20,8 km | 870 Höhenmeter | 6 Stunden | mittel

Die Fischauer Vorberge trennen die Neue Welt von der alten Welt. So ganz futuristisch funktioniert es in der realen Welt zwar dann doch wieder nicht, der Ausläufer der Gutensteiner Alpen bringt sich als Vorgebirge der Hohen Wand trotzdem gut in Stellung. Mit der Überschreitung der Fischauer Vorberge entdecken wir viele kleine bekannte und unbekannte Sehenswürdigkeiten. Und bewegen uns dabei abseits der überlaufenen Wege.

Tourdaten: Überschreitung Fischauer Vorberge

Ausgangspunkt: Bahnhof Wöllersdorf-Steinabrückl Marchgraben, 2752 Wöllersdorf-Steinabrückl
Endpunkt: Bahnhof Unterhöflein, 2732 Höflein a. d. Hohen Wand
Länge: 20,8 Kilometer
Höhenmeter: 870 m im Aufstieg, 745 m im Abstieg
Dauer: 6 Stunden
Höchster Punkt: Kienberg, 650 m
Schwierigkeit: Technisch unschwierige Waldwege, steiniger und auch teils rutschiger Abstieg vom Kienberg – mittel.
Orientierung: Nahezu durchgehend unterschiedlich markierte Wanderwege. Einzig vom Marmorsteinbruch zur Ruine Emmerberg unmarkiert (wer hier dieser Beschreibung folgen will). Durchwegs ab und zu mit Wegweisern versehen, Wanderkarte aber empfohlen.
Literatur: Keine Literatur bekannt, in welcher diese Tour beschrieben ist; Wanderbuch von der Region.
Karten: fb WK 012, BEV ÖK50 5201

Einkehrmöglichkeiten: Landgasthof Jautschnig (am Ende der Tour); Verpflegung also selbst mitnehmen.
Weitere Links:
> Marmorsteinbruch Engelsberg

Öffentliche Anreise: Mit dem Regionalzug von Wiener Neustadt kommend Richtung Gutenstein, Haltestelle Wöllersdorf-Steinabrückl Marchgraben.
Öffentliche Abreise: Mit dem Regionalzug von Puchberg/Schneeberg kommend Richtung Wiener Neustadt, Haltestelle Unterhöflein.

Download file: 2021-02-28_Überschreitung Fischauer Vorberge.gpx

Start in Wöllersdorf-Steinabrückl

Noch bevor sich Wiener Neustadt als rote Zone entwickelt hatte, steigen wir am Bahnhof in den Zug Richtung Gutenstein um. Am Bahnhof Wöllersdorf Marchgraben verlassen wir den Regionalzug, um am heutigen sonnigen Wintertag die Fischauer Vorberge einmal quer durch zu überschreiten.

Tourenvideo Überschreitung Fischauer Vorberge

Wir unterschreiten die Bundesstraße und wechseln gleich links auf die Berggasse. Wiederum links folgen wir nun dem bereits rot markierten Weg bergan. Vorbei an einem Bogenschießparcours gehend erreichen wir einen Sportplatz sowie einen Parkplatz, den wir queren und nun tiefer in die Malleiten eindringen. In der Hochfläche Malleiten befand sich eine ur- und frühgeschichtliche Höhensiedlung, die unter anderem mit der Gewinnung und Verarbeitung von Kupfer in Zusammenhang stand.

Steinerner Stadl und Größenberg

Den beschilderten Abstecher zum Teufelmühlstein (interessantes Felskonstrukt) lassen wir heute gut sein, den unmarkierten Abstecher zum Steinernen Stadel nehmen wir aber sehr wohl in Kauf. Dieses sehenswerte Naturdenkmal ist eine steinerne Naturbrücke bzw. Durchgangshöhle, die auch bei Boulderfreunden beliebt ist. Vorbei an einem verloren gegangenen Schnuller und der blühenden Schneeheide, passieren wir die Fiedlerwiese und erreichen leicht absteigend eine Landstraße.

Diese wandern wir kurz in Richtung Hohe Wand entlang, biegen jedoch nach der ersten Baumreihe links auf eine Wiese ab (etwas unscheinbar und schlecht markiert). Wir folgen dem wieder etwas besser markierten und vor allem beschilderten Weg durch die dichten Wälder der Fischauer Vorberge in Richtung Größenberg. Noch vor dem eigentlichen Gipfel erblicken wir zur Rechten das von einem neumodernen „J.Kyselak“ markierte Gipfelkreuz und blicken bereits eindrucksvoll auf die Hohe Wand und die davor liegende Neue Welt.

Rückblickend lugt der alte Wachposten am Burgstall hervor, die Kirche von Muthmannsdort liegt unter uns und etwas außerhalb des Ortszentrums. Wer sich fragt, warum das so ist: Mit der alten Wehranlage am Burgstall, der Ruine Emmerberg und einem weiteren alten Wachposten am Dachenstein, gab es einige Meldeorte im Mittelalter, die den Ortschaften im Tal herannahende Feinde signalisieren sollen. Der Wachposten am Dachenstein wäre von der Kirche Muthmannsdorf nicht zu sehen gewesen, wenn diese im Ortszentrum gestanden wäre. Die umliegenden Sichtachsen werden beim aktuellen Standort der Kirche auf die Wachposten somit nicht beeinträchtigt. Schlau waren sie, anno dazumals.

Noch ein paar Meter geht’s bergauf und schon haben wir den höchsten Punkt mit 605 Metern am Größenberg erreicht. Ein wunderbar positioniertes Aussichtsbankerl belohnt für die ersten Anstrengungen.

Marmorsteinbruch Engelsberg und Ruine Emmerberg

Wir durchqueren den markanten Föhrenwald abwärts zu einer Weggabelung, blau markiert führt eine Forststraße zum Marmorsteinbruch Engelsberg, mit Ausblick auf das Steinfeld und die Region um Wiener Neustadt und Neunkirchen. Der „Engelsberger Marmor“ fand zu Beginn des 18. Jahrhunderts sogar einen Platz in der Ausgestaltung des Wiener Stephansdoms. Besonders auffallend sind die im Gelände verstreuten Steinblöcke, die teils künstlerisch bearbeitet sind und die Ergebnisse von Bildhauersymposien darstellen, die hier in der Vergangenheit veranstaltet wurden.

Wir spazieren an einer Infotafel über Pecherei und am Grill- und Rastplatz vorbei und folgen einem Trampelpfad in einer Rechtskurve bergauf. Dieser führt uns nun unmarkiert an das obere Ende des Steinbruchs zu einem weiteren Aussichtsbankerl. Nun wird’s etwas abenteuerlicher: Unmarkiert biegen wir links auf einen Karrenweg ab und folgen dem schmäler werdenden Weg über den Kamm entlang und über den Gipfel des Engelsbergs. Kurz steigen wir ab und folgen nun wieder markierten Wegen (Nr. 6 und 7) in Richtung Winzendorf, biegen jedoch unmarkiert rechts zur Ruine Emmerberg ab. Orientierung empfehlenswert via GPS-Track oder topographischer Karten. Die Ruine selbst kann nicht besichtigt werden, ein Blick ins Innere ist jedoch auf jeden Fall möglich.

Aufstieg zum Kienberg

Von der Ruine steigen wir über den Eselsteig zur Landstraße ab und folgen dieser zur Rechten am schmalen Gehsteig einige Minuten. Beim ehemaligen Gasthof Teichmühle und der ehemaligen Pizzeria queren wir die Straße (Achtung: Schwer einsehbar!) und wandern an der alten Gaststätte vorbei. Kurz danach wechseln wir halblinks auf einen gelb markierten Waldweg, der uns teils mit Aussichten auf die Hohe Wand weiter südwestwärts an einen Feldweg führt.

Zur Linken erreichen wir wieder Waldgebiet, biegen jedoch nahe dem Waldrand rechts auf einen unmarkierten Forstweg ab, der uns zu einer Straßenkreuzung am Sattel zwischen Dörfles und Netting führt. Geradewegs folgen wir dem asphaltierten Kienbergweg bergwärts, wechseln auf Waldwege und orientieren uns am rot markierten Aufstiegsweg. Nach einem kurzzeitig etwas steileren Wegstück landen wir am 650 Meter hohen Kienberg, der höchsten Erhebung der Fischauer Vorberge.

Das Highlight des Kienbergs ist nicht das Gipfelkreuz, sondern das gemütliche Wiesenplateau und die prächtige Aussicht auf Hohe Wand, Schneeberg und Semmering.

Abstieg nach Unterhöflein

Ein weiteres Highlight des Kienbergs ist der überraschend alpine und steinige Abstieg zur Kienbergwiese. Mancher Felspfad in den „hohen“ Alpen sieht nicht wirklich anders aus.

Wir queren die Kienbergwiese und biegen bei einer kleinen Kapelle links ab. Der nachfolgende Weg führt uns nun direkt hinab zur Bundesstraße bei Unterhöflein. Zur Linken befindet sich das Landgasthaus Jautschnig, wir spazieren nun geradewegs hoch zur weithin sichtbaren Wallfahrtskirche Maria Kirchbüchl.

Auf der Rückseite spazieren wir hinab zum Frauenbach, folgen diesem entgegen der Flussrichtung und biegen links zum etwas unscheinbaren „Bahnhof“ Unterhöflein ab. Eine wunderbare und sehenswerte Überschreitung der Fischauer Vorberge haben wir in den Beinen – und die vielen Eindrücke davon im Kopf.


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