Wenn sich die Pflanzen- und Baumwelt im Winter zurückzieht, kommen die stillen Zeitzeugen menschlicher Hinterlassenschaften in Form von Plastikflaschen und Dosen zwischen Grasbüscheln und Büschen hervor. Ein nicht schöner Anblick, sowie schädlich für die Umwelt und eine Gefahr für Tiere. Ein neues Pfandsystem soll in Österreich diesen Müll reduzieren.

Natürlich landen nicht die jährlich in Österreich in Umlauf gebrachten 1,6 Milliarden Plastikflaschen und 800 Millionen Dosen allesamt in der Natur. Es sind dies aber jährlich produzierte Unmengen von Einweg-Müll, die enorme Ressourcen verschwenden und – Wandersleut kennen es leider zu gut – auch des Öfteren in der Natur landen. Eine Studie der Umweltorganisation Global 2000 zeigt, dass die globale Plastikproduktion in den vergangenen 50 Jahren um das 20-Fache gestiegen und ein Ende der steigenden Produktion nicht in Sicht ist. Selbst die abgelegensten Gebiete der Welt, sind von Plastikverschmutzung betroffen. Im westpazifischen Marianengraben, der tiefsten Ozeanstelle weltweit, haben Forscher von der Newcastle University Anfang 2020 eine bislang unbekannte Tiefsee-Flohkrebs-Art benannt. Diese neue Art war mit Mikroplastik kontaminiert. Der Leiter der Forschungsmission, Alan Jamieson, taufte den neu entdeckten Flohkrebs auf den Namen „Eurythenes plasticus“.

Nur einmal verwendet, und das noch kurz

Viele Getränkedosen und -flaschen teilen ein ähnliches Schicksal: Sie werden befüllt, auf eine teils oft lange Reise geschickt, verweilen in Kühlregalen und warten auf Kundschaft, die sich nach Erfrischung sehnt. Sobald Flasche oder Dose geöffnet sind, ist der Übergang vom Verpackungs- zum Müllprodukt nur mehr ein kurzer. Wo dieses Endprodukt im Müllstatus dann schlussendlich landet, ist der persönlichen Einstellung jedes einzelnen Menschen geschuldet. Diesen Müll suchen Menschen und Gemeinschaften aktiv, entfernen ihn aus der Natur und führen ihn dort hin, wo er hingehört: In den Mistkübel!

Vor rund einem Jahr hat ein engagierter Steirer eine Müllsammelgemeinschaft auf Facebook gegründet. „No Time To Waste!“ nennt sich die Gemeinschaft, die mittlerweile mehr als 600 Mitglieder umfasst und sich vom Grazer Ballungsraum auf ganz Österreich und auch auf Deutschland ausgeweitet hat. Beinahe täglich sind Menschen dieser Gemeinschaft unterwegs und befreien ihre umliegende Natur vom Müll, hauptsächlich kommen ihnen Dosen und Flaschen zwischen ihre Handschuhe und Greifzangen. Wiederum Global 2000 ist es, die mit ihrer Initiative „Pfand drauf!“ diesen Müll massiv reduzieren will. Sie fordern ein Einweg-Pfandsystem für Österreich. Und wir wären damit keineswegs ein Vorreiter.

Braucht Österreich ein Einweg-Pfandsystem?

Die nordischen Länder sind – wieder einmal – die Vorbilder dafür. Seit 1984 gilt in Schweden ein umfassendes Pfandsystem, die Nachbarländer folgten in den 1990er-Jahren. Auch in Deutschland gilt ein Pfand auf Einwegverpackungen von Getränken seit dem Jahr 2003. Viele weitere Länder der EU, auch das aus der EU ausgetretene Großbritannien, setzen in den kommenden Jahren ein Einweg-Pfandsystem um. Österreich befindet sich noch im Diskussionsmodus. Dabei gilt seit Mitte 2019 in den Ländern der EU eine neue Richtlinie zum Umgang mit Einwegplastik. Diese Richtlinie – Single-Use Plastics Directive (SUP) – bezeichnet ein Pfandsystem zwar nicht als Pflicht, jedoch ist bis 2029 eine getrennte Sammelquote von 90 % bei Plastikflaschen zu erreichen. Ein Pfandsystem wird deswegen empfohlen.

(c) Global 2000

Das damalige Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus hat 2019 eine Studie beauftragt, um festzustellen, wie diese Sammelquote erreicht werden kann. Ergebnis: Ein Einweg-Pfandsystem sei die günstigste und effizienteste Lösung. In Kombination mit einer verpflichtenden Steigerung von Mehrweg-Verpackungen soll so der Müll in der Natur verringert, Plastik eingespart und auch die Müllberge allgemein reduziert werden. Der Österreichische Alpenverein und die Naturfreunde Österreich unterstützen die Initiative „Pfand drauf!“ von Global 2000 und wünschen sich deutlich weniger Müll in Österreichs Natur.

Einweg ist keine Einbahn

Als Mehrweg-Flaschen bekannt sind uns hierzulande Bier- und Mineralwasserflaschen. Auch einige Kunststoffflaschen sind als Mehrweg ausgewiesen. Während Flaschen aus Kunststoff bis zu 20 Mal und aus Glas bis zu 40 Mal wieder befüllt werden, wird eine Einweg-Verpackung nur einmalig für ihren ursprünglichen Zweck verwendet – und landet somit wieder im Müll. Dennoch bietet hier ein Einweg-Pfandsystem für eine weitere Rohstoffverwendung Vorteile. Da bei der getrennten Sammlung vor allem ähnliche Kunststoffe wieder zusammentreffen, erhöht sich die Qualität des zurückgewonnenen Recyclingmaterials. Eine PET-Flasche muss somit nicht zwangsläufig „downgecycelt“ werden, also nicht als minderwertiger Kunststoff „wiedergeboren“ werden, sondern kann auch mittels „Bottle-to-Bottle-Verfahren“ wieder in neu produzierte Flaschen als Rohstoff einfließen. Dies vermindert zusätzlich die Abhängigkeit von Öl und weiteren Rohstoffen und spart CO2-Emissionen ein.

Ein Einweg-Pfandsystem inkludiert auch die allseits bekannten Aludosen, was vor allem viele Landwirte mit Viehhaltung erfreuen wird. Denn es passiert mittlerweile nicht mehr selten, dass Aluminiumteile im Pansen einer Kuh landen und diese im schlimmsten Fall sogar verendet. Nicht sichtbare Dosen in einer Wiese werden vom Mähwerk zerkleinert, über das Futter nehmen die Tiere die kleinen schnittigen Teile auf.

Klassischer Müll in der Natur…

Abgesehen davon, dass Müll in der Natur nicht gewünscht ist und Umwelt und Tiere gefährdet, kostet das Entfernen von Abfall und das Leeren von öffentlichen Mülleimern einiges an Geld. Zum Beispiel wenden die Gemeinden Vorarlbergs jährlich 3,6 Millionen Euro auf, um die Natur von achtlos weggeworfenem Müll zu befreien. Geld, dass die Gemeinden in anderen Bereichen gut gebrauchen könnten.

Widerstand gegen das Pfandsystem

Widerstand für ein neues Pfandsystem kommt von der Wirtschaft selbst, in Form der Wirtschaftskammer und vom Handelsverband. Jedoch zeigen sie Gesprächsbereitschaft. Denn über kurz oder lang wird auch Österreich an einem Einweg-Pfandsystem nicht vorbeikommen. Die Fragen sind nur: Wann wird sich die Politik darauf einigen, wie sieht es konkret aus und wann soll es eingeführt werden? Das Einweg-Pfandsystem scheint noch einen weiten Weg vor sich zu haben. Es wird jedenfalls nicht von heute auf morgen gehen. Wünschenswert wäre es jedoch.

Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin weitweg 1/2021 der ÖAV Sektion Weitwanderer.


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Ein Kommentar

  1. Ich wundere und vorallem ärgere ich mich immer über diese „Verlassenschaften“. Während ich öfters angepöbelt werde, weil ich den „Dreck“ den mein Hund hinterlässt, nicht schon vor Beendigung seines Geschäfts – möchte wissen wer sich vor dem Ende des Sch… schon den Ar… putzt – wegräume, habe ich mir ein ebensolches Anpöbeln gefallen lassen müssen, als ich jemanden darauf aufmerksam machte, dass er den Müll (Plastikflasche und Jausenpapier) gefälligst bis zum Mistkübel (ca. 15m Entfernung) mitnehmen soll. Ich räume die Hinterlassenschaft meines Hundes auch im Wald weg, wenn es direkt neben einem Weg ist.

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