35,6 km | 400 Höhenmeter | 9-10 Stunden | mittel

Zu lang als Tagestour, zu kurz als Mehrtagestour. Der Rohrwaldweg 633 befindet sich mit seinen rund 36 Kilometern irgendwo zwischen den Wanderwelten. Für viele Wanderer ist er als Tagestour zu lang, als Mehrtagestour fehlt dem Weg eine gute Station irgendwo dazwischen. Wie du dir auch diesen Weg einteilst: Neben Kondition brauchst du zusätzlich gutes Orientierungsvermögen.

Tourdaten: Rohrwaldweg 633 von Ernstbrunn nach Langenzersdorf

Info: allgemeine Infos zum Rohrwaldweg 633 auf gehlebt.at
Ausgangspunkt: Bushaltestelle Ernstbrunn Hauptplatz
Endpunkt: Bahnhof Langenzersdorf
Länge: 35,6 Kilometer
Höhenmeter: 400 m im Aufstieg, 540 m im Abstieg
Dauer: 9-10 Stunden
Höchster Punkt: Wallfahrtskirche Allerheiligste Dreifaltigkeit am Kirchberg; 358 m.
Schwierigkeit: Technisch sehr einfach, jedoch ob der Länge mittelschwere bis schwere Wandertour.
Orientierung: Zumeist rot-weit-rot markiert, Beschilderung zum Rohrwaldweg sehr selten. Auch Markierungen sind oft selten anzutreffen, vor allem schwierig zu orientieren auf den Feldwegen zwischen Ernstbrunn und Wallfahrtskirche.
Literatur: Weinviertler Rundwanderweg, Verlag Wienerland, 2014 (nicht Abschnitt Ernstbrunn-Karnabrunn)
Karten: fb WK 015 & WK 011 (nur ein kleiner Abschnitt), BEV ÖK50 5314 & 5320

Einkehrmöglichkeiten: Goldenes Bründl (nach 20 km); Burgtaverne Kreuzenstein (nach 24 km); Gastro in Korneuburg (nach 30 km)

Öffentliche Anreise: Vom Bahnhof Korneuburg mit der Buslinie 858 zum Ausgangspunkt.
Öffentliche Abreise: Regionalzüge und S-Bahnen vom Bahnhof Langenzersdorf.
Zwischenstationen: Leobendorf Lindengasse (Bus, nach 25 km); Korneuburg (Bahn, nach 30 km); Bisamberg (Bahn, nach 34 km)

Download file: Rohrwaldweg 633_gehlebt.gpx

Von Ernstbrunn zur Wallfahrtskirche Allerheiligste Dreifaltigkeit

Der Rohrwaldweg 633 führt von Ernstbrunn südwärts durch den Rohrwald zur Burg Kreuzenstein, über Korneuburg an die Donau und zum Abschluss nach Langenzersdorf.

Ernstbrunn ist eine Marktgemeinde im Weinviertel mit etwas mehr als 3000 EinwohnerInnen. Ich geselle mich selbst als Tourist an diesem Frühlingstag hinzu und starte die Wandertour an der Kirche zum Hl. Martin. So wie der Hl. Martin in der Vergangenheit seinen Mantel geteilt hat, teile ich meine Erfahrungen am Rohrwaldweg 633 mit euch.

Einige weitere Weitwanderwege führen hier an der Kirche vorbei: Der Weinviertelweg 632, der Weinviertler Jakobsweg, der Niederösterreichische Landesrundwanderweg, der Ostösterreichische Grenzlandweg 07 und der Europäische Fernwanderweg E8. Mit einigen dieser Wegen verlasse ich das Gemeindegebiet in südlicher Richtung. Auf einer Anhöhe stehend blicke ich nordseitig auf den Oberleiser Berg und Buschberg, im Süden erspähe ich sogar den Schneeberg. Dann folgt die erste Orientierungsherausforderung: Am Rand einer Baumreihe biege ich rechts ab, während die anderen Wege geradewegs weiterführen. Eine Markierung zum Rohrwaldweg war nicht wirklich zu entdecken.

Ich quere einen Bach und in weiterer Folge die Bahngleise der Linie Korneuburg-Ernstbrunn. In früheren Jahren fuhr hier ein Personenzug von Korneuburg nach Hohenau an der March, seit vielen Jahren ist dieser jedoch eingestellt. Güterzüge und der Nostalgieexpress Leiser Berge verkehren hier auf dieser Trasse.

Die folgenden Kilometer führen nun immer wieder aussichtsreich auf Feldwegen und an Baumreihen entlang, Markierungen sind jedoch Mangelware. Vor allem Feldwegkreuzungen sind nicht markiert oder beschildert. Wer hier nicht exakt weiß, wo man sich befindet und wo abgebogen werden muss, verrennt sich in der weiten Weinviertler Agrarlandschaft. Karte und/oder GPS-Track sind also notwendig. Das hat auch einen bestimmten Grund: Vor rund 15 Jahren wurde der Weg zwischen Ernstbrunn und Karnabrunn eigentlich aufgelassen, die Markierung wird somit seither nicht erneuert. Das merkt man auch.

Nur kurz streife ich den Ort Wetzleinsdorf, spaziere an alten Gemäuern vorbei und steige im Waldbereich dem Galgenberg hoch. Nach wenigen Minuten blicke ich bereits aus der Ferne auf die Wallfahrtskirche Allerheiligste Dreifaltigkeit am Kirchberg bei Karnabrunn. Diese Kirche liegt zwar nicht direkt am Weg, ein Abstecher auf dieses aussichtsreiche Platzerl lohnt sich. Erbaut wurde die Kirche während einer Pestepidemie Ende des 17. Jahrhunderts. Auch findet sich hier eine Stempelstelle des Weinviertler Jakobsweges, den ich hier wieder treffe und nun einige Kilometer begleiten werde.

Von der Wallfahrtskirche zur Burg Kreuzenstein

Auf der Fahrstraße steige ich zur Landstraße ab. Großteils erleichtert ein Weg entlang eines Geheges das Weiterkommen an der Straße, nur kurzzeitig bewege ich mich direkt am Straßenrand. An einem Schranken verlasse ich die Straße wieder, betrete den Karnabrunner Wald und entdecke ein besondere Waldhütte. Beim Karl sind aber heute alle ausgeflogen.

Abermals quere ich eine Landstraße, folge einem Karrenweg leicht bergwärts und lande nun endlich im Rohrwald, dem Namensgeber dieser Tour. Nach kurzem Abstieg verlasst mich zur Rechten der Jakobsweg Weinviertel, ich hingegen wende mich links dem Goldenen Bründl zu. Die rot-weiß-rote Markierung hat hier nun eindeutig an Qualität und Häufigkeit zugenommen. Dennoch wende ich mich kurzzeitig vom markierten Weg ab, denn in der openstreetmap habe ich sogenannte Schwedenhöhlen entdeckt und diese haben meine Neugier aktiviert. Es sind dies kleinere und größere in Löß geschlagene Löcher, die wahrscheinlich als Zufluchtsorte der hiesigen Bevölkerung gedient hatten. Und Schwedenhöhlen deshalb, weil sie einer Sage nach im 17. Jahrhundert zur Zeit der Schwedenkriege angelegt wurden.

Nach diesem wundersamen Platzerl mitten im Wald, lande ich wieder am Rohrwaldweg und in weiterer Folge auf einer Landstraße. Dass hier Kröten und Frösche umherwandern, zeigen mir nicht nur einige unterschiedliche Tafeln, sondern auch mindestens 13 Tiere, die es nicht lebend über die Straße geschafft haben. Und ja: Auf den Autoverkehr gilt es hier auch als Mensch zu achten.

Das Goldene Bründl ist gänzlich eingemauert. Ich hätte somit nicht einmal die Chance einen Ring zu erblicken, wie es eine Sage erzählt. „Sagenhaft genießen“ ist auch das Motto der angrenzenden Gaststätte. Kurz nach dieser verlasse ich auch die Straße und steige den südlichen Rohrwald hoch. Am Waldrand werde ich dafür wieder von einer gnadenlos schönen Aussicht erschlagen, das Rastplatzerl ist hier gut platziert.

Mit Blickrichtung Wien nähere ich mich der naheliegenden Burg Kreuzenstein, einer prächtigen Schauburg mit Greifvogelschau und immer wieder beliebter Drehort für Filme und Serien. So zeigten auch in dieser Burg die Drei Musketiere ihre Degenkünste. In normalen Zeiten (alle Zeiten außer einer Pandemie) kann die Burg auch besichtigt werden.

Von Burg Kreuzenstein nach Langenzersdorf

Gut markiert spaziere ich nun hinab nach Leobendorf, quere die Stockerauer Straße und folge dem Kreuzensteiner Weg über die S1 hinweg nach Korneuburg. Hier, im nahen Umfeld des Zentrums, ist wieder ein wenig Orientierungsvermögen notwendig. Etwas abseits der Hauptstrecke werfe ich einen kurzen Blick auf den Hauptplatz und spaziere anschließend über die Eisenbahngasse zum Bahnhof. Hier drängen sich wieder ausreichende Markierungen in mein Blickfeld.

Ich unterschreite die Bahntrasse und wechsle auf den Parkweg, in weiterer Folge führt mich die Kanalstraße unter der A22 hindurch direkt zur Donau. Am großen Strom wandere ich nun einiger Kilometer südwärts, vorbei an der Rollfähre Korneuburg-Klosterneuburg und Agrarspeichern. Wanderer sieht man hier wenige, wer sich auf dieser Route entlang bewegt, sitzt meist auf einem Drahtesel.

Gut markiert biege ich vor der Brücke am Donaugraben links ab und lasse die Donau nun ohne mich weiterfließen. Ich spaziere durch Siedlungsstraßen von Bisamberg und passiere den gleichnamigen Bahnhof. Nach einer Kleingartensiedlung lande ich im Aupark von Langenzersdorf. Nach wenigen Minuten erreiche ich den Bahnhof Langenzersdorf, wo der Rohrwaldweg 633 endet. Oder beginnt. Je nachdem, wie du dich auf den Weg machen willst.


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