Nordalpenweg 01 – Interview mit Stephan Pillwein

Vor einigen Tagen bin ich auf ein spannendes Weitwanderprojekt aufmerksam geworden. Stephan Pillwein hat sich für diesen Sommer den Nordalpenweg 01 vorgenommen. In zwei langen Etappen will er von Perchtoldsdorf bei Wien nach Bregenz am Bodensee wandern. Es geht hier nicht nur um ihn, sondern er wandert für einen guten Zweck. Ich durfte Stephan ein paar Fragen zu diesem Projekt stellen und er hat mir dankenswerterweise die Antworten dazu geliefert. Im Anschluss dazu findet ihr eine kurze Bilderreihe zum Nordalpenweg.

gehlebt: Du wirst am 29. Mai 2015 mit der Begehung des Nordalpenweges in Perchtoldsdorf starten und in zwei langen Etappen von Ost nach West durch Österreich wandern. Was überwiegt: Vorfreude oder Nervosität?
Stephan: Es ist vor allem die Vorfreude. Man hat das Kartenmaterial zuhause herumliegen, neues Equipment, bekommt Zuspruch von Freunden, da kann man es kaum erwarten, dass es losgeht. Aber auch Nervosität ist ab und an vorherrschend, vor allem, da es bei den letzten Testwanderungen da und dort noch zwickte.
gehebt: Ist der Nordalpenweg deine erste lange Wandertour?
Stephan: Ja, der 01er ist meine erste Weitwandertour.
gehlebt: Wie bist du eigentlich auf diese Idee gekommen?
Stephan: Über einen Ferialjob (Aktion Saubere Alpen – Alpenschutzverband) habe ich Matthias kennengelernt, der mir erzählte, er sei den Jakobsweg in Österreich gegangen und habe Spenden gesammelt. Das hat mich schon mal inspiriert. Ein Jahr darauf, wieder während der Aktion Saubere Alpen, nächtigte eine Gruppe von schwerstbehinderten Menschen samt PflegerInnen in der selben Herberge wie wir. Immer wieder kamen wir ins Gespräch, u.a. auch über die fehlende Unterstützung für Personen mit einem derartig hohen Behinderungsgrad. Dann zählte ich eins und eins zusammen und die Idee war geboren: Einmal quer durch Österreich marschieren und für einen guten Zweck Geld sammeln.
gehlebt: Was ist das Besondere an dieser Wanderung?
Stephan: Wie bereits erwähnt möchte ich mit Hilfe der Wanderung etwas Gutes tun. Ich habe gesehen mit welchem Herzblut die Betreuer mit ihren Schützlingen umgegangen sind, solche Leute bewundere ich. Da ich zu diesen Leuten und ihrer Arbeit einen gewissen Einblick, aber wohl nur erahnen konnte, wird der komplette Spendentopf an diesen Verein gespendet.
gehlebt: Wie wird das Spendengeld gesammelt?
Stephan: Es ist so, dass ich die vom Österreichischen Alpenverein vorgeschlagenen Tagesetappen wandere. Jede Etappe kann zum Preis der Kilometerlänge erstanden werden. Zum Beispiel: Tagesetappe 13, von Radmer an der Stube bis Heß-Hütte sind 20 km, ergibt 20 Euro. Will jemand spenden, kann aber nicht so viel geben, der hat auch die Möglichkeit eine freie Spende zu geben, wobei hier minimum 5 Euro zu veranschlagen sind. Die Etappenspenden werden nach Ende der Wanderung eingehoben, die freien Spenden müssten sofort überwiesen werden, da diese sich nicht an ein bestimmtes Ziel richten.
gehlebt: Hast du dich in irgendeiner Form speziell auf diese Weitwandertour vorbereitet?
Stephan: Ja, aber leider nicht in dem Ausmaß wie ich es mir erwünschte. Es sind drei Wanderungen geworden. Da wäre noch etwas mehr drin gewesen. Außerdem hab ich mit dem Rauchen aufgehört.
gehlebt: Die Etappen sind wegen dem „Etappenverkauf“ schon fixiert, du lässt dabei auch keinen Platz für einen Ruhetag oder mögliche Schlechtwettertage. Willst du dich hier stur an den Plan halten oder sollte es auch mal flexibler möglich sein?
Stephan: Eine Frage, die mir in den letzten Tagen, vor allem weil meine Freundin dieses Thema auch angesprochen hat, immer wieder durch den Kopf geht. Grundsätzlich ist ja Bregenz das Ziel. Deshalb nehme ich mir auch die Freiheit heraus, dass, sollte das Wetter mal dazwischen kommen, ich mich nicht streng an die Tagesetappen halte, sondern zur Not auch mal zwischendrin auf einer Hütte bleibe. Der Verlauf des 01ers wird aber nicht geändert. Nach den letzten Wanderungen, vor allem die auf den Schneeberg und wieder runter, wurde mir durchaus bewusst, dass so ein Ruhetag wohl kein Fehler sein kann. Wird einer benötigt, dann nehme ich mir auch hier die Freiheit heraus, diesen einzulegen.
gehlebt: Kann man deiner Tour in Realität und/oder virtuell folgen?
Stephan: Virtuell geht das ganze relativ easy, in Zeiten von Social Media, Smartphone und so weiter, können mir Interessierte via Facebook folgen (Wien2Bregenz) und über meinen Blog (https://wien2bregenz.wordpress.com/). Und in Realität ist es so, dass mir Wanderbegeisterte gerne mit Schritt und Tritt folgen können, also mitwandern. Die Touren verlangen aber gute Planung, da ein- und aussteigen ab und zu etwas mühsam ist.
gehlebt: Hast du dir spezielle Erfahrungsberichte zum Nordalpenweg durchgelesen oder hast du dich mit BegeherInnen unterhalten?
Stephan: Den ersten Schritt man mein Studienkollege gemacht, indem er mir den Wanderführer Österreichischer Wanderweg 01 (Nordalpenweg 01) der Sektion Weitwanderer des Österreichischen Alpenvereins zum Geburtstag geschenkt hat. Irgendwann bin ich dann noch auf den Wanderbericht von Axel Halbhuber (Ich geh dann mal heim) gekommen und hab ihn mir durchgelesen. Sehr informativ sind auch die Tourenbeschreibungen auf www.gipfeltreffen.at wo mir besonders Sebastian Beiglböck mit Rat zur Seite steht. Derzeit lese ich noch Über die Alpen von Martin Prinz, der die Via Alpina von Triest nach Monaco gegangen ist.
gehlebt: Mit was bist du beschäftigt, wenn du gerade nicht für den Nordalpenweg planst und bald darauf unterwegs bist?
Stephan: Ich studiere Raumplanung an der TU Wien und bin gerade dabei ein Thema für meine Masterarbeit zu finden. Ansonsten versuche ich viel Zeit an der frischen Luft und mit Freunden zu verbringen.
gehlebt: Hast du den Menschen vor den Displays und Monitoren noch etwas mitzuteilen?
Stephan: Also wenn hier jemand aus Eisenerz und Radmer mitliest, ich könnte noch eine Unterkunft benötigen. Billig reicht.
Ich würde mich freuen, wenn sich alle Touren ein zweites Mal verkaufen und, dass auch noch zahlreiche freie Spenden bei mir eintrudeln!
Stephan Pillwein (c)https://wien2bregenz.wordpress.com/uber-mich-2/
Stephan Pillwein (c)https://wien2bregenz.wordpress.com/uber-mich-2/
Ich bedanke mich bei Stephan für die Beantwortung meiner Fragen, wünsche ihm alles Gute auf seinem Weg und dass möglichst viele Spenden für den Verein eintreffen!
Im Namen von gehlebt.at habe ich Tag 4, über den Schneeberg, „gekauft“. Wenn auch du gerne mitspenden willst, findest du im Blog von Stephan Pillwein alle Etappen und Kilometerzahlen aufgelistet.
Es geht los. Perchtoldsdorf ist neben Rust am Neusiedlersee ein Startort des Nordalpenweges.
Es geht los. Perchtoldsdorf ist neben Rust am Neusiedlersee ein Startort des Nordalpenweges.
Das Klosterwappen und somit der höchste Berg von Niederösterreich ist nicht mehr weit entfernt.
Das Klosterwappen und somit der höchste Berg von Niederösterreich ist nicht mehr weit entfernt.
Immer wieder trifft man am Nordalpenweg auf andere Weitwanderwege. So wie hier bei Hinterstoder auf den Kalkalpenweg.
Immer wieder trifft man am Nordalpenweg auf andere Weitwanderwege. So wie hier bei Hinterstoder auf den Kalkalpenweg.
Ein bisschen Hallstätter-See muss sein am Weg zur alpinen Variante am Dachstein.
Ein bisschen Hallstätter-See muss sein am Weg zur alpinen Variante am Dachstein.
Außer herum führt die etwas gemütlichere Variante am Gosaukamm vorbei, hier bei der Stuhlalm.
Außen herum führt die etwas gemütlichere Variante am Gosaukamm vorbei, hier bei der Stuhlalm.
Die alpine Variante des Nordalpenweges an der Zugspitze bietet mit dem Stopselzieher einen A/B Klettersteig.
Die alpine Variante des Nordalpenweges an der Zugspitze bietet mit dem Stopselzieher einen A/B Klettersteig.
Das Ziel bald vor Augen, blicken wir auch das Freschenhaus am Hohen Freschen in Vorarlberg zurück.
Das Ziel bald vor Augen, blicken wir auf das Freschenhaus am Hohen Freschen in Vorarlberg zurück.
Die Verlinkungen im Interview habe ich als weiterführende Information hinzugefügt. Die Fotos stammen, außer das Portrait, vom Nordalpenweg und wurden von mir selbst erlebt und geschossen.

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