Elemental Filmvorstellung, Rajendra Singh im Gespräch und eine Herzensfrage

Im Rahmen der Urban Future Global Conference, welche von 28. Februar bis 2. März 2018 in Wien stattfand, besuchte ich den Filmvortrag Elemental mit anschließender Diskussion im Gartenbaukino, Reihe #Kinodenktweiter. Der Film Elemental aus dem Jahr 2012 unter der Regie von Gayatri Roshan und Emmanuel Vaughan-Lee begleitet drei unterschiedliche Personen auf verschiedenen Erdteilen, welche jedoch etwas Gemein haben: Die Liebe zur Natur und den Drang zur Veränderung.

Rajendra Singh aus Indien stellt sich dem beinahe unmöglichen Kampf, die „Mutter Indiens“ – den Fluss Ganges – von der drückenden Umweltverschmutzung zu befreien.
Die kanadische Umweltaktivistin Eriel Deranger kämpft gegen Landschaftszerstörung und Verschmutzung der Natur, welche mit dem Abbau von Ölsand im Norden Kanadas einhergeht.
Besonders erfinderisch ist der teils mittellose australische Ingenieur Jay Harman, welcher sich die Natur als Vorbild nimmt und mit einer Luftzirkulationsturbine (anders kann man es wohl kaum beschreiben) die kältere Atmosphärenluft erdwärts transportieren und so der Erderwärmung lokal entgegensteuern möchte.

Für einen Einblick gibt’s hier den Trailer zu Elemental

Der Film begleitet die drei Protagonisten und präsentiert eindrucksvoll, welche Gegenkräfte wirken können und Wände sich aufbauen, wenn sich Menschen für eine bessere Welt einsetzen wollen. Besonders geschickt gelang dem Regisseurteam meiner Meinung nach die emotionale Verknüpfung von der Handlung zur Wirkung. Allen drei Menschen ist anzumerken, dass sie mit vollem Herzen bei der jeweiligen Angelegenheit sind.

Gespräch mit Rajendra Singh und Fragerunde

Dass dem auch wirklich so ist, konnte im Laufe des anschließenden Gesprächs festgestellt werden. Im Gartenbaukino anwesend war Rajendra Singh, der indische Kämpfer aus dem Film für einen sauberen Ganges. Interviewt wurde er von Eugene Quinn, welcher jedoch anfänglich mit der kampagnenartigen Kampfsprache von Rajendra Singh etwas überfordert schien, ja fast sogar Fehl am Platz wirkte; und auch etwas überheblich. Erst im Fortlauf des Gesprächs kam Eugene Quinn besser in die Gänge, der eine oder andere lustige Spruch half ihm dabei.
Besonders interessant war jedoch die öffentliche Fragerunde. Menschen im – leider viel zu wenig gefüllten – Kinosaal konnten mit Handzeichen das wandernde Mikrofon ordern und auf Englisch eine Frage an Rajendra stellen. Zu erwähnen ist, dass der ganze Film und das Gespräch danach gänzlich in englischer Sprache abgehalten wurde. Es waren Menschen aus Kolumbien, Deutschland, Brasilien und auch Indien im Saal, welche logische und gute Fragen stellten: Wie ist die Situation aktuell? Wie kann man den Menschen vermitteln, dass diese Verschmutzung schlecht ist? Wie groß ist die Organisation? Wie kann man die Politik dazu bewegen, nicht nur vor der Wahl was zu versprechen, sondern auch zu halten?

„Diese Frage kommt aus deinem Herzen. Und trifft genau mein Herz!“

Es wurden noch mehr Fragen gestellt, die mir aber großteils entfallen sind. Denn die letzte Frage aus dem Publikum blieb schlicht und einfach hängen. Eigentlich war das Gespräch schon am Abklingen, eine junge Frau hatte das Mikrofon wieder zurückgegeben ohne ihre Frage zu stellen, als dann doch noch Eugene Quinn sich erinnern konnte, dass diese Frau ihre Hand gehoben hatte. Sie bekam das Mikrofon zurück, stand auf und stellte ihre Frage (ich übersetze hier auf deutsch): „Wie haben Sie eigentlich damit begonnen, mit dieser Tätigkeit? Wie…“ Sie unterbricht den Satz kurz. Ich sehe ihr Gesicht nicht, aber an ihrer Stimme hört man, dass ihr Tränen in die Augen steigen. „Wie machen Sie das? Woher nehmen Sie die Kraft, immer wieder, immer wieder weiterzumachen, gegen Widerstände anzukämpfen, immer wieder.“ Es verschlägt ihr die Stimme, sie schluchzt, setzt sich nieder.

Die Augen sind auf Rajendra gerichtet. Er ist sichtlich berührt, er sagt nichts. Erstmals in diesem einstündigen Gespräch nimmt er die Kanne Wasser vor sich auf und schenkt sich ein Glas Wasser ein. Eugene lockert die emotionale Situation etwas auf, meint dieses Wasser sei aus den Alpen und mit Sicherheit gesund. Rajendra trinkt das Glas aus, stellt es wieder vor sich auf den Tisch. Er nimmt das Mikrofon in die Hand, führt es zum Mund, setzt es wieder ab, greift sich mit der Hand auf die Brust und beginnt zu sprechen: „Diese Frage kommt aus deinem Herz und trifft genau mein Herz!“
Er beantwortet die Frage auf Hindi, es wird von einer anderen Person auf Englisch übersetzt. „Ich wurde wegen meiner Arbeit mehrere Male überfallen, zusammengeschlagen, lag im Koma. Aber es ist eben diese Sache, die mich treibt und mich nicht locker lässt. Wenn du etwas aus dem Herzen tust, du ganz persönlich, dann wirst du immer die Kraft finden weiterzumachen. Egal was passiert. Du blickst immer nach vorne, arbeitest daran. Wichtig ist immer nur: Du musst es wollen, du musst davon überzeugt sein, die Energie kommt von dieser treibenden Kraft.“

Was für ein grandioser Schlusssatz. Bis zur letzten Fragestellerin war das ganze Projekt beeindruckend, keine Frage, auch die Informationen aus dem Film und die danach besprochenen Themen waren teils schockierend, hinterließen Kopfschütteln, regten zum Nachdenken an. Aber erst die letzte Frage der unbekannten jungen Frau und die dazugehörige Antwort von Rajendra Singh blieben und bleiben tief verankert. Hier sprach nicht das Hirn, sondern das Herz. Und das Herz ist immer ehrlich.

„Du musst es wollen, du musst davon überzeugt sein, die Energie kommt von dieser treibenden Kraft.“

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