Vom Gletscher zum Wein – Ehrenhausen nach Ratsch

„I’m a Barbie Girl, in a Barbie Woooorld“, hallt es aus dem Bahnhofsbeisl von Ehrenhausen. Die Stimmung an diesem Samstag kurz vor Mittag im weingetränkten Stüberl erreicht ihren Höhepunkt. Auf der halben Sonnenterrasse wartet ein ausgelutschtes Bierglas auf seine Rettung, während im Hintergrund die Eier präsentiert werden. Ach ja, Osterferien haben begonnen. Daher wohl schon die österliche Feierstimmung.
Doch auch wir haben was zu feiern. Nämlich eine dreitägige Wandertour durch die Südsteiermark von Ehrenhausen nach Leibnitz. Auch wenn die Orts- und Stadtzentren nur eine 7,5 Kilometer lange Luftlinie voneinander trennt, drei Tage kann man auch für diese Distanz benötigen. Zu erwähnen wäre wohl, dass wir einen kleinen Umweg nach Leibnitz, nicht die Stadt der Kekse, genommen haben. So wurde es eine 58 Kilometer lange Wandertour zwischen steilen Weinbergen, gemütlichen Güterwegen, selten anzusehenden Hopfenfeldern und wildromantischen Waldgräben. Kulinarische Leckerbissen gab es neben der Natur sowieso en masse.

Tag 1: Von Ehrenhausen nach Ratsch an der Weinstraße

17,1 Kilometer – 740 Höhenmeter – weitere Informationen am Ende des Berichtes

Das sommerliche Schönwetterfenster perfekt ausgenutzt – davor Aprilwetter, danach Aprilwetter – starten wir am Bahnhof Ehrenhausen südlich von Graz unsere Drei-Tages-Tour. Wir werden die meiste Zeit auf der Südroute des neu geschaffenen Vom Gletscher zum Wein-Weitwanderweg unterwegs sein. Von Ehrenhausen nach Leutschach in der Gegenrichtung, von Leutschach nach Leibnitz auf einer Variante des Weges. Zwischendurch wandern wir auch immer wieder mal am Südalpenweg 03 und am Südsteirischen Höhenweg 560 entlang.

Idylle am Bahnhof Ehrenhausen.
Ostern steht vor der Tür.
„Kasweiß“ in Ehrenhausen. Soll sich in den nächsten Tagen ändern.

Das imposante Bauwerk in Ehrenhausen lassen wir hinter uns – das Schloss auf der Anhöhe ist gemeint – und durchqueren den Ortskern. Wir erblicken den ersten Wegweiser zum Südalpenweg, nach Leutschach wären’s nur knapp fünf Stunden. Jedoch wird uns der Weg erst morgen dorthin führen. Vorbei am Emma Brunnen in Ehrenhausen, Tante ist keine zu sehen, verlassen wir schon wieder die Ortschaft an der Mur.

Was hier als Kulturdenkmal geschützt wäre, erschließt sich mir nicht ganz.

Dann nahezu überraschend, jedenfalls sehr unaufdringlich, erblicken wir den ersten Sticker der Wanderroute Vom Gletscher zum Wein. Während der Südalpenweg 03 und auch ein Sticker zum Jakobsweg an der Straße entlang führen, verlassen wir diese links auf einem regionalen Wanderweg mit Blickrichtung Langenlois. Noch nicht so lange her, dass das bekannte Loisium aus dem Kamptal auch hier in der Südsteiermark einen Standort errichtete. In Anlehnung zu Ehrenhausen hätte man es vielleicht Hausium nennen können, wobei dann vielleicht eher Gebäudekomplexium.

Haftet sich an, der Gletscher zum Wein.
Wer einen Klapotetz sieht, befindet sich in der Südsteiermark.

Sollte man aus irgendwelchen Gründen auch immer an einem unbekannten Ort aufwachen, nichtwissend wo man sei, und man erblickt das hölzerne Windrad alias Klapotetz, dann kann man sich wenigstens sicher sein, dass man sich in der Südsteiermark befindet. Wer nicht weiß, was ein Klapotetz ist oder was seine Funktion sein soll, wird an einem Infoschild aufgeklärt: „Der Klapotetz ist das Erkennungszeichen der Südsteiermark.“ Aha.
Ein Klapotetz ist eigentlich nichts anderes als eine Vogelscheuche. Das Klappern der hölzernen Wellen und Schlagstangen soll die Vögel von den Weingärten fernhalten. Das könnte man zum Beispiel auch noch auf das Infoschild schreiben.

Reißende Bachquerung.

Mit dem Rücken zu Schloss Ehrenhausen machen wir uns auf die Suche nach dem richtigen Weg, das ist nämlich gar nicht so einfach. Denn was die Wanderroute vom Gletscher zum Wein in dieser Gegend besonders auszeichnet, sind die schwachen und seltenen Markierungen. Die Wanderroute nutzt das bestehende Wanderwegenetz regionaler Routen und von Weitwanderwegen und wenn diese eben nicht ausreichend markiert sind, hinkt der Gletscher-Wein-Weg auch ein wenig hinterher.
Mit der topographischen Karte finden wir uns aber zurecht. Freude kommt auf, als wir einen Sticker erblicken und dieser bestätigt uns dann doch wieder, dass wir nicht so falsch herumwandern.

Kitsch und Kitsch gesellt sich gern.

Schattige Waldwege und sonnige Güterwege wechseln sich ab, auch geht’s ständig leicht bergauf und bergab, ohne jetzt fordernd zu sein. Kurzzeitig treffen wir auch wieder auf den Südalpenweg, mit Blickrichtung Spielfeld.

Wir sind in der Vorsaison unterwegs. Das merkt man. Viel ist nicht los, hier in der Südsteiermark. Ein paar Traktoren tuckern herum, vereinzelte SpaziergängerInnen haben sich am Samstag in die Außenwelt verirrt. Im 10-Minuten-Takt kommt von irgendwo ein Auto mit Leibnitzer Kennzeichen angebraust, das war’s. Für Bienen hat jedoch die Saison schon so richtig begonnen.
Über Güter- und Waldwege steigen wir bergan nach Graßnitzberg. Ein verschlafenes Nest, schon nahe an der Staatsgrenze zu Slowenien gelegen. In der Ferne erblicken wir die Aussichtswarte am Platschberg, welche wenige Meter auf slowenischer Seite liegt. Die Wanderroute geht direkt dort daran vorbei. Mal sehen, ob von dem medial breit getretenen und total überflüssigen Grenzzaun noch irgendwas ersichtlich ist.

Genauso fleißig wie wir unterwegs.

In der Südsteiermark geht’s rauf und runter, das haben wir schon bemerkt. Von Graßnitzberg geht’s nämlich ebenso wieder runter ins Tal, ehe wir auf der Gegenseite wieder aufsteigen. Am Weg abwärts kommen wir an einer im Vorfeld betrachteten Unterkunft vorbei. Ein Doppelzimmer wäre hier noch frei gewesen, doch die Wegstrecke bis hierher war uns zu kurz. Schade, denn das lauschige und vor allem äußerst günstige Schlafzimmer hätte uns sicher eine gemütliche Nacht beschert. Vielleicht kommen wir ja ein anderes Mal wieder.

Freies Doppelzimmer in Graßnitzberg.
Am Abstieg von Graßnitzberg ins Tal.
Stille Örtchen bei Obegg.
Ein Paradebild für die Südsteiermark. Nur ein Klapotetz fehlt.

Der Himmel sieht zwar so aus, als ob er bald brummen würde, doch bislang knurren nur die Mägen und der Durst nach etwas Fruchtigem lässt sich auch nicht mehr verneinen. Wie praktisch, dass der Buschenschank (ja, der Buschenschank) Polz geöffnet hat und gleichzeitig auf der Sonnenterrasse viele Plätze frei sind. Wir lassen uns Apfel- und Zitronenmelissensaft kredenzen. Als das Wort Buchtel fällt, lassen wir uns vom Kellner auch nicht lange dazu überreden.

Vom Gletscher zum Wein – oder von der Buchtel zum Saft.
Sonne, Wolken, Wein.

Es fehlt von der Buschenschank Polz nicht mehr viel zum Platschberg. Theoretisch. Am Rande eines Gehöftes erblicken wir den vor einigen Jahren errichteten Grenzzaun, welcher sich direkt an der Grenze entlang aufbaut. Er durchschneidet den Wanderweg. Gut zu sehen am Bild unterhalb, die Markierung auf der einen, der Weg auf der anderen Seite des Zaunes. Kurz davor befindet sich ein Polizeidurchlass, ein Schild sagt aber, dass der Durchgang sinngemäß ohne Erlaubnis nicht erlaubt ist.

Als Zaungast am Platschberg.
So nah und doch so fern.

Wir gehen am Zaun entlang, was sich als Fehler entpuppt. Hätten wir einfach auf die polizeiliche Anordnung gepfiffen, müssten wir jetzt nicht dem Trampelpfad neben dem Zaun folgen und schmerzhaft beobachten, wie wir uns der Warte nähern und davon wieder entfernen. Schon mit der Tatsache abgefunden, dass die Warte warten muss, erblicken wir einige Menschen die schon etwas weiter weg von der Warte durch ein Tor gegangen sind. Das Tor ist offen. Nun, jetzt geht’s nach dem Umweg direkt an der Grenze entlang doch wieder retour zur Warte am Platschberg.
Auf der Warte ganz oben treffen wir einen Mann mit großem Rucksack. Er soll der einzige Weitwandersmensch in den drei Wandertagen sein.

Ausblick von der Platschbergwarte.
Damit ihr wisst, ob sich für nicht schwindelfreie Menschen der Aufstieg zur Warte lohnt.

Mal abgesehen davon, dass ich die Sinnhaftigkeit dieser Grenzzäune generell anzweifle, frage ich mich, warum dieser Zaun noch immer hier an der Grenze steht. Denn keine 500 Meter westwärts stoßen wir wieder an die Grenze zu Slowenien und wandern einige Zeit an dieser entlang. Sogar auf der Straße ist sie eingezeichnet und wir können frei zwischen Slowenien und Österreich herumhüpfen. Ein Hoch auf den sinnvollen Grenzzaun!

Grenzwandern easy gemacht.
Weil’s wurscht is‘.
Blass ist er, der Steirische Landesrundweg.

Langsam aber doch kommen wir unserem heutigen Etappenziel nahe. Wir sind schon gespannt, wieviel Klatsch und Trasch uns in Ratsch erwartet, oder ob das alles nur Palawatsch ist.

Die Wolkendecke fördert Sonnenbrand.
Nektarinen am Abstieg nach Ratsch an der Weinstraße.

Um zu unserer vorreservierten Unterkunft beim Weingut Uhl zu gelangen, müssen wir nach Ratsch bergab wandern und durchqueren die kleine Ortschaft an der Weinstraße. Wir werden von Franz Uhl gleich mal standesgemäß mit einem Achterl Rosé aus dem eigenen Weingarten begrüßt. Den Abend lassen wir im neu gebauten Weingut auf der Sonnenterrasse und in den Innenräumen bei Wein und Jause genussvoll ausklingen. Das Angebot des Kühlschrankes, kalten Wein mit aufs Zimmer zu nehmen, lassen wir jedoch ungenutzt.

Angekommen beim Weingut Uhl.
Sonne und Wein, das muss sein.
Klapotetz – das Wahrzeichen der Südsteiermark.

> Weiter geht’s am nächsten Tag von Ratsch über Leutschach nach Leibnitz!

Informationen zum Weg, Einkehr und Unterkunft

Fazit: Einfache und gemütliche Etappe mit schönen Ausblicken von Ehrenhausen nach Ratsch, mit einigen Einkehrmöglichkeiten und Rastplätzen. Der Zaunabschnitt am Platschberg hat die Stimmung etwas getrübt.
Der Asphaltanteil ist überraschend gering, erst zum Ende bei Ratsch wird man die Straße kaum mehr verlassen. Beschilderungen und Hinweise zur Wanderroute „Gletscher zum Wein“ sind dünn gesät, es empfiehlt sich auf alle Fälle eine passende Wanderkarte mitzunehmen oder die Route als gpx-Track dabei zu haben. Wir haben die Route in der topographischen Karte des BEV eingezeichnet, gutes Orientierungsvermögen war dennoch notwendig.
Länge: 17,1 Kilometer
Höhenmeter: 740 Hm
Dauer: ca. 5 3/4 Stunden (mit Pausen und Einkehr)
Eingekehrt in: Buschenschank Polz, Graßnitzberg 54, 8471 Spielfeld
Genächtigt in: Weingut Uhl, Ratsch 141, 8461 Ehrenhausen; Preis für eine Nacht/Person inkl. Frühstück: € 54,00 (Zuschlag für nur eine Nächtigung: € 5,00)
Wanderkarte: freytag & berndt WK 411, BEV ÖK50 4111

Übersichtskarte

volle Distanz: 17.14 km
Gesamtanstieg: 738 m
Gesamtabstieg: -637 m

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