„Bäume sind Feinde!“
Wörter, die man von einem Mitarbeiter einer Landesregierung, Abteilung Umweltschutz, kaum erwarten möge. Doch dieser Aussage ist ein wertvoller Hinweis zugrundeliegend: „Da zieht das Wasser unten durch und selbst bleibt man unter den Bäumen hängen.“ Sätze, die erst im späteren Verlauf der Paddeltour auf der Leitha wirklich Sinn ergeben.

Rein aufs und ins Wasser

In Wimpassing an der Leitha wartet Franz Bauer bei strahlendem Sonnenschein auf uns vier ausgewiesene Nicht-PaddlerInnen. Ein blaues Ding präsentiert sich in der saftgrünen Wiese, es ist das Boot, welches uns heute 12 Kilometer auf der Leitha stromabwärts bringen wird. Der Zweck dieser Tour ist einfach erklärt: Franz Bauer hat ein tolles Buch über das Naturparadies Leitha geschrieben, der Kral Verlag hat es veröffentlicht. Nun erleben wir „hautnah“ eine Bootstour aus dem Buch Naturparadies Leitha und lassen uns wörtlich genommen treiben.

Nach ersten Instruktionen und den beruhigenden Sicherheitshinweisen – „ertrinken wird man nicht, so tief ist die Leitha nicht“ -, gilt es einmal das Boot zu Wasser zu lassen. Es stellt sich als die schwierigste Herausforderung des heutigen Tages heraus. Wir schleppen das Boot einen Wiesenweg entlang, ehe Franz einen steilen Brennnesselhang voran zum Gewässer steigt. Er könnte meiner Meinung das Boot auch einfach schultern und in die Leitha damit hüpfen, soviel Energie steckt in ihm. Nur mit unglaublicher Selbstbeherrschung schaffe ich es, mit der einen Hand das Seil am Boot seitlich umgreifend, nicht den Brennnesselhang hinabzustürzen. Unten angekommen waten wir noch ein paar Meter durch das seichte Wasser, bis wir uns endlich dem Fluss hingeben.

Die Schönheit und Unbekümmertheit der Natur, zwingt den Mensch zur Arbeit. Also uns. Von Biber & Co. umgenagte Äste und Bäume liegen schön verteilt in einem Abschnitt des Flusses. Dort wo das Wasser am tiefsten wäre und somit unsere lustige Bootsfahrt beschwerdefrei fortgesetzt werden könnte, liegt einer dieser teuflischen Bäume knapp über dem Wasser. Dort, an dieser Stelle, wäre dem Franz erst vor kurzem fast ein ORF-Team ersoffen.

Übers Wasser gehen?

Es gilt das Hindernis zu umgehen, und damit meine ich wirklich umgehen. Das 23 Kilo schwere Boot wird gezogen, unsere nackten Füße kneippen im aprilwarmen Leithawasser. Mit frischer Beindurchblutung steigen wir bei höherem Tiefgang wieder in das Boot und bewegen uns mit 3-4 km/h auf der Leitha weiter flussabwärts. Die Frage ist nur: Reicht das Bier aus? Was für ein Luxusboot!

Sich treiben lassen! Ich weiß nun mit ziemlicher Sicherheit, woher dieser Ausdruck stammt. Wobei, ganz können wir auf der ruhigen Leitha nicht das Hirn ausschalten. Unser Steuermann Franz sitzt ganz hinten und hat das Ruder, sein eigenes Paddel, in der Hand. Wir haben selbst ein Paddel in der Hand und folgen den klaren Anweisungen: „Wenn ich rechts sage, paddelts ihr rechts. Sage ich links, links.“ Er hat die Erfahrung, befuhr er doch vor 25 Jahren das erste Mal die Leitha mit einer Luftmatratze.

In der Natur der Sache

Graureiher, Bachstelzen, Biberspuren und Eisvogelhöhlen. Nur eine kleine Auswahl von Naturschönheiten, welche einem auf der Leitha begegnen können. Eine geruhsame Art der Fortbewegung und nach Franz Bauer sind auch nur sehr wenige Menschen auf der Leitha unterwegs. Man kommt sich also auch nicht in die Quere. „Es ist nicht weit weg von Wien, aber es kennt keiner“, sagt der begeisterte Paddler.

Einige Flüsse habe ich im Laufe meiner Wanderkarriere schon bewandert, zum Beispiel die Traun oder die Steyr. Doch von einem Weg am Ufer ist der Blick auf den Fluss wahrlich nur einseitig. Spannend also, wie sich der Blick auf den Fluss aus dessen Mitte präsentiert. Einen Blick, den Franz Bauer schon auf vielen anderen Flüssen erleben hat dürfen. Gelernt hat er das Bootswandern auf der Moldau in Tschechien. Die längste Reise führte ihn und einige weitere Paddler mit Kindern zehn Tage entlang der Otava durch die tschechische Flusslandschaft. Unterbrochen wird sein Schwärmen über die Soča von einer wichtigen Anweisung: „Links paddeln, damit wir unter dem Stamm hindurch kommen.“

Öffi-Flusswandern

Fürs Bootswandern braucht er auch nicht mal ein Auto. Mit dem Zug nach Scharnitz in Tirol, weiter mit dem Taxi zur Isar und vier Tage später ist er in München. Dann fährt man zwei Stationen mit der U-Bahn und fährt mit der Bahn wieder heim. Hat er schon drei Mal gemacht.

Lustige Geschichten, interessantes Wissen über die Leitha und über das Bootswandern mit dem Schlauchkanu hat Franz Bauer in seinem Repertoire. Sein Wissen vermittelt er auch bei einem Einführungskurs für „Paddeln und Wildwasser“ beim ÖTK. So erfährt man zum Beispiel lokale Gepflogenheiten, dass es zwischen zwei Gemeinden an der Leitha immer einen edlen Wettstreit gab, welche Gemeinde bei Hochwasser am langsamsten Sandsäcke schlichtet.

Nach einigen Stunden auf der Leitha, gilt es „abzupaddeln“. Im Fachjargon bezeichnet es das Beenden der Saison, für uns ist heute am Wehr bei der Kotzenmühle nahe Seibersdorf die „Saison“ beendet. Ein paar Höhenmeter gilt es das Boot nach oben zu manövrieren, die Luft entweicht aus dem Schlauchkanu und wird in den vorher geparkten Autoanhänger verfrachtet.

Gemütlicher Ausklang

Gemeinsam verbringen wir noch einen gemütlichen und lustigen Nachmittag im Innenhof vom Weingut Liszt in Leithaprodersdorf, genießen regionale Schmankerl und selbstgemachte Kräuterlimonaden. Das eine oder andere Glaserl Wein wird auch noch zu den Gaumenfreuden gezählt. Ein genussvoller und entschleunigender Tag geht langsam zu Ende, Franz hat die passenden Worte dafür: „Flusswandern ist was für einfache Gemüter!“

Gemütlicher Ausklang der Paddeltour im Weingut Liszt.
Gemütlicher Ausklang der Paddeltour im Weingut Liszt.

Steuermann, Lexikon und Kapitän: Franz Bauer ist Mitarbeiter im Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abteilung Anlagenrecht, Umweltschutz und Verkehr, beschäftigt sich intensiv mit der Natur an der Leitha und Luftschutz und ist begeisterter Paddler.

Danke für den Kral Verlag und Franz Bauer für die Organisation der Paddeltour auf der Leitha und zur Einladung. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.


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4 Kommentare

  1. Hallo!

    Wir planen eine Paddeltour für Pfingsten: 3 Tage zwei Nächte: Mosoni Donau, Mali Donau oder Leitha….gibt es vielleicht vorschläge…wäre sehr dankbar. Soll eine gemütliche Tour mit 2 Übernachtungen werden….
    Vielen Dank für jegliche Information

    • Liebe Karin!
      Puh, da bin ich leider überfragt. Paddeln ist bei mir eine Aktivität, die nur sehr selten vorkommt. Kann dir also leider keine Vorschläge übersenden.
      LG, Martin

  2. Hallo Martin!
    Cooler Beitrag! Ich war schon selbst auf der Leitha, sowohl als Kajak-Faher, als auch als Angler unterwegs. Super Fluss! Ich hoffe, du hast deine Tour genauso genossen, wie ich :)
    Ich war auch schon in den Wildalpen raften, das kann auch was :)

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