Anreise nach St-Jean-Pied-de-Port und erste Kilometer am Jakobsweg

Im Jahr 2010 wanderte ich über 900km am Camino de Santiago, ausgehend von St. Jean Pied de Port in Frankreich bis nach Finisterre an der spanischen Westatlantikküste. Spät aber doch folgen die Berichte zum Weg, allgemeine Informationen zum Jakobsweg sind in der stationären Jakobswegseite erwähnt.
Die Anreise nach St. Jean Pied de Port dauerte in Summe ca. drei Tage, wobei ich gemeinsam mit Manuel zwei dieser Tage als Tourist in Paris verbrachte. Die Fahrten nach Paris und nach St. Jean Pied de Port erfolgten alle mit der Eisenbahn.

Hinweis: Praktische Informationen zur Anreise finden sich am Ende des Berichtes.

Reise nach Paris

Unsere Reise startete am 26. Juli 2010 am Bahnhof in Wels, wo wir in den Abendzug nach München einstiegen und die Nacht im Anschlusszug nach Paris in einem Sitzabteil verbrachten. Auf der Hinfahrt erlebten wir interessante und lustige Situationen mit Sitznachbarn und herumstreunenden Menschen im Zug – traten mit asiatischen Klischees ins Fettnäpfchen, uns wurde tiefrote bulgarische Rohwurst angeboten und fürchteten uns in dem Moment, als ein Riesenmesser vom Sitznachbarn aus seinem Rucksack gezogen wurde.

Die ersten Sonnenstrahlen in Frankreich vertreiben kurzzeitig den Zugsabteil-Geruch.
Die ersten Sonnenstrahlen in Frankreich vertreiben kurzzeitig den Zugsabteil-Geruch.

Angekommen in Paris machten wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft. Nachdem wir im erstbesten Café unser Frühstück zu uns genommen hatten, durften wir die Pariser Preiskultur kennenlernen.

Für zwei Cappuccino und zwei Cola satte 21 Euro hinblättern tut etwas weh.

Vor allem wenn man bedenkt, dass man mit 21 Euro wie ein halber Kaiser am Jakobsweg leben kann – jedenfalls für einen Tag. Wir schlenderten durch die Gassen ohne wirklich einen Plan zu haben, auch keinen Stadtplan.

Touristen unterwegs - hier am Louvre.
Touristen unterwegs – hier am Louvre.

Ein Hotel zur Rechten erschien uns passend, einfach nur weil es ein Hotel war, und wir fragten bei der Rezeption nach den Preisen. 90 Euro pro Person und pro Nacht, ohne Frühstück. Wir wollten zwei Nächte bleiben, aber dafür 180 Euro ausgeben? Nach kurzer Verhandlung bot man uns die Nacht für 60 Euro an, noch immer heftig, aber verschmerzbar. Dafür musste man in der Dusche sitzen.

Die Warteschlange vor dem Aufzug zum Eiffelturm nimmt komische Gestalt an.
Die Warteschlange vor dem Aufzug zum Eiffelturm nimmt komische Gestalt an.

Wir spulten das „Touristenprogramm“ in Paris ab: Louvre, Triumphbogen, Champs Élysées, Sacré Coeur, Eiffelturm.

Waldviertler Tramper verneigen sich vor dem Stahlkoloss.
Waldviertler Tramper verneigen sich vor dem Stahlkoloss.

Kulinarische Leckerbissen gingen nicht spurlos an uns vorbei. Schnecken und Crème brûlée fielen unserem Hunger zum Opfer, darauf folgten günstige Getränke in einem irischen Pub. Paris-Urlaub für Anfänger.

Reise von Paris nach St-Jean-Pied-de-Port

Der Morgen der Weiterreise war gekommen, am 29. Juli 2010 stieg ich am Bahnhof Paris Montparnasse in den TGV nach Bayonne ein. Das Ticket dafür hatte ich mir schon in Österreich besorgt. Terminpflicht war diesmal äußerst wichtig.

Am Bahnhof in Bayonne warte ich auf den Regionalzug nach St-Jean.
Am Bahnhof in Bayonne warte ich auf den Regionalzug nach St-Jean.

Die Fahrt nach Bayonne dauerte einige Stunden. Am Bahnhofschalter in Bayonne versuchte ich mit meinen humpeligen Französischkenntnissen eine Fahrkarte nach St-Jean zu erhalten. Ich gehörte neben Pfadfindern schon zum Standard-Klientel hier am Bahnhof.

Alle Menschen mit Rucksack kriegten hier eine Karte nach St-Jean, egal was sie am Schalter daherbrabbelten.

Wenige Stunden später fuhr ich mit einem Regionalzug durch enge Schluchten weiter nach St. Jean Pied de Port. Ich war nicht der einzige Mensch mit Rucksack und Wanderschuhen in diesem Zug. Wir sahen uns an und wussten: „du gehst den Jakobsweg“.

Angekommen in St-Jean-Pied-de-Port - der Jakobsweg-Theater ist hiermit für mich geöffnet.
Angekommen in St-Jean-Pied-de-Port – nun gibt es kein zurück mehr.

Nach einstündiger Zugfahrt kam ich im Ort am Fuße der Pyrenäen an und folgte den Menschen mit den Muscheln am Rucksack in das Zentrum. Willkommen liebe Jakobs-Welt.

Zur Hauptsaison sind am Abend die Unterkünfte rar in St-Jean.
Zur Hauptsaison sind am Abend die Unterkünfte rar in St-Jean.

Eigentlich, ja, eigentlich wollte ich die erste Nacht noch in St. Jean Pied de Port nächtigen, aber selbst Maria und Josef hatten bei ihrer Herbergssuche mehr Glück, denn die fanden wenigstens einen Stall. „Sorry“, „complet“, „no no“. Nun denn, auf zur Pizzeria.
Mir wurde ein Sitzplatz am äußersten Rand im Gastgarten zugewiesen – ich fragte mich warum, denn eigentlich hatte ich erst am Morgen noch im Sitzen geduscht, mein Körpergeruch konnte es wohl nicht sein. Jedenfalls passte mein „Äußeres“ dann doch nicht so wirklich in das Beuteschema der Pizzeria, aber die Pizza war gut.

Über den Fluss La Nive de Béhérobie verlässt man den Stadtkern.
Über den Fluss La Nive de Béhérobie verlässt man den Stadtkern.

So treibt es mich nun aus dem 1.400 Seelen-Ort hinaus auf den Jakobsweg, es ist nach 19 Uhr, leichter Regen hat eingesetzt. Ich stehe nun vor der Qual der Wahl – links oder rechts, eine klassische Wanderfrage. Bei schlechtem Wetter soll ich dem grünen Weg folgen. Ich blicke in den Himmel, beobachte die dunkelgrauen Wolken und folge dem roten Weg.

Nun, lieber Pilgermensch, musst du dich entscheiden (nimm den roten Weg, auch wenn das Wetter zum Fürchten ist).
Nun, lieber Pilgermensch, musst du dich entscheiden (nimm den roten Weg, auch wenn das Wetter zum Fürchten ist).

Die Pilgermenschen verweilen in der Unterkunft. Alle? Nein, nicht alle, ich lege die ersten fünf Kilometer zur kleinen Siedlung Huntto zurück und erreiche noch vor der Dunkelheit die modernisierte Pilgerherberge.

Nahe der Siedlung Huntto - Sommerwetter lässt auf sich warten.
Nahe der Siedlung Huntto – Sommerwetter lässt auf sich warten.

Mit Hand und Fuß beschreibe ich der Herbergsmutter meine Wünsche: essen, duschen, schlafen. Sie kapiert und stellt mir gebratene Beine (laut ihrer pantomimischen Darstellung ein Hase) und einen Humpen Rotwein vor die Nase. Die erste Nacht am Jakobsweg steht mir gut behütet bevor.

Informationen zur Anreise von Österreich

  • Anfahrt von Wels mit dem Abendzug nach München, per Nachtzug direkt nach Paris (mit Vorteilscard ca. 90 €, Juli 2010)
  • Zwei Tage später am späten Vormittag mit dem TGV von Paris nach Bayonne (ca. 85 €) und von dort mit einem Regionalzug nach St. Jean Pied de Port (ca. 9 €).
  • Die Zugtickets und Reservierungen konnte ich von Wels bis Bayonne in Österreich bei einem ÖBB-Schalter tätigen. Das Ticket für den Regionalzug nach St. Jean bekam ich direkt in Bayonne bei einem Schalter.
  • Zuginformationen und Fahrpläne (auch für Frankreich) unter www.oebb.at abrufbar.

Informationen für die Anreise aus Deutschland

Nützliche Informationen sind auf der Seite magic-camino.de zusammengestellt.

Nach der Ankunft in St. Jean Pied de Port

Wer erst am Abend in St. Jean ankommt, hat sich entweder schon ein Zimmer reservieren lassen oder macht sich auf die verzweifelte Suche nach einem Zimmer oder einem Bett. Die günstigen Herbergen sind zur Hauptsaison im Sommer am Abend schon voll, bleibt nur das Ausweichen auf teurere Hotels oder man geht die ersten 5km auf dem Jakobsweg zu den Häusern von Huntto.
Bei der dortigen Herberge sind oft noch viele Plätze frei und man bekommt spätabends noch ein Abendessen. Oder man hat ein Zelt dabei.

Wie der Tag über die Pyrenäen ablief, kannst du hier nachlesen.

St-Jean-Pied-de-Port - Huntto, Kartendaten von www.geoportail.gouv.fr/accueil
St-Jean-Pied-de-Port – Huntto, Kartendaten von www.geoportail.gouv.fr/accueil

Allgemeine Informationen zu Karten, Büchern etc. finden sich in der Startseite meiner Berichte des Spanischen Jakobsweges.

4 Gedanken zu „Anreise nach St-Jean-Pied-de-Port und erste Kilometer am Jakobsweg

  1. Hallo Martin, habe gerade deine toll geschriebene seite entdeckt. Scheinst einen tollen humor zu haben, jedoch schade das du nicht mehr persönliche berichte zum camino hast Würden mich ja schon interessieren, da ich mich im Mai 2016 auf den weg mach und einfach mal voraus plane um nicht wie immer so planlos starte. Gruß Nadine

    1. Hallo Nadine! Freut mich, dass dir die Berichte gefallen. Auch wenn es noch nicht so viele sind. 🙂 Es sind einige in der Warteschleife und werden (hoffentlich) bald den Weg ins Netz finden. 🙂
      Liebe Grüße, Martin

    2. Liebe Martin, danke für den tollen Bericht. (-:
      Weißt du zufällig wo od. wie man Leute aus Oberösterreich findet mit denen man sich zusammentun kann und die auch gern den Jakobsweg gehen würden. Gibt es da eventuell eine Gruppe wo man sich anschließen kann? Gruß, Susanne

      1. Hey Susanne.
        Danke für dein Kommentar. Puh, im „realen“ Leben kenne ich diesbezüglich keine Gruppe, nur auf Facebook sind mir einige Gruppen bekannt. Wenn das für dich also auch nützlich wäre, kann ich dir gerne die Infos der Facebook-Gruppen zukommen lassen.
        Liebe Grüße, Martin

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