15,5 km | 620 Höhenmeter | 2 Stunden | mittel

Samstag Abend, Wien. Nach einem langen Tag bei freytag & berndt lande ich in meinen vier Wänden und grüble, was mit dem angebrochenen Abend anzufangen sei. Da fällt mir ein: Lorenz berichtete vor ein paar Tagen von seinem neuen Rekord am Leopoldsberg, warum sollte mein Laufrekord am Nasenweg nicht auch purzeln? Mit Sack und Pack und einer Stirnlampe mache ich mich mit den Öffis auf den Weg zum Kahlenbergerdorf.

Tourdaten: Trailrunning Leopoldsberg und Hermannskogel

Der Nasenweg ist zwar noch immer so steil wie vor ein paar Wochen, aber das Training machte sich wirklich bemerkbar. Klar, anstrengend war der Aufstieg allemal, aber ich konnte mit der Anstrengung besser umgehen. Alleine durch den dunklen Wald zu laufen, nur mit einer Stirnlampe für die Wegfindung am Kopf, war ein ganz besonderes Erlebnis, was ich absolut empfehlen kann. Genauso wie stundenlanges Wandern in der Nacht durch dunklen Wald. Gutes Orientierungsvermögen und Ortskenntnis vorausgesetzt für den Beginn.
Vogelsangberg ist ein netter Abstecher, Hermannskogel einfach top. Vielleicht suche ich mir bei der nächsten Tour einen Halt oder eine Strecke aus, bei welcher ich zum Schluss nicht eine asphaltierte Allee entlang laufen muss. Unglaublich, wie groß die Lerneffekte aktuell sind. Es macht soooo unglaublich viel Spaß, ich kann’s euch gar nicht sagen! Einfach, wow!

Ausgangspunkt: Bushaltestelle Kahlenbergerdorf Linie 239, 1190 Wien
Endpunkt: Endstation Neuwaldegg, Straßenbahnlinie 43, 1170 Wien
Länge: 15,5 Kilometer
Höhenmeter: 620 m im Aufstieg, etwas weniger im Abstieg
Dauer: 2 Stunden
Schwierigkeit: Wer den Nasenweg überwunden hat, hat das Schlimmste geschafft. Konditionelle Nackerbatzerl sollten vielleicht mit etwas leichterem beginnen. Technisch leicht, konditionell mittel.
Streckenführung: Kahlenbergerdorf – Leopoldsberg – Josefinenhütte – Höhenstraße – Sulzwiese – Agneswiese – Vogelsangberg – Gasthaus am Agnesbrünnl – Hermannskogel – Grüß di a Gott Wirt – Dreimarkstein Häuserl am Roan – Hameau – Schwarzenbergpark Allee – Neuwaldwegg Straßenbahn 43

Öffentliche Anreise: Mit der Buslinie 239 von U4/S-Bahn-Station Heiligenstadt zur Station Kahlenbergerdorf.
Öffentliche Abreise: Mit der Straßenbahnlinie 43 von Neuwaldegg ins Stadtzentrum (Endstation beim Schottentor).

Download file: 160507_laufen_leopoldsberg-hermannskogel-neuwaldegg.gpx

Im Laufschritt auf den Leopoldsberg

Erstaunlich viele Menschen machen sich Samstag Abend von Heiligenstadt aus auf den Weg Richtung Klosterneuburg, doch bevor ich die kostenpflichtige Stadtgrenze überschreite, lasse ich mich an der Station Kahlenbergerdorf aus dem Bus geleiten. Übrigens: Ich gehöre zu der Spezies Mensch, die, wenn sie vorne den Bus verlassen, sich freundlich von Chaffeur oder Chaffeurin verabschieden. Egal, ob der Bus nun in Hintertupfing oder in Wien herumfährt. Und es kommt immer eine freundliche Verabschiedung retour. Das freut uns beide.

Im Vergleich zu meinem ersten Versuch am Nasenweg, ist dieser nach wenigen Laufmetern schon erreicht. Uhr: Check. Und rauf mit mir. Ich habe schon von den Qualen am Nasenweg in einem anderen Beitrag berichtet, aber heute ist die Grundstimmung irgendwie eine andere. Der Respekt vor dem Nasenweg ist verflogen, es geht nur um das gute Absolvieren des Weges in einer ansprechenden Zeit. Im Gegensatz zum letzten Mal, kann ich sogar den kompletten Nasenweg bis zur Aussichtsplattform im Laufstil absolvieren. Erst auf der Nordseite des Gebäudes mache ich kurz Halt, mit Blickrichtung Bisamberg. Das Ergebnis ist ein roter Kopf und ein neuer Rekord für den Nasenweg mit 13 Minuten und 55 Sekunden.

Doch das eigentliche Ziel meines Ausflugs ist nicht der Leopoldsberg, sondern das genussvolle Laufen im Wald, auf schmalen Pfaden, auf Wegen, in der Dunkelheit. Nahe dem Leopoldsberg überquere ich das Gelände inmitten der Straßenschleife auf einem Trampelpfad.

Bald lande ich jedoch wieder auf der Pflasterstraße, laufe wenige Meter Richtung Kahlenberg und sehe kurz danach einen aufsteigenden Pfad zur Rechten, welcher mich auf einen blau markierten Wanderweg führt. Nicht nur dass mich hier in weiterer Folge schmale Wege erwarten, was ich auch unbedingt erlaufen wollte, auch ein wenig Schlamm mischt sich in das gemeine Fußvolk. Genial! Macht Spaß!

Baba, Sonne!

Dann heißt es aber mal kurz innehalten. Der Sonnenuntergang ist mittlerweile schon voll im Gange und beinahe abgeschlossen, als ich das prächtige Farbenspiel am Himmel über Klosterneuburg erblicke.

Die mitgebrachte Stirnlampe ist nun unausweichlich im Dauerzustand. Den blauen Wanderweg habe ich kurz nach der Josefinenhütte auf einen unmarkierten Pfad verlassen, welcher mich bergauf neben die Höhenstraße leitet, bald aber auf einen grünen Wanderweg übergeht, auf welchem ich wieder bergab laufend die Sulzwiese erreiche. Abermals bergauf zur Agneswiese und schon wieder oder noch immer bergauf durch halbverwachsene Pfade auf den Vogelsangberg, von welchem sich ein schöner Blick auf das nachtaktive Wien werfen lässt.

Wieder runter vom Vogelsangberg und weiter zum Gasthaus am Agnesbrünnl, von hier am rundumadum-Weg Richtung Hermannskogel. Am Gipfel und somit höchsten Punkt Wiens angekommen, versuche ich ein halbwegs brauchbares Foto zu schießen. Das einzig sinnvolle Ergebnis präsentiert meine Stirnlampe.

Trailrun Leopoldsberg Vogelsangberg Hermannskogel Hameau (9)

Auf bekannten Wegen abwärts

Ab jetzt halte ich es mit der Wegführung einfach und beschließe die Beendigung der Tour in Neuwaldegg. Am mir schon bekannten rundumadum-Weg laufe ich weiter zum Dreimarkstein und Häuserl am Roan, mit abermals netten Blick auf die Wiener Lichtverschmutzungsglocke, zum Hameau und von hier wieder abwärts zum Schwarzenbergpark und über die Allee zur Straßenbahnstation in Neuwaldegg. Kein Mensch ist unterwegs. Kein einziger Mensch – also, außer mir natürlich. Wann passiert einem das schon im Schwarzenbergpark? Genau, Samstag Nacht.

Die Uhr zeigt mir in Neuwaldegg bislang kaum bekannte Lauf-Sphären an. Noch nie lief ich so lange am Stück, noch nie lief ich so weit am Stück, noch nie lief ich so viele Höhenmeter in einem Stück. Und das Schlimme an diesem Stück: Das Stück hätte meinem Körper zufolge noch länger sein können. Verrückt, eigentlich! Beim nächsten Mal dann.


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