Europa

Europas Landeshöhepunkte

Wir kennen wohl alle die Zugspitze in Deutschland, wenige vielleicht den Hvannadalshnukur in Island und nur besondere Insider den Monte Titano in San Marino.
Ersterer ist ein beinahe 3.000er, Zweiterer ein Berg mit knapp über 2.000 Metern und der Dritte ist ein Hügel. Sie haben alle eine Gemeinsamkeit: Nein, nicht den Biergarten am Gipfel, den abfließenden Gletscher oder die umliegenden Weingärten, sondern beide sind in ihrem Land die höchste Erhebung oder in ihrem Fall auch der höchste Berg. Wer auf ihren Gipfeln steht kann nicht mehr höher steigen ohne Grenzen zu überschreiten. Was sind aber die höchsten Gipfel der europäischen Länder? In der nachfolgenden Karten sind die Landeshöhepunkte vermerkt, die Karte ist jedoch noch nicht ganz vollständig. Bislang habe ich meine erreichten Landeshöhepunkte eingetragen.

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Aktueller Stand meiner 3 bestiegenen Landeshöhepunkte

Bis jetzt hatte ich keinen Bedarf an einer Schifffahrt.
Ich bin in insgesamt 21 verschiedenen Zügen gesessen, bin dabei 15 mal an Bahnhofen oder Haltestellen umgestiegen. Um die Zielbahnhöfe zu erreichen und wieder zurück zu kommen habe ich in 66 Stunden über 2.740km auf Schienen zurückgelegt.
Weiters wanderte ich 81km zu Fuß und überwand dabei 4.900 Höhenmeter im Aufstieg.

Was treibt einen dazu?

Die Besteigung der Seven Summits, also der höchsten Gipfel aller Kontinente, ist längst keine Utopie mehr. Mittlerweile sind diese von einigen Menschen allesamt bestiegen worden. Doch spannen wir den Rahmen etwas enger, so gibt es auch einige Personen, welche auf allen höchsten Erhebungen der europäischen Länder gestanden sind. Allen voran ist der Brite Ginge Fullen zu nennen. Er schaffte es als erster Mensch, dokumentiert auf allen Landeshöhepunkten Europas zu stehen – das Kunststück vollendete er nach 7-jähriger Reise im Jahr 1999. Mittlerweile hat er auch viele andere Landeshöhepunkte in der ganzen Welt hinter sich gebracht.

Zwei andere Briten, welche auf den Höhepunkten standen, sind Carl McKeating und Rachel Crolla, welche ihre Erlebnisse in dem Buch „Europe’s High Points“ von Cicerone Press niedergeschrieben haben und mich auch inspiriert haben. Ebenso habe ich mittlerweile persönlich einen Menschen kennengelernt, welcher selbes Vorhaben gerade dabei ist umzusetzen und die Berge Europas mit dem Motorrad abklappert.
Ein weiterer Herr aus Großbritannien hat sein Europa-Projekt am 1. Juni 2012 gestartet und hat in drei Monaten 44 Höhepunkte im Eilverfahren bestiegen. Auf seiner Webpage sind die Eckdaten 29 Flüge und über 14.000km gefahrener Kilometer zu finden. Ich habe mit meinem Studiumwissen errechnet, dass er auf seiner dreimonatigen Europareise wohl über 14 Tonnen CO2 ausgestoßen hat, ein durchschnittlicher Brite belastet sich mit Emissionen von 9 Tonnen – im Jahr.

Wozu also das Ganze? Wozu die höchsten Gipfel Europas besteigen? Wozu sich auf die Schweizer Dufourspitze quälen oder gemütlich auf dem ungarischen Kekes einen Kaffee genießen? Wozu so schnell als möglich ohne Rücksicht auf die Umwelt oder irgendeinem  Umweltgedanken die Gipfel bezwingen?
Von diesen Fragen habe ich mir ernsthaft nur die Letzte gestellt. Als Bergsteiger und Wandersmensch liebe ich das Gefühl, einen Berg „erklommen“ zu haben, und noch stärker ist das Gefühl, wenn ich mir selber nicht etwas vortäusche und den Berg nur mit fairen Mitteln bezwinge. Wenn dies noch in einem fremden Land geschieht, verspüre ich einen leichten Hauch von Abenteuer.

Das „Wozu“ beantworte ich also mit der Leidenschaft und der Freude am Entdecken mir fremder Länder und Kulturen. Aber, das „wozu so schnell als möglich ohne Rücksicht“ bereitet mir etwas Kummer und totales Unverständnis den Personen gegenüber. Natürlich würdige ich diese Leistung, wenn jemand in drei Monaten 44 Gipfel in ganz Europa besteigt. Aber denkt dieser Mensch an die Umwelt? Empfindet er Freude und Leidenschaft bei dem was er tut? Weiß er eigentlich, dass Berglandschaften sehr sensible Naturräume sind? Kann er einen Berg genießen oder ist er im Kopf schon beim Nächsten? Was erlebt dieser Mensch in einem Land außer dem Flug oder die Autofahrt? Lernt er Europa wirklich kennen?

Ich persönlich lehne diese Vorgehensweise ab, verurteile sie aber nicht – sondern stelle Fragen. Wie würde das Projekt so umweltfreundlich als möglich aussehen? Zu Fuß wäre die freundlichste Variante und so gern ich diese Vorgehensweise lieben würde, müsste ich wohl das nächste Jahrzehnt ständig zu Fuß unterwegs sein. Mit dem Fahrrad wäre ebenso eine Möglichkeit, aber bevor ich mich auf ein zweirädriges Tretrad schwinge, gehe ich lieber zu Fuß. Warum also nicht wie die ersten großen Entdeckungsreisen der Alpinisten des 19. Jahrhunderts? Nicht mit der Pferdekutsche, aber mit Eisenbahn und Schiff. Und das war sie, die Idee: Europa von unten und von oben zu betrachten und dies nur mit der Eisenbahn, dem Schiffsverkehr und den eigenen zwei Beinen zu schaffen.

Leider ist diese Variante auch nicht komplett schadstofffrei und CO2-neutral, aber im Vergleich zu anderen Fortbewegungsmitteln schone ich die Umwelt um ein Vielfaches und kann anderen Menschen wieder eine „langsamere“ Form der Fortbewegung zeigen, eine ursprüngliche Form.
Man kommt in den Genuss einer Hin- und Rückfahrt durch das Land oder mehrerer Länder, lernt Menschen kennen, erlebt das Land, dessen Kultur und Landschaft viel  intensiver. Ein Berg ist keine Gipfelbesteigung mehr, er ist ein Erlebnis des Hier und Jetzt. Ein Berg ist nicht mehr das unangefochtene Ziel, er wird die Krönung einer Reise.

Die Reisen zu den europäischen Landeshöhepunkten könnten unterschiedlicher nicht sein. Am polnischen Rysy befindet sich die nächste Zugstation nur 8km vom Berg entfernt im slowakischen Strbske pleso, Island selbst wird nur mit dem Schiff erreichbar sein und um am finnischen Halti stehen zu können, sind einige Tage Fußmarsch von der nächstgelegenen Haltestelle im schwedischen Abisko notwendig. Dies ist also mein Projekt, welches ich im Juli 2012 mit dem polnischen Rysy begonnen habe. Im August folgte ein Versuch der Vorderen Grauspitze in Liechtenstein, die Tour wurde aufgrund schlechter Sicht auf andere Berge abgeändert und somit blieb der höchste Gipfel unangetastet. Eine Tour auf die Zugspitze in Deutschland folgte im September und Anfang Oktober stand ich auf dem kroatischen Dinara im dalmatinischen Hinterland.
Ich werde hier im Blog über meine Reisen berichten, meine Erlebnisse niederschreiben und auch wichtige Tipps zu Touren und Zugfahrten geben. Alles Schritt für Schritt, langsames und bewusstes Reisen, Europa kennenlernen auf meine Art und Weise und dabei Grenzen überschreiten.

„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ – Sprichwort aus Sambia