24H Burgenland Extrem Tour 2017 – return to sender

„Liebes vergangenes Ich!
Danke für deinen Brief, den du im vorigen Jahr für mich nach der 24 Stunden Burgenland Extrem Tour für mich aufgegeben hast. Ich habe diesen immer wieder gelesen, auch als nahezu einzige Vorbereitung für die Tour im Jahr 2017. Du meintest zum Abschluss des Briefes, dass mich die Tour wiedersehen wird. Das hat sie auch. Nur war die Vorbereitung für die Tour etwas anders, als ich sie mir im Vorfeld vorgestellt hatte. Da ich mittlerweile selbstständig bin, weiß ich nun was es heißt, selbst und ständig zu arbeiten. Nur einmal im Jänner war ich zu Fuß unterwegs, als kleine Einstimmungstour für Burgenland. Die Nächte vor der Tour waren auch nicht besonders von vielen Schlafstunden geprägt, erst am Donnerstag, einen Tag vor der Tour, beschäftigte ich mich das erste Mal intensiv mit dem anstehenden Abenteuer. Und Stunden später lag ich auch schon im Gemeindeamt Oggau und versuchte noch ein wenig Schlaf zu erhaschen. Dann, halb 5 Uhr früh, erfolgte schon der Start, gemeinsam mit Vroni, mit welcher ich im Herbst die 24-Stunden-Donausteig erfolgreich absolvierte.

Es war kalt, aber nicht zu kalt. Es war windig, aber nicht zu windig. Gute Verhältnisse, gute Stimmung. Die Strecke, unselektiv wie eh und je, flach wie ein Flunder, teils geradlinig wie eine Schotterpiste im australischen Outback. Ich habe aus den Fehlern im Vorjahr gelernt. Anderes Schuhwerk, bessere Kleidung, langsamerer Beginn. Bei der ersten Labestation im ungarischen Balf versorgte ich mich um dreiviertel 9 erstmals mit Tee und Keksen. Eine dreiviertel Stunde langsamer als im Vorjahr, und das war gut so. Bei der nächsten Station in Hegykö nahm im letzten Jahr das Ende seinen Anfang, als ich merkte, dass mein Knie etwas schlabbrig zwischen Unter- und Oberschenkel hängte. Heuer funktionierte alles perfekt, Füße und Beine fügten sich ideal in die Burgenland Extrem Tour ein. Sehr witzig fand ich bei der Labestation in Hegykö, dass mich mehrere Personen als der Blogger von gehlebt erkannten. Sorry, dass ich keine Autogrammkarten dabei hatte. 😉

Relativ bald nach Hegykö verließen wir die elendslangen ungarischen Ortschaften, Wald- und Erdwege dominierten den Untergrund für mehrere Kilometer. Auch positiv in diesem Bereich war der natürliche Windschutz rund um uns, wehte der Wind bislang ja nur von einer Seite: von vorne. Nun, liebes vergangenes Ich, im vorigen Jahr waren die letzten Kilometer nach Apetlon eine Qual für dich. Heuer spazierten wir nach gemütlichen Gesprächen bei der Teestation in Sarrod die Straße weiter entlang Richtung Staatsgrenze. Am Einser-Kanal war die Welt noch in Ordnung, der Wind wehte übrigens mittlerweile von hinten. Der Rückenwind trieb uns zum Ort Fertöújlak, dem letzten ungarischen Ort vor der Grenze. Die drei langen Geraden danach zerstörten meine Träume, die Absicht, mindestens 80km zu wandern. Schwer waren nicht die Füße, sondern die Augen. Mehrmals fielen mir während dem Gehen die Augen zu, hatte ich bislang keine Probleme mit der Kälte, wurde dies nun zum Hauptproblem. Als ob ein Schalter umgelegt worden wäre, zitterte ich. Die Finger froren in den Handschuhen, obwohl ich bis dato keine Probleme damit hatte. Es fröstelte mich am Oberkörper, obwohl die Kleidung mich schon bei schlimmeren Temperaturen wärmte. Die Oberschenkel wurden kalt, obwohl mich die Liebestöter unter der Wanderhose noch nie kalt werden ließen. Auf den letzten Kilometern nach Apetlon neben der Bundesstraße wurden daraufhin auch die Beine auf einmal schwer, die Motivation sank auf den Boden des Neusiedler Sees und noch viel weiter, denn die Tiefe des Sees war nicht groß genug für meine Motivationslosigkeit. Es war kurz nach halb 4 am Nachmittag, eineinhalb Stunden später als im Vorjahr, Vroni und ich betraten das Gasthaus in Apetlon und wir wussten beide insgeheim, dass heute bei mir und auch bei ihr nichts mehr weitergehen wird. Im wahrsten Sinn. Im Gasthaus wärmte ich mich zwar auf, aber die Müdigkeit verflog nicht auf Knopfdruck. Ich war müde, ich wollte nicht mehr, ich hörte auf.

Stunden später war ich wieder in meinem Zuhause in Wien, während viele andere noch immer auf der Strecke unterwegs waren. Verrückt? Ist es. Auch wenn manche Gedanken in meinem Kopf lauthals schrien, dass ich mir dieses Theater im nächsten nicht mehr geben soll, sprachen die Gedanken im Kopf am Tag danach wieder eine andere Sprache. Klar möchte ich wieder Teil dieser verrückten Masse sein, die Welt braucht mehr Verrückte. Doch nächstes Jahr, liebes vergangenes Ich, werde ich mich besser vorbereiten. Oder überhaupt vorbereiten. Versprochen, meint dein gegenwärtiges Ich!“


Danke an Vroni, mit welcher ich von Oggau nach Apetlon meist im Gleichschritt unterwegs war. Gemeinsam lässt es sich doch etwas einfacher gehen.
Danke an das großartige Organisatorenteam und an die HelferInnen, welche immer einen Motivationsspruch auf Lager hatten.
Danke an die vielen TeilnehmerInnen, egal wie weit ihr auch gekommen seid, ihr macht dieses Event zu einer absolut verrückten Veranstaltung.
Gratulation allen, die es bis ins Ziel geschafft haben. Ihr habt eine großartige Leistung erbracht! Falls ihr noch nicht genug habt, findet ihr noch weitere 24-Stunden-Wanderungen auf gehlebt.at gelistet. 🙂
Danke für die tollen, aufmunternden Wortmeldungen, Anrufe und Nachrichten, die mich im Laufe des gestrigen Tages und auch heute noch erreichten.

PS: Walter, du bist hoffentlich noch weit gekommen und das Knie hat mitgespielt. (Nachtrag: Apetlon erreicht zu haben ist jedenfalls toll. Und wie du sagst: Der See ist nächstes Jahr auch noch da. Auf einen neuen Versuch.)
PPS: Wie ist es euch ergangen oder habt ihr auch eigene Berichte zu der Tour verfasst? Hinterlässt mir hier doch einfach ein Kommentar, freue mich auf eure Beiträge.

6 Gedanken zu „24H Burgenland Extrem Tour 2017 – return to sender

  1. Wow! Wie klasse ist das denn, dass du dir die Zeit genommen hast so einen informativen Bericht zu schreiben!

  2. Hallo Martin,

    24 Stunden weitwandern? Richtig cool! Hab mir deine Liste mit den Terminen für 2017 mal abgespeichert, aber da muss ich denke ich noch ein wenig trainieren dafür 😉 Von der Idee bin ich aber auf jeden Fall begeistert! Vor allem die !24h für Nepal“-Wanderung ist eine super Sache. Kommt definitiv auf meine To-Do List!
    Respekt vor deiner Leistung, 60km sind eine stattliche Länge -vor allem bei den langen Geraden rund um den Neusiedlersee. Die ziehen sich ja schon bei einer einfachen Tageswanderung, kann mir gut vorstellen, wie die an der Motivation zehren.

    Und Wolfgang natürlich Gratulation, dass du das ganze trotz der Wiedrigkeiten fertiggebracht hast 😉

    Grüße aus dem Almenland,
    Vanessa von http://www.dancing-on-clouds.at

  3. Tjo, auch ich war einer der Dich wegen Deines Blogs und deinen Hund angequatscht hat. Ich musste ebenfalls in Apetlon nach 10 Stunden abbrechen, obwohl ich bis dahin eigentlich kaum Probleme hatte. Es ging mir besser als im Vorjahr. Auch die langen Geraden waren diesmal mental leicht zu verkraften. Leider entwickelte sich auf den letzten Kilometern eine qualvolle Blase am vorderen Fußballen. Obwohl mich die nette Sanitäterin vor Ort medizinisch versorgte, half das nichts. im Gegenteil es wurde schlimmer. Man muss auch wissen wenn man aufhören muss. Und das gemeine daran ist dass am nächsten Morgen alles wieder gut war. Keine Schmerzen, nicht einmal ein Muskelkater.

    Also nehme ich mir wieder ein Jahr Zeit um eine bessere Socken-Schuh Kombination zu finden und um dann den nächsten Versuch zu starten.

    Man sieht siech
    Thomas

  4. Lieber Martin, herzliche Gratulation zu deiner Leistung.
    Ich habe bereits im letzten Jahr hier geschrieben und mit den Worten beendet „Dann pack ich es!“.
    Was soll ich sagen, ich habe es gepackt!
    Im gesamten Verlauf der Vorbereitung und auch während des Gehens hatte ich nur einen Gedanke vor meinem geistigen Auge, „den Zieleingang in Oggau“.
    Dass die Ankunft in Oggau in diesem Jahr quasi einer Sonderprüfung glich, ist aber ein anderes Thema.
    Wie bei dir lag ich in diesem Jahr von der Zeit her etwas zurück.
    Im Rückblick betrachtet, sicher kein Fehler.
    Ich tat mir, verglichen mit dem Vorjahr wo es nach der Rückkehr nach Österreich Richtung Apetlon steil bergab ging, heuer sehr leicht. Auch nutzte ich bis Neusiedl alle Labestation, etwas was ich im letzten Jahr nicht machte. Im Nachhinein betrachtet habe ich noch nie soviel Tee getrunken ohne dass ich krank war. 😉
    Auf meinem Marsch nach Apetlon nahm etwas Besitz von mir, dass ich nicht beschreiben kann.
    Mitstreiter die ich überholte, wunderten sich über mein hohes Tempo und fragten ob ich den Marsch erst begonnen hätte.
    An der Endstation des letzten Jahres stand aber fest, das es 2017 nicht so sein wird.
    Nach kurzer Rast und dem Anziehen einer weiteren Schicht Kleidung, ging es dann nach Illmitz Richtung Hölle. Ich war froh das es bereits dunkel war, wenn ich gesehen hätte wie lange ein Weg gerade sein kann,…..
    Auf dieser langen Strecke war auch meine Gefühlswelt sehr durcheinander. Von Euphorie, negativen Gedanken bis zum Tränen gab es alles und ich war froh als ich die Labestation in der Hölle, welche bereist abgebaut wurde, erreichte. Noch die letzten Tropfen Tee erwischt und weiter.
    Im Seecafe Podersdorf kurz angehalten, den Flüssigkeitshaushhalt reguliert und mit einem Pärchen den Weg nach Neusiedl fortgesetzt.
    Es hat sich um ein erfahrenes Sportlerpaar gehandelt, die sehr auf das Tempo geachtet haben, um ja nicht zu schnell unterwegs zu sein. Auch das hat wahrscheinlich zu meinen diesjährigen Erfolg beigetragen.
    In Neusiedl die Labestelle im Pannoneum fast über Gebühr ausgenutzt, mich auch mit den „Lehrkräften“ unterhalten, da es meine alte Schule war. Es war schön zurückzukehren, es hat sich viel in den letzten 30 Jahren verändert, die Freundlichkeit der Menschen aber ist geblieben. Leider habe ich das Pärchen dann aus den Augen verloren und ging alleine weiter.
    Da ich in der Vorbereitung mehrmals die Strecke Eisenstadt-Neusiedl ging, bin ich fast von einem Heimspiel auf dem Rest der Strecke ausgegangen. Aber es gibt das Sprichwort „Hochmut kommt vor dem Fall“ nicht von ungefähr.
    Der Wind und dadurch die gefühlte Kälte nahm zu und war nahzu unerträglich.
    Irgendwie habe ich es bis Purbach geschafft, mich dort alle paar Meter an Hausmauern gelehnt nur um etwas auszurasten. Wenn ich mich gesetzt hätte, wäre ich sicher eingeschlafen. Ich war sooooo müde und das Tempo ging gefühlt gegen Null.
    Nach langer, langer Zeit habe ich Donnerskirchen erreicht und mein Entschluss es hier nicht zu beenden, stand fest.
    Egal wann ich in Oggau ankomme, vorher endet es nicht!!!!
    Mit kleinen, langsamen Schritten, die Füße voller Blasen, seit Podersdorf hatte ich damit zu kämpfen, ging es weiter. Kurz vor Oggau hatten die Organisatoren noch die Idee den Teilnehmern einen sicheren Weg nach Oggau anzubieten, da es sicher nicht ratsam war, im Dunkeln auf einer unbeleuchteten Landesstraße zu gehen. Auf dieser Strecke mussten wir (wir hatten sich zu dritt zusammengefunden) über Stock und Stein und meine Füße meldeten sich bei jedem Schritt. Vor allem wenn ich mit einer Blase auf einen Stein gestiegen bin.
    Um 06:00 Uhr, nach 25:30 Stunden, war es schließlich soweit.
    Ich erreichte das Ziel und wurde von einer jubelnden Menschenmenge (ich glaube 2 oder 3) begrüßt, bekam die Finisher-Medailie überreicht, durfte auf der Couch Platz nehmen, Foto machen und nach Hause gehen. 😉
    Das die Batterie meines Wagens dann leider den Geist aufgegeben hat und ich noch auf den ÖAMTC warten musste, ist dann wieder eine andere Geschichte. 😉
    Es war ein eindrucksvolles Erlebnis, wo ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiß, ob es eine Fortsetzung finden wird. Aber wie sagt mir einmal ein Arbeitskollege nach der ersten Teilnahme.
    „Wenn du einmal mitgemacht hast, bist du infiziert!“
    Darum, schau ma mal!!!
    lg
    Wolfgang
    PS: Danke, dass ich hier schreiben darf.
    Rechtschreibfehler dürfen behalten und/oder weiter verwendet werden.

  5. Lieber Martin,
    es freut mich, dass ich dich persönlich kennen lernen durfte.
    Wie du schon weißt, war ich diesmal das erste Mal bei 24 Std. Burgenland extrem dabei und habe es ebenfalls bis Apetlon geschafft. Auch ich bzw. meine Beine wurden zu diesem Zeitpunkt zu müde um noch weiter zu gehen.
    Aber nächstes Jahr können wir von Apetlon nach Oggau gehen und hätten dann halt in zwei Etappen die Neusiedlerumrundung geschafft.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei deinen Wanderungen! Vielleicht treffen wir uns wieder einmal.
    Liebe Grüße
    Hilde

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