Weinviertler Brauchtum: In die Grean gehen

Ein enthusiastisches, aktives, wandelndes Wein-Lexikon. So könnte man den über zwei Jahrzehnte amtierenden Österreichischen Weinbaupräsidenten Josef Pleil aus Wolkersdorf bezeichnen. War es doch er, der den Weinwanderweg in Wolkersdorf anlegen ließ und war er auch einer jener „Saubermacher“, welcher nach dem Glykolskandal den Weinbau wieder in ein reines Licht rückte.
Mittlerweile befindet sich der passionierte Winzer im verdienten Ruhestand, doch nur was seine Arbeit als österreichischer Weinbaupräsident betrifft. Auf Einladung von Weinviertel Tourismus gehen wir fünf ReisebloggerInnen „In die Grean“. Josef Pleil führt uns durch die Wolkersdorfer Kellergasse und wir marschieren mit ihm durch frühlingshafte Weingärten. Dabei war das erst der Anfang eines wein- und lehrreichen Frühlingstages in Wolkersdorf und Pillichsdorf.+

Die aktuellen „In die Grean“-Angebote 2017 sind bei Weinviertel Tourismus zu finden!

Wein trinken entschleunigt. Einen Podcast-Beitrag anhören ebenso. Lehne dich zurück und folge uns geräuschvoll beim Gehen „In die Grean“.

Der Wettergott ließ Gnade mit uns ReisebloggerInnen walten. Vom, ein paar Tage vorher angesagten, Regen blieben wir Bacchus sei Dank verschont. Dass uns jedoch ein knackiger und kühler Wind im Weinviertel erwarten würde, hat Angelika vorhergesagt. Jedenfalls blieb der Regenschirmverleih beim Abfahrtsort in Wien Erdberg unberührt.

In die Grean gehen im Weinviertel_Blogger-DayTrip (1)In die Grean gehen – ein alter Brauch im Weinviertel

Ja, was bedeutet das eigentlich? Von der Weinviertler Mundart übersetzt, ist die Begriffserklärung doch relativ klar: In das Grüne gehen. Aber damit wäre noch immer nicht die Eingangsfrage geklärt. Am Ostermontag besuchten die Winzer zu früheren Zeiten mit ihren HelferInnen die Kellergasse zur Verkostung des neuen Jahrganges und galt seinerzeit als Brauchtum. Heutzutage, wenn man „In die Grean geht“, versteht sich der Brauch als Begrüßung des Frühlings in Begleitung eines Winzers. Damit der Ostermontag nicht zu ausgereizt wird, begrüßt man den Frühling in der Neuzeit von Ostern bis Pfingsten.
Genau diesem neu aufgelegten Brauchtum fröhnten wir in den Wolkersdorfer und Pillichsdorfer Kellergassen, gemeinsam mit einigen Winzerpersönlichkeiten.

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Ein ausgewogenes Frühstück im Weingut Pleil erwartet uns ReisebloggerInnen.

Ein kalter Wind zieht durchs Windvi…Weinviertel, doch im Weingut Pleil in Wolkersdorf werden wir wärmstens empfangen. Es wird nicht lange um den heißen Brei herumgeredet, das erste Achterl ist schnell eingeschenkt und die ersten Anstoßklänge des heutigen Tages schallen durch den Innenhof vom Weingut. Davon lässt sich auch der Haustiger nicht beirren.

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Ein Achterl Glückseligkeit.

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Josef Pleil wird in den nächsten zwei Stunden unser wandelndes Weinlexikon sein. Achtzehn Tafeln informieren am Wolkersdorfer Weinwanderweg über alles, was irgendwie mit dem vergorenem Traubensaft in Verbindung gebracht werden kann. So spannt sich der Bogen des lehrreichen Spazierganges vom Klimwandel zu den Römern, von den Weinbezeichnungen zu den Böden, vom Brauchtum zur Gesundheit. Josef Pleil weiß wovon er spricht, hat er doch diesen Weg anlegen lassen und mit seinem unglaublichen Wissen verkommen die Schautafeln zum Zierstück. So erzählt er uns, dass eine Weinknospe mit einem Druck von 6bar empor sprießt und er fügt noch hinzu: „Würde man einen Reifen anschließen, es würde ihn z’reißen.“

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Löwenzahn ist als Tiefwurzler und Bodenlockerer im Weingarten gerne gesehen.
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Wenn das Leerzeichen überflüssig wird.
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Schautafeln und Rastplätze säumen den Wolkersdorfer Weinwanderweg.

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Reisebloggerin Lucia lässt sich vom Wind nicht beirren.
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Elena hat alles im Visier.
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Wein wächst im Weinviertel nur an den günstigsten Lagen.

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Die Bezeichnungen Weiß- und Rotgipfler leiten sich von der Farbe der Weinblätterspitzen ab.

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Sturmzeit ist ja eigentlich erst im Herbst, doch Weinviertler Windzeit ist laut Angelika an 360 Tagen im Jahr. Leicht ausgekühlt und etwas durstig führt uns der Drang nach Speis und Trank in den Heurigen Friedlmayer in Wolkersdorf. Angelika war federführend bei der Organisation mit dem Tourismusverband Weinviertel, doch sie kann nicht nur gut Informationen austeilen, sondern auch reinen Wein einschenken.

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Im Heurigen Friedlmayer hat sich eine weitere Person zu uns gesellt: der Kellergassenführer Herbert Kraus. Während wir unseren Hunger und Durst in den gemütlichen Räumen des Heurigen stillen, weiß Herbert uns gehörig zu unterhalten. Kellergasse here, Kellergasse there, Kellergasse everywhere. Ein absolut spannendes Thema, ich kann die Faszination absolut nachvollziehen. Sonst hätte wohl kaum eine mehrtägige Kellergassenwanderung den Platz in meinem Buch WIEN GEHT WEIT gefunden.
Bevor es uns so ergeht wie dem Burschen an der Hauswand, begeben wir uns mit Herbert in die Wolkersdorfer „Köllagossn“.

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Herbert ist ein Kellergassenführer mit Leib und Seele und er weiß alles über die Kellergassen. Und wenn ich sage alles, dann meine ich alles.
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Im „Kölla“ scheint es beliebte Fotomotive zu geben.
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Eigens abgerichtete Wildtiere bewachen die offene Kellergassentür und verlangen aufdringlich eine Streicheleinheit.
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Spieglein, Spieglein auf dem Kopfe, was ist die beste Alternative zum Hopfe? Lieber Martin, ein Fakt und kein Glaube, natürlich der Saft der Traube.
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Die Schmiedekunst ist ein Teil der Kellergassentüren, vor allem wenn es um die Schlösser bestimmt ist.
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Wie hier zu sehen. Herbert ist also seines eigenen Glückes Schmied, den Schlüssel dazu hält er in der Hand.
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Jeden Mittwoch ab 15 Uhr ist die Kellertür im Gmoakölla (Gemeindekeller) offen.
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Ein Kellerstollen eingearbeitet in Lehm und Löss.
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Wenn’s pressiert.
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Wie viele Beulen mussten bis zum Hinweis schon gewachsen sein?
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Teils verwunschen, verwildert, aber noch immer vorhanden.
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Löss und Weinbau sind seit jeher tief verwurzelt.
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Kellergasse: Wenn im Abfalleimer hauptsächlich Weinflaschen landen.
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Bei einem Achterl Rosé schließen wir die äußerst interessante Kellergassenführung mit Herbert Kraus ab.

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Schwuppidu. So schnell kann die Zeit bei einem, oder auch zwei Achterl, während der Kellergassenführung vergehen. Es ruft uns der Pillichsdorfer Kellergassenfrühling zu sich. Dank dem Taxiunternehmen Schiefer müssen wir gegenüber der Exekutive auch kein schlechtes Gewissen aufbringen.
Die Pillichsdorfer Kellergasse ist für Weinviertler Verhältnisse eine wahre Besonderheit. Der Veranstalter des Kellergassenfrühlings und Heurigenwirt Sepperl Gössinger berichtet uns später von typischen eng eingeschnittenen Kellergassen im Weinviertel, doch in Pillichsdorf ist die Hauptkellergasse breit angelegt mit einem Grünstreifen in der Mitte. Ost- und westwärts zweigen weitere Kellergassen ab, so wirbt Pillichsdorf mit dem größten zusammenhängenden Kellergassensystem Mitteleuropas.

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Eine der abzweigenden Kellergassen führt direkt zum Heurigen Faber.
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Qual der Wahl im Gastgarten Faber.

Kind und Kegel wirft sich in Schale, wenn der Pillichsdorfer Kellergassenfrühling ruft. Vor allem im und am schön angelegten Garten des Heurigen Faber spielt umgangssprachlich die Musik, während in der Kellergasse die wörtlich gemeinte Musik spielt. Eine einheimische Künstlerin stellt Aquarell- und Acrylbilder im Weingarten aus, fein herausgeputzte Oldtimer-Traktoren – ich steige mit dem Begriff hoffentlich niemanden auf die Zehen – sind am Gelände platziert und dienen als perfektes Fotomotiv. Die Entscheidung, ob im kalten Wind oder in der warmen Stube der Nachmittag fortgesetzt wird, fällt nicht schwer.

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Wer sich den Podcast-Beitrag angehört hat, ganz am Anfang des Berichtes, weiß, dass der Heurige Faber für seine Gäste ein ganz besonderes, kulinarisches Schmankerl im Angebot hat. Wer mit den Begriffen Turopolje und Mangalitza etwas anfangen kann, und noch dazu FleischesserIn ist, kommt um einen Besuch im Heurigen Faber nicht herum.

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Selbst ich habe am Glas meine Spuren hinterlassen.
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Wenn ReisebloggerInnen gespannt zuhören.
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Bei diesem Gebäude sind die typischen Lehmziegel gut ersichtlich, welche meist noch aus Ziegeleien der Umgebung stammten.
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Die Menschen beim Pillichsdorfer Kellergassenfrühling wissen, wie sie BesucherInnen bei dem kalten Wind in das Innere locken können.

Hoher Besuch empfängt uns nach dem gemütlichen Heurigen-Nachmittag in der Pillichsdorfer Kellergasse. Der Veranstalter des Kellergassenfrühlings und Aufstrichkönig Sepperl Gössinger entführt uns in den Pfarrkeller, spricht aus dem Nähkästchen und verrät uns seine geheimsten Rezepte. Rezepte? Ja, denn beim Aufstrich-Festival im August in Pillichsdorf werden heuer wieder mindestens 42 – die Antwort auf alles – unterschiedliche Aufstriche zubereitet. Welchen besonderen Ausspruch er verwendet, um dieses und jenes in einen Aufstrich zu packen, könnt ihr im Podcast-Beitrag erfahren. Auf jeden Fall eine wunderbare Wortkonstellation. 🙂

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Voll in seinem Element. Aufg’strichen ist mit Sepperl Gössinger.
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Der Pfarrkeller in Pillichsdorf kann nicht nur beim Kellergassenfrühling besichtigt werden, sondern auch für private Veranstaltungen gebucht werden. Ich hörte die Zahnräder in manchen Köpfen schon rattern.

Das Vergnügen mit Sepperl Gössinger ist leider nur von relativ kurzer Dauer, denn für uns geht es wieder in die Heimat. Ich bin ja grundsätzlich nicht so ein Mensch, der sich auf Brauchtum aufhängt. Aber dass man noch immer „In die Grean geht“, Weine in der Kellergasse verkostet und den Erzählungen der Winzer lauscht, ist ein wunderbar ungezwungener Brauch. Frei nach Kellergassenführer Herbert Kraus: „In die Grean gehen“ gibt’s nur bei uns – bei uns im Weinviertel.

In die Grean gehen – Weiterführende Informationen

> In die Grean gehen – Frühlingsangebote im Weinviertel
> Weingut Pleil, Wolkersdorf – ab Hof Verkauf und Online-Shop

> Weinwanderweg Wolkersdorf – Weinbau und Heuriger
> Heuriger und Weingut Friedlmayer, Wolkersdorf – Weinbau und Heuriger
> Kellergassenführungen im Weinviertel
> Pillichsdorfer Kellergassenfrühling – Zwei-Tages-Fest im April
> Heuriger Faber, Pillichsdorf – Weinbau und Fleisch vom Turopolje- und Mangalitza-Schwein
> Heurigenwirt Sepperl Gössinger – Veranstalter vom Pillichsdorfer Kellergassenfrühling und vom Aufstrich-Festival
> Nudeln aus der Region vom Thomas, auch mit Online-Shop. Aus eigener Erfahrung: Chili-Nudeln sind wirklich scharf.
> Mehrtagestour durch Kellergassen im Buch WIEN GEHT WEIT
> Literaturtipp: Weinviertler Kellergassen, Edition Winkler-Hermaden, Johannes Rieder & Wolfgang Krammer, 2012, ISBN: 9783950315172

Danke für den lustigen Tag und für eure Beiträge:
Angelika Mandler-Saul – wiederunterwegs.com
Elena Paschinger – creativelena.com
Claudia Höller – freets.at
Lucia Täubler – diekremserin.blogspot.co.at

Hinweis: Dieser Ausflug „In die Grean gehen“ erfolgte auf Einladung von Weinviertel Tourismus.
Welche Pakete gebucht werden können, ist direkt bei Weinviertel Tourismus zu erfahren.

2 Gedanken zu „Weinviertler Brauchtum: In die Grean gehen

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