kann ich jedoch, dass sie es nach Santiago de Compostela schaffen, aber das ist wohl kein Spoiler. In diesem Fall gilt: Der Weg ist das Ziel.

Wir sind, was wir tun, nicht, was wir ankündigen.
(Seite 204, I’ll push you)

Resümee

Zu Beginn lest sich das Buch eher nüchtern und neutral und fesselt nicht besonders. Auch trüben manche Fehler im Lektorat den Lesefluss. Je mehr man die beiden Persönlichkeiten Justin und Patrick kennenlernt und je weiter sie wandern, desto mehr bleibt man ihnen treu und folgt ihnen unentwegt über Stock und Stein. Vor allem wer den Weg für sich selbst einmal gegangen ist, kann Gefühle nachvollziehen und es wirkt, als ob man selbst vor Ort wäre.
Was jedoch besonders hervorsticht: Die zutiefst innige Freunschaft von Patrick und Justin. Es ist unglaublich, was sie füreinander aufwenden, nicht opfern. Niemand von den beiden, nicht Patrick, nicht Justin, gibt irgendein Opfer. Sie sind einfach füreinander da. Die Zeit am Jakobsweg hat ihnen die Augen geöffnet, auch für das Rundherum.
Ist man zuerst beeindruckt von den Umständen und der Fähigkeit, den Jakobsweg in dieser Form wirklich in Angriff zu nehmen, wird man im Laufe des Buches von der schon erwähnten Freunschaft verzaubert. Ein Buch für all jene, die die Schönheit des Lebens in jeglicher Form schätzen.

Ich vergebe 10 von 10 Freundschaften.


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