Es geht bergauf – Trailrun am Leopoldsberg und Kahlenberg

1605_laufen_leopoldsberg

Ob man diese Laufstrecke nun wirklich ob des hohen Asphaltanteils als Trailrun bezeichnen kann, sei mal dahingestellt und lasse ich den „I-Tüpfe-Ridern“ als Diskussionsgrundlage im Raum stehen. Höhenmeter werden bei dieser Strecke aber allemal auf den Tacho geschraubt. Einfach mal um es gemacht zu haben, versuchten sich Lorenz und ich am Nasenweg im Laufstil. Wer den Nasenweg kennt, weiß, dass dieser steile Aufstieg vom Kahlenbergerdorf auf den Leopoldsberg selbst im normalen Gehtempo bei -20°C Außentemperatur die Schweißperlen auf die Stirn treibt, welche dann als Eisklumpen auf der Haut kleben und mich offensichtlich zu einem Schachtelsatz bewegen.

Die Übersichtskarte, kompakte Laufinformationen und Streckenführung befinden sich am Ende des Berichtes.

Trailrun am Leopoldsberg und Kahlenberg

Linie D, Nußdorf S-Bahn. Ab hier starten Lorenz und ich mit unserem Bergauf-Lauf-Versuch, in weiterer Folge kurz und heldenhaft mit Berglauf abgekürzt. Aber davor: Muskelwärmung mit einem gemütlichen Lauf in Richtung Kahlenbergerdorf entlang der Donau. Ich aktiviere meine Garmin Forerunner, sie soll die Strecke aufzeichnen und die notwendigen Daten bezüglich Geschwindigkeit und Zeit liefern. Doch anfänglich findet das kleine Ding am Handgelenk kaum ein GPS-Signal, laufen wir ja die ersten Minuten ständig unter einer Betonbrücke entlang. Merkte ich auch im Nachhinein, laut Aufzeichnung liefen wir bis zum Kahlenbergerdorf mitten in der Donau.
Ein Schwenk nach links zum Kahlenbergerdorf lässt den Nasenweg bedenklich nahe kommen. Noch eine Rechtskurve, leicht bergauf zum Parkplatz, vorbei an der Tafel zum Stadtwanderweg und mit Blick auf die Kirche am Leopoldsberg nehmen wir ohne Pause die ersten Stufen des Nasenwegs in Angriff. „Jetzt geht’s los.“
Voller Enthusiasmus nehme ich die ersten Stufen gleich doppelt, begleitet mit einem Nebenkommentar von Lorenz: „Bist du deppad?“
Die erste Kehre steht an, wir beide agieren noch im Laufstil. Noch. Während Herz, Lunge und sonstige Organe die Betriebstemperatur erhöhen, spüre ich die erste Anstrengung in den Oberschenkeln. Nach der nächsten Kehre steigt der Nasenweg noch steiler an und an Laufen ist hier nun nicht mehr zu denken. Dynamisches Emporsteigen hat die Laufgeschwindigkeit ersetzt, bei mir und bei Lorenz. Wir überholen SpaziergeherInnen, schnaufend und schwitzend.
Stufen, Stufen, Stufen, bergauf, bergauf, bergauf. Immer wieder versuche ich bei nicht so steilen Passagen meine Beine zum Laufen zu überreden, doch meine Überredungskünste lassen zu wünschen übrig. Grundsätzlich könnte man am Nasenweg eine wunderbare Aussicht genießen, wenn nicht der schwere Kopf gesenkt dem empor ragenden Boden nahe kommt. Kurz vor dem Ausstieg nahe der Aussichtsplattform am Leopoldsberg, kann ich mich dazu überwinden, die letzten Höhenmeter noch laufend zu absolvieren. Lorenz befindet sich ein paar Sekunden vor mir. Oben angekommen schnaufe ich meine Lunge halb aus dem Körper, Anstrengung pur liegt hinter uns. 14 Minuten, 29 Sekunden. So die erste Richtzeit für unseren Lauf/Stieg vom Beginn des Nasenweges bis zur Plattform am Leopoldsberg.

Traumtagerl! Foto aufgenommen am Leopoldsberg.
Traumtagerl! Foto aufgenommen am Leopoldsberg.

Ausgetrocknet, wie nach einer Wüstendurchquerung, laben wir uns an der Wasserquelle auf der Vorderseite der Leopoldskirche. Weiter geht’s nun am Wanderweg in Richtung Kahlenberg, an der Josefinenhütte vorbei und einen Mountainbikefahrer überholend rauf zur Josefskirche am Kahlenberg. Die Aussichtsplattform ist ebenfalls nicht weit entfernt. Der Genuss hat die Anstrengung mittlerweile abgelöst, das Laufen macht nun auch wirklich Spaß.

Rastend und staunend am Kahlenberg.
Rastend und staunend am Kahlenberg.

Nachdem neben uns ein Herr am Kahlenberg lautstark einen mehrere Sekunden langen Darmwind in die Prärie entlässt und die entsprechende Wolke nicht lange auf sich warten lässt, haben wir nun genug Aussicht in uns aufgeschnappt. Aber vom Laufen haben wir noch immer nicht genug. Wir folgen nun dem Stadtwanderweg bergab, anfänglich über Stufen und Wege im schattigen Wald, später über Asphaltstraßen durch aussichtsreiche Weinberge. Vorbei am Heurigen Sirbu in die Eichelhofstraße und Hackhofergasse wieder hinab nach Nußdorf. Dort, wo alles begann. Also, heute begann. Und einen gemütlichen Teppich, wie der kleine Hund ihn am heutigen Tag vorgefunden hatte, wünschte ich mir nach der Tour dann auch.

Wahre Freundschaft!
Wahre Freundschaft!

Fazit der Lauftour am Leopoldsberg und Kahlenberg

Den Nasenweg zu laufen, grenzt an Selbstverstümmelung. Danach mutiert der Lauf vom Leopoldsberg über Kahlenberg und wieder hinab nach Nußdorf jedoch zu einem wahren Genuss, jedoch mit fast 100% Asphaltanteil. Dennoch: Die 14 Minuten und 35 Sekunden wollen unterboten werden. Ich oute mich also jetzt schon als Wiederholungstäter.

Datum der Tour: 20. April 2016
Kilometer
: 8,8km
Höhenmeter: 300m
Zeit: 1 Stunde
Nasenweg vom Beginn im Kahlenbergerdorf bis zur Plattform am Leopoldsberg: 14 Minuten, 29 Sekunden
Asphaltanteil+Pflasterwege: 92%
Streckenführung: Nußdorf Haltestelle Linie D – Kahlenbergerdorf – Nasenweg – Leopoldsberg – Josefinenhütte – Kahlenberg – Stadtwanderweg 1a abwärts – Kahlenberger Straße – Heuriger Sirbu – Eichelhofstraße – Hackhofergasse – Nußdorf Haltestelle Linie D
Hinweis zu der Übersichtskarte+Höhenprofil: Da ich eingangs schon erwähnte, dass sich die Garmin-Uhr mit der Signalfindung geplagt hatte, ist die Summe der Höhenmeter bei weitem nicht korrekt. Auch zu sehen an den zwei Bergab-Zacken im Aufstieg zum Leopoldsberg. Erst kurz vor der Plattform am Leopoldsberg stimmt das Signal mit der Strecke überein.

volle Distanz: 9.05 km
Gesamtanstieg: 513 m
Gesamtabstieg: -513 m

Schreibe einen Kommentar