Ein Monat ohne Plastik: Meine Erkenntnisse

Ein Leben ohne Plastik. Genau ein Jahr ist es her, dass ich im Monat März 2011 Kunststoffverpackungen, Plastikverschlüsse, Kunststoffe aller Art verweigert habe. Mit Anfang März hatte ich begonnen, meine täglichen Lebensmitteleinkäufe oder sonstigen Einkäufe ohne Plastikanteile durchzuführen. Nachfolgend findest du mein Statement direkt nach dem plastikfreien Monat. Ein Monat ohne Plastik Der Monat März verabschiedet sich in wenigen Stunden für ein Jahr und ich reflektiere mein geplantes, striktes verweigern von Kunststoffverpackungen, Plastikverschlüssen etc. Mit Anfang März habe ich begonnen, meine täglichen Lebensmitteleinkäufe oder sonstigen Einkäufe ohne Plastikanteile durchzuführen, ausgenommen davon war biologischer Kunststoff.

Gänzlich plastikfreies Einkaufen: Ich habe es nicht geschafft.

Ganze drei Mal habe ich gesündigt. Die ersten zwei Wochen habe ich ohne Kunststoffeinkauf über die Runden gebracht, dann scheiterte ich aber an einem einfachen Gebrauchs-Wegwerf-Artikel: dem Klopapier. Auch wenn natürlich das Klopapier selbst kein Plastik enthält, um die Verpackung kam ich nicht drum herum. Die weiteren zwei persönlich beschämenden Momente fielen auf einen gemeinsamen Einkauf. Für ein spontanes Abendessen benötigte ich Topfen und Créme Fraiche und musste zum Kunststoffbecher zurückgreifen, aber wenigstens bin ich mit den Zutaten auf der Bio-Schiene geblieben.

Basis für meine Einkaufstouren war die Sackerl-Situation. Ich wollte keine neuen Papiersackerl und schon gar keine Plastiksackerl im Geschäft kaufen und ging daher stets mit einem Stoffsack außer Haus.

Im Großen und Ganzen stellte ich meine Einkaufsgewohnheiten um. Vor allem wenn ich bestimmte Produkte erwerben wollte, wie z. B. Brotaufstriche. In großen Handelsketten wie Spar oder Billa konnte ich nur vereinzelt Produkte plastikfrei kaufen, musste teilweise den Wunsch äußern, das Gebäck in reine Papiersackerl einzupacken und nicht in solche mit einem Sichtfenster. Käse ließ ich mir in eine von mir selbst mitgenommene Blechdose „einpacken“. Alles war etwas umständlicher und ich musste mehr Zeit für den Einkauf investieren, aber ich wurde aufmerksamer und beschäftigte mich mehr mit den Dingen, die ich einkaufte. Nicht nur dass ich mehr Zeit für den Einkauf investierte, auch die eigene Esszubereitung verlangte ein bisschen mehr Zuneigung.

Plastikfrei im Lebensmittelladen

Es war vor allem für einen wie mich, in einer Überfluss-Gesellschaft lebenden Menschen, teilweise schwierig, den Verlockungen zu widerstehen. Man stand vor dem Regal mit dutzenden verschiedensten Fruchtsäften und konnte sich davon nur den Sauerkrautsaft im Glas mit Metallverschluss kaufen, weil alle anderen Plastik-, Glasflaschen oder Tetraverpackungen einen Kunststoffverschluss besaßen. Meine geliebten Bio-Nudeln in der Kunststoffverpackung waren für mich nun Tabu und musste auf italienische Nudeln ausweichen, auch nur teilweise möglich wegen der schon obligatorischen Sichtfenster. Für plastikfreies Einkaufen stellten große Handelsketten also ein Erschwernis dar.

Im Bio-Laden dagegen erhielt ich eine Vielzahl an plastikfreien Produkten, welche es in den großen Ketten nicht gab. Das Sichtfenster entwickelte sich aber in den Bio-Läden als größter Feind. Ob es nun bei Gewürzen, Getreide oder Mehl war: das Sichtfenster schränkte meine Auswahl ziemlich ein. Weiters verfluchte ich auch die unnötigen Plastikabdeckungen der Verschlüsse bei Saucen oder bei Gewürzen. Und Milch in der Glasflasche ohne Plastikverschluss zu kaufen glich beinahe einer Schnitzeljagd. In manchen Bio-Läden konnte man die Milch nur vorbestellen und zwei Tage später abholen. Gemüse, Obst, Apfelsaft und Brot kaufte ich großteils auf dem Bauernmarkt und erlebte auch in gewissem Maße den Flair eines persönlichen und nicht anonymisierten Einkaufs, was sich zu einer gern gesehenen Abwechslung entwickelte.

Finanziell in den Ruin trieb ich mich mit der Aktion nicht. Die Ausgaben für Lebensmittel deckten sich in etwa mit einem normalen Einkaufsmonat. Ich kaufte zwar etwas teurer ein, aber durch das bewusstere Einkaufen erwarb ich weniger Lebensmittel und war auch nicht gezwungen irgendwelche Lebensmittel wegzuwerfen, weil sie schlecht geworden waren.

Ich warf mich aber mit der Aktion nicht selbst ins kalte Wasser. Bin von Haus aus ein genügsamer Mensch und mit dem Notwendigsten zufrieden. Dennoch: Es war ein informationsreicher plastikfreier Monat, der mir einige Alternativen und die Schwierigkeiten klar vor Augen zeigte. Ich brauchte also Zeit und Geduld, teilweise musste ich längere Strecken (Öffis oder zu Fuß wohlgemerkt) zum Einkaufen zurücklegen. Wer aber einfach mit offenen Augen durch den Laden ums Eck geht, wird Dinge entdecken, die bislang nicht augenscheinlich waren. Ich für meinen Teil werde den plastikfreien Einkauf mit einigen Ausnahmen fortsetzen, aber freu mich auch schon auf den von mir heißgeliebten Innocent Smoothie im Plastikflascherl.

Ein Jahr danach

Und jetzt? Ein Jahr nach dem plastikfreien Monat? Ich bin in manchen Bereichen wieder in alte Muster zurückgefallen, aber habe dafür viele plastikfreie Ticks für mich behalten. In Summe bin ich zufrieden mit meinen Veränderungen, auch wenn immer mehr gehen würde, aber zufrieden ist zufrieden.

Acht Jahre danach

Schon interessant. Vor allem wenn man alte Texte ließt und feststellt, dass manche Sätze so wahrscheinlich jetzt nicht mehr aus eigener Feder kommen würden. Aber zum Kern der Sache: Plastikfrei lebe ich – März 2019 – aktuell nicht. Ich werfe aber, so wie damals, nicht mit Geld und somit Konsumgütern herum. Seit einigen Wochen versuche ich wieder vermehrt, auf Lebensmittel ohne Plastik zu achten. Aber nicht nur das: Metallverpackungen versuche ich so gut es geht zu vermeiden, Einweg-Glasflaschen ebenso. Von 100% plastikfrei bin ich dennoch (teilweise weit) entfernt. Ich verzichte jedoch mehr. In Plastik verpackte Gurken? Nein. Und warum eigentlich? Eingepackte Äpfel? Nope. Manche Wege führen mich dann zu verpackungsfreien Regalen, doch noch zu wenig in verpackungsfreie Läden. Das wird in Zukunft zunehmen.

Was hat sich aber generell in den vergangenen Jahren geändert? Das Bewusstsein bezüglich Verpackungsmüll ist scheinbar innerhalb der Gesellschaft gestiegen, auch das Angebot an verpackungsfreien Alternativen. Der große Durchbruch ist aber noch nicht gelungen. Noch immer werden Unmengen an Lebensmittel weggeschmissen, noch immer wird viel zu viel Einweg-Verpackung verwendet. Die Politik setzt zu wenige Schritte, um hier entgegen zu wirken. „Plastiksackerlverbot“ mag hier jetzt jemand schreien. Ohne EU-Verordnung wäre aber auch hier in Österreich wohl wenig passiert.

Es gilt – wie so oft – erst einmal vor der eigenen Haustüre zu kehren und vor allem zu zeigen, dass es anders und möglichst verpackungsfrei auch funktioniert. Es geht hier nicht mehr nur um Plastik, sondern vor allem um Verpackung. Eine Einweg-Glasflasche ist sogar unökologischer als eine PET-Flasche. Ökologischer Gedanke hin oder her: sich informieren und Gedanken über die Auswirkungen zu machen kann nie schaden. Und nicht vergessen, dass es vor allem die Politik braucht, um gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Druck von unten kann also ebenso nicht schaden – ja, ist sogar gefordert.

Interview aus dem Jahr 2011

Die Oberösterreichischen Nachrichten haben diese Story aufgeschnappt und ein – eher holpriges – Interview mit mir geführt.

Willst du das Interview komplett sehen? Klicke auf den Link unter dem Bild oder direkt auf das Bild.
Willst du das Interview komplett sehen? Klicke auf den Link unter dem Bild oder direkt auf das Bild.

2 Gedanken zu „Ein Monat ohne Plastik: Meine Erkenntnisse

  1. Man gerät schnell wieder in den Trott. Leider ist Plastik immer noch so leicht, schnell und unkompliziert verfügbar. Wäre es doch bloß mit Papier, Holz oder Glas ähnlich…

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