Wie man weit wandern und trotzdem im Kreis laufen kann

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Eine klassische Weitwandergeschichte ist dies hier nicht. Aber weit gewandert bin ich damals dennoch. Außerdem gebe ich einen kurzen Einblick in meine Arbeit als Reisebuchautor. Ich erhielt nämlich seinerzeit den Auftrag im Thüringer Wald zu wandern. Das freute mich, denn ich mag den Thüringer Wald, den Rennsteig und seine Aussichten. Doch halt! Der Auftrag der Redaktion lautete: Bitte nicht den Rennsteig, dazu haben wir schon etwas im Programm. Recherchiere bitte 50 Rundwanderwege mit einer Länge zwischen 8 und 12 Kilometern abseits des berühmten Rennsteigs. Wow, also rund 500 Kilometer Wanderung sollten dort auf mich warten. Na gut, so zogen meine Lebensgefährtin und ich los und wir wanderten zwischen Eisenach, Schmalkalden, Oberhof, Zella-Mehlis und Suhl – tagein tagaus.

Da wir zur gleichen Zeit auch noch andere Verpflichtungen hatten, pendelten wir zwischen dem heimatlichen Ruhrgebiet und dem Thüringer Wald. Jeden Freitag kamen wir nach vierstündiger Fahrt mit unserem damaligen alten VW-Bus in Thüringen an und legten noch schnell eine abendliche Wanderung ein. Am nächsten Morgen starteten wir sofort zum nächsten Rundwanderweg los. Nach den durchschnittlichen zehn Kilometern kamen wir wieder am Auto an, schnabulierten schnell ein oder zwei Duplos, eilten mit dem Camper zum nächsten Ausgangspunkt und drehten unsere nächste Runde, ob es nun regnete oder ob die Sonne schien. Wir kamen uns vor wie die legendären Häschen aus der Duracell-Werbung. Wir liefen und liefen und liefen. Bis zu vier Rundwanderwege schafften wir an einem Tag. Der Rekord lag bei 43 km. Am Sonntag drehten wir dann noch zwei weitere Runden und fuhren nach Hause.

Ausblick

Was wir allerdings am Anfang nicht bedachten: Durch die Tatsache, dass wir nur Rundwanderwege rechts und links des Rennsteigs erwandern sollten, bedeutete das, dass wir immer irgendwo in einem Tal starteten, im Thüringer Wald aufwärts wanderten bis wir den Rennsteig erreichten und von dort wieder hinab zu unserem Ausgangsort gingen. Die Wanderungen waren schön, keine Frage und jeder, der den Rennsteig als Fernwanderweg schon kennt, kann mit dem daraus entstandenen Reiseführer noch so einiges im Thüringer Wald kennenlernen. Doch wir als Autoren waren so manches Mal neidisch, wenn wir den Rennsteig erreichten und die dortigen Rennsteig-Wanderer sahen. Denn diese wanderten auf dem Höhenzug und haben im Vergleich zu unseren Touren nur wenige Höhenmeter zu überwinden.

Unser GPS-Gerät munkelte meistens etwas von 300 Höhenmetern – pro Tour. Und davon hatten wir eben täglich drei bis vier. Das gleicht alpinem Wandern im Mittelgebirge. Da wir nur an Wochenenden und verlängerten Wochenenden Zeit hatten, den Thüringer Wald zu erobern, zog sich die Recherche vom Spätsommer bis in den Dezember hinein. Und dieser erfreute uns dann sogar noch mit einer dicken Schneedecke. Wir liefen also die letzten Touren nicht nur im Schnee, sondern fröstelten auch noch in der Nacht, da unser damaliger Camper keine Heizung besaß. Da macht die Arbeit doch Spaß, wenn man nach 30 bis 40 Kilometer Wanderung ins ausgekühlte Auto steigt, sich für die Nacht in den Schlafsack mummelt und gleich am nächsten Morgen um 6 wieder loszieht.

Wandern im Winter

Dennoch es hat viel Freude bereitet und es ist ein ordentlicher Wanderführer mit letztendlich 550 Kilometern daraus geworden, dem noch viele weitere folgten. Mehr Informationen zu mir und meiner Arbeit gibt es auf: www.dieweltenbummler.de. Und wer Lust hat, sich mit mir auszutauschen, ist gerne eingeladen, sich in www.molls-reiseforum.de anzumelden.

Text und Fotos: Michael Moll

Im Stil von Caspar David Friedrich

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