Kamenjak 405m, Insel Rab, Kroatien

Unter einem Sonnenschirm liegen, die Meereswellen kitzeln in rhytmischen Bewegungen die Zehen an den Füßen, das zweite Buch neigt sich lesetechnisch dem Ende zu. Nach zwei Tagen faul herumliegen und spätabends den Sand aus den Haaren waschen, jucken die Füße in anderer Art und Weise. Mir fehlt die Geherei. Daher zieht es mich auf den höchsten Punkt der Insel Rab – den Kamenjak mit knapp über 400m (Literatur spricht von 403m bis 408m). Ich möchte mich gleich bei meinen gut gefüllten Wasserflaschen und meinem Strohhut bedanken.

Kurzinformationen zur Kamenjak-Tour

vom Hafen Rab auf den Kamenjak: 1,5 Stunden
vom Kamenjak nach Lopar: 3-4 Stunden
benutzte Karte: Smand Nr. 20a Otok Rab, 1:25.000
weitere Karte: HGSS Otok Rab 1:25.000
Wanderführer: Im Rother Wanderführer Dalmatien ist die Wandertour auf den Kamenjak beschrieben.
Anreise: Hinfahrt mit dem Auto in die Stadt Rab, da Urlaubsziel auf der Insel.

Übersichtskarte

volle Distanz: 16.32 km
Gesamtanstieg: 675 m
Gesamtabstieg: -668 m

Anreise und die Aufstiegsmeter

Dieser Punkt war von unserer Unterkunft etwas weit entfernt, da traf es sich, dass Besorgungen in der Stadt Rab auf der Tagesordnung standen. Vom Hafen in Rab starte ich am Vormittag allein die Wanderung bei “gemütlichen” 30°C oder noch mehr, die anderen MiturlauberInnen ziehen den Strand vor.

Am Hafen in Rab startet die sonnige Tour.

Vom Hafen ausgehend überquere ich einen Kreisverkehr und durchschreite eine belebte Fußgängerzone. Am Ende dieser soll ich laut Karte rechts abbiegen und siehe da, eine Wanderwegmarkierung in rot-weiß-rot zeigt mir tatsächlich den Weg.

Eine Wanderweg-Markierung…hach.

Nun geht es ein kleines Stück an einer schmalen Asphaltstraße bergauf und kurz darauf auf einen Waldsteig. Oben angekommen vorbei an halbfertigen Appartementhäusern und nach wenigen Meter an der Hauptstraße erblicke ich den ersten und einzigen Pfeil mit der Aufschrift „Kamenjak“. Begleitet von der außerordentlich guten Markierung geht es auf der Asphaltstraße stets leicht bergauf. An einer kleinen Ansiedelung von mehreren Häusern weist mich eine Markierung weg von der Straße zwischen zwei Häusern hindurch in Richtung einer bewaldeten Felswand.

Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt.

Von hier führt ein gut angelegter Steig stetig bergauf, einige Schafgatter und Aussichtsfotos später erblicke ich oberhalb der “Baumgrenze” die Sendemasten der Anlage auf dem Kamenjak.

Blick zurück auf die Stadt Rab.
Der höchste Punkt der Insel Rab – Kamenjak (ca. 405m).

Vorbei an Steinmauern kommen mir Touristen entgegen, diese haben aber die einfachere Aufstiegsvariante auf der Straße mit dem vierrädrigen Untersatz gewählt. Etwas unspektakulär wirkt der höchste Punkt der Insel Rab, umzingelt von Sendemasten markiert eine kleine Steinpyramide den Kamenjak. Nach 4km Wegstrecke stehe ich nun hier oben, kurz vor der Mittagshitze gönne ich mir den notwendigen Schluck des mittlerweile lauwarmen Wassers. Auf der Karte ist ein markierter Weg nach Westen eingetragen, auf diesem soll ich, wenn’s wahr ist, nach Lopar und zu “unserer” Bucht kommen.

Viele Steinmänner zeigen mir in etwa den Weg.

Die wahre (Tor)Tour hatte erst begonnen

Ein Meer von Steinmännern zeigte mir nur vage den Weg, eine etwas ältere rote Markierung läutet aber den Start für die folgende zweistündige Felshüpferei auf den brütend heißen Kalkfelsen ein. Ich kämpfe mich durch und über den kantigen Kalkstein, Wanderweg war mal, Markierungen erblicke ich von Zeit zu Zeit.

Blick retour auf die ersten Meter.

Meist entlang von Steinmauern bewege ich mich auf dem schroffen Gelände, die Hände kommen vermehrt zum Einsatz, an einigen Stellen gibt’s kurze Klettereien über Steinmauern. Orientierung schaffe ich mir über die in der Karte eingezeichneten Steinmauern, dort wo sie großteils enden, dort biege auch ich ab – meistens. Nach zwei Stunden, und nur 4km, verlasse ich den heißen Kalkstein, muss mittlerweile mit meinen Wasservorräten etwas sorgsam umgehen und stehe nun vor der nächsten Herausforderung: die Wegfindung des eingetragenen Fußweges. Ein Steinplateau stellt sich mir in den Weg, mit Kompass und Karte finde ich den angelegten Fußweg. Von nun an geht es etwas zügiger voran.

Wegfindung im abwechslungsreicheren Gelände.

Fast geschafft

Ohne eine Menschenseele zu treffen wandere ich nach Nordwesten, vorbei an einigen Schafen, Steinmauern und Weinfeldern. Bei einer Abzweigung bleibe ich kurz stehen und versuche meinen Standort mithilfe der Karte zu bestimmen und bin überrascht. Nur zwei Kilometer fehlen mir noch zum Campingplatz San Marino – dort fülle ich meinen Wasservorrat wieder auf.

An den seltenen Schattenplätzen geht man nicht einfach vorbei – nein, das tut man nicht. Nicht heute. 🙂
Panoramaweg

An einem wunderschönen Küstenweg (mit einigen Infostationen zum Thema Geologie und Fossilien) in der Nachmittagssonne entlang schreitend, vernehme ich die ersten grausigen Radioklänge aus der Camping-Anlage. Durch ein kleines “Hintertürl” erreiche ich das Areal, durchquere es auf der Hauptstraße und verlasse dieses sogleich wieder. Wenige Meter später biege ich links auf eine größere Straße ab, welche nach Lopar führt.

Vergnüglicher Wassersport
Der Heilige Marin empfängt mich in Lopar.

Schon etwas rötlich gezeichnet von der Sonne erreiche ich den Ort, weitere 500m später genieße ich meinen wohlverdienten Sprung ins erfrischende Meer. Nach insgesamt wenigen 16km, geringen 480Hm, aber mehr als 4 Litern getrunkenem Wasser bei annähernd 40°C habe ich mir einen Faulenz-Abend redlich verdient.

Die heiße Erkenntnis

Wunderschöner Aufstiegsweg auf den Kamenjak. Der weitere Weg nach Lopar erfordert etwas Orientierungsvermögen und Kartenlesefähigkeiten, sowie Trittsicherheit; bei der Felshüpferei und den teilweise lockeren Steinen kann man leicht umknicken. Der Fußweg nach San Marino durch Weingegenden und später entlang der Küste rechtfertigt für die anstrengende Felshüpferei. Bis nach Lopar gibt es nur einen Weg entlang der Asphaltstraße. Bin froh, diese Tour gemacht zu haben, aber ich empfehle die Tour an einem bewölkten Tag oder bei anderer Jahreszeit anzugehen – damit man nicht als Hitzkopf endet.

Sollten Fragen, Anmerkungen, Hinweise oder Ergänzungen auf der Zunge brennen, nutze doch einfach die Kommentarfunktion unter diesem halbwichtigen Satz.

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