Hoamatroas: Wie entsteht eigentlich so eine Wanderroute?

Da die Wanderroute der Hoamatroas nicht auf einen Landesrundwanderweg zurückzuführen ist, weil es sowas für Oberösterreich nicht gibt (bislang…stay tuned), habe ich mir einen Weg selbst zusammengeschustert. Hier erfährst du nun, wie ich dabei vorgegangen bin und mit welchen Hilfsmitteln ich die Route zusammengestückelt habe.

Werbehinweis: Die nachfolgend erwähnten Wanderkarten wurden mir vom Verlag freytag & berndt kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen herzlichen Dank!

1. Das Gebiet eingrenzen

Ich kann euch verraten: Das war gar nicht so schwer. Da ich Oberösterreich zu Fuß umrunden will, war für mich ganz klar, dass ich das zu wandernde Gebiet auf…tja, was begrenzen werde? Richtig: Oberösterreich. Wenn doch alles nur so einfach wär. Der erste Schritt war also schon getan. ;-)

Ach ja, es war außerdem eine ziemlich schlaflose Nacht, in welcher mir der Gedanke zu dieser Wandertour einschoß. Im Kopf wanderte ich zwischen 0 und 4 Uhr früh mehrere Male durch Oberösterreich.

Schritt 1 geschafft! Puh!

2. Start, Ziel und Zwischenstationen

Relativ schnell hatte ich einen Startpunkt im Kopf. Da mir der Titel „Hoamatroas“ für dieses Unterfangen einfiel, war für mich ebenso klar, die Tour bei meinem Elternhaus an der Gemeindegrenze von Sipbachzell und Kremsmünster im Zentralraum zu starten. Über das Ziel musste ich mir auch keine Gedanken machen. Ist ja ein Rundweg.

Einer von mehreren Heimatteichen, an welchen ich viele ruhige Stunden verbracht habe.

In meiner kopflastigen Planungsphase hatten sich einige Zwischenstationen einzementiert, die ich unbedingt erreichen möchte. Entweder weil ich an diesen Orten die liebe Verwandtschaft besuche oder aus gänzlich anderen Gründen. Wie z.B. die Bucklwehluckn in St. Thomas am Blasenstein. Als 8-jähriger Bub konnte ich mich breit machen und konnte dennoch durch den Spalt im Granitblock durchwandern. Mal sehen, ob ich mich als 30-jähriger nicht-mehr-Bub etwas mehr quälen muss.

Weitere Orte, die eher was mit Familie zu tun haben, sind z.B. Steyr, St. Florian und Kopfing im Innkreis. Auch gibt es zusätzlich noch weitere Gründe, z.B. will ich durch Fucking wandern (einfach so), im Innviertler Diesseits und Jenseits landen, möchte am Dachstein stehen, ein Bier in Aigen-Schlägl trinken, im Nationalpark Kalkalpen biwakieren, meinen kaputten Feitl in Trattenbach umtauschen und an meinem Geburtstag die Therme Geinberg unsicher machen.

Mit dem Auto war ich 2014 schon in Fucking. Nun steht ein Besuch per pedes an.

3. Die grobe Wanderroute

Jaja, die grobe Route sagt genau das aus was sie ist. Mithilfe der Zwischenstationen versuchte ich im Routenplaner von outdooractive.com eine längere Fußroute anzulegen (die Betonung liegt auf „versuchte“). Anscheinend gab es genau zu meiner Routenplanungszeit im Jänner ein technisches Problem, die jeglichen Versuch, eine längere Route anzulegen, mit einem Aufhängeprozess der Plattform bestrafte. Und ja, das Problem hatte nicht nur ich. Mittlerweile funktioniert auf dem Portal anscheinend wieder alles wie es sollte. Tja, jetzt habe ich nur schon meine Route fixiert.

Wenn das Digitale nicht spurt, muss also das Analoge dran glauben. Und zwar in Form einer 1:200.000 Auto + Freizeitkarte Oberösterreich aus dem Verlagshause freytag & berndt. In diesem Kartenwerk suchte ich mir Ortschaften raus, besondere Sehenswürdigkeiten, Berghütten und besonders praktisch sind in dieser Karte auch einige eingezeichnete Weitwanderwege (Donausteig, Nordwaldkammweg, Österreichische Weitwanderwege 01, 04, 05, 06, 09, 10).
Ich habe mir absichtlich nicht die Karte im Maßstab 1:150.000 genommen, da Oberösterreich in dieser Variante zweigeteilt gewesen wäre (vorne und hinten bedruckt).

Hier bin ich gerade unterwegs im Mühlviertel.

Gedanklich spielte ich mit einem Start Anfang Mai. Daher erschien es für mich sinnvoll nicht gleich in den Süden zu den großen Bergen aufzubrechen, sondern vorher mal dem geschmeidigen Mühlviertel einen Besuch abzustatten und die Tour entgegen dem Uhrzeigersinn zu bewandern.

Außerdem wanderte ich virtuell auf der mittlerweile nicht mehr erhältlichen Austrian Map 5.0 meine Strecke ab. Die amtlichen topographischen Karten (Österreichische Karte) des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen begleiten mich eigentlich großteils bei meinen Wanderungen. Mittlerweile gibt es nur mehr wenige Flecken Österreich, die ich nicht mit den „ÖKs“ abdecken kann.

Zu guter Letzt warf ich noch einen Blick auf meine eigene digitale Übersichtskarte von Weitwanderwegen für Österreich.

4. Die feine Wanderroute

Für Häuslbauer gilt: Steht einmal der Rohbau, geht es an die Feinarbeiten. Der Schraubenzieher ersetzt den Hammer, bei mir als Wegbauer ersetzt die Wanderkarte die Autokarte. Oder eigentlich die Wanderkarten. Dankenswerterweise stellte mir der Verlag freytag & berndt insgesamt elf Wanderkarten im Maßstab 1:50.000 und die schon erwähnte Autokarte zur Verfügung. Man möge mir hier vielleicht ein gewisses Naheverhältnis zu freytag & berndt unterstellen. Und das stimmt auch, umsonst habe ich nicht einige Jahre dort gearbeitet.
Jedoch bin ich mit den Karten von freytag & berndt bei meinen Planungen immer gut gefahren, äh, gegangen. Also auch ohne Naheverhältnis würde ich mich diesen Karten annehmen.

Einmal rund um Oberösterreich ist mit den Karten von freytag & berndt machbar.

In den genannten Wanderkarten fand ich alle Informationen vor, die für meine Begehung interessant waren. Welche Wege sind markiert, wo gibt es Gaststätten, wie sind Wegbezeichnungen ausgeführt, wo sind Orientierungspunkte wie Wegkreuze, Kirchen, Gebäude etc., wo Informationsstellen und wo gibt es Quellwasserstellen.
Doch bei den Karten stellte ich gleich mal ein Problem fest: Der Zentralraum und ein Teil des Hausrucks sowie Innviertels werden nicht abgedeckt. Gebiete, welche ich eigentlich auch bewandern wollte. Und das sogar zwangsläufig.

Das Innenleben Oberösterreichs fehlt schmerzlich wie man sieht. Selbst Start und Ziel schweben im luftleeren Wanderkartenraum.

In jenen Gebieten füllte ich die Lücken mit den Wanderkarten aus dem Hause Kompass-Verlag, welche auch den sträflich vernachlässigten Zentralraum aus der Freizeitkarten-Bedeutungslosigkeit herausholen.

Außerdem setzte ich den Digitalstift an und zwar in Form der Online-Seite hiking.waymarkedtrails.org. In diesem unglaublichen Machwerk sind tausende Wanderwege auf Basis OpenStreetMap dokumentiert. Ich konnte mir hier passende Wege raussuchen und für die digitale Planung vorbereiten. Zu erwähnen ist jedoch, dass ich auch auf vielen unmarkierten Wegen unterwegs sein werde.

Klar. Ich hätte mir aus den Wanderkarten Kilometer und Höhenmeter raussuchen können. Die mögliche Route mit einem Kartenmesser abfahren und Höhenschichtlinien zählen. Äh, nein. Ein Hoch auf digitales Kartenwerk und in meinem Fall ein Dank an gpsies.com. Ich verwende diese Plattform schon seit gefühlt hundert Jahren und diese Plattform habe ich auch genutzt, um die auf Papier geplante Route ins Digitale zu bringen. Dank dem Zu-Fuß-Routenplaner war das ein Kinderspiel.

Und da war sie auf einmal fertig, meine Streckenführung der Hoamatroas.

Ach ja! Und wenn man von der groben Route ausgehend die ersten Flyer drucken lässt und DANACH erst die feine Route erstellt, muss man den Flyer gegebenenfalls etwas adaptieren.

5. Die Wanderroute während der Tour

Natürlich habe ich keine Ahnung, ob die Wege nun auch wirklich begangen werden können. Im Idealfall natürlich schon, aber gegen Wegsperren oder sonstige Hindernisse kann ich nichts machen. Außerdem will ich mich nicht auf den geplanten Weg versteifen. Mich soll nicht der Blitz treffen, wenn ich mal einen Schritt zur Seite wage.

Wenn ich unterwegs einen Hinweis bekomme, dass zehn Minuten entfernt ein tanzender Waschbär selbstgemachtes Holunder-Eis verkauft, werde ich kurzfristig meine Route ändern und dieser Sehenswürdigkeit auf die Spur gehen. Und wenn mir jemand sagt, da und dort würde ein kühles Bier und eine Pizza auf mich warten, werde ich keine Mühen scheuen, mich zur Quelle der Glückseligkeit hinzubewegen.

Zugegeben, den Abstecher nach Spanien zu Pizza und Bier lasse ich dann doch eher bleiben.

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4 Gedanken zu „Hoamatroas: Wie entsteht eigentlich so eine Wanderroute?

  1. Hi Martin!

    Ich habe heute das Interview mit dir im Radio OÖ gehört. Tolle Sache die du da vorhast. Auf der Karte konnte ich sehen, dass du auch in meine Nähe kommst. Meld dich bitte wenn du im Bezirk Perg bist, dann radl ich vielleicht ein paar KM mit.

    Lg Hans

    1. Hallo Hans!
      Das freut mich. Wo in etwa sollte ich mich melden? Eher westlich bei Mauthausen, bei Perg direkt oder dann schon bei Waldhausen? Oder einfach wenn ich in den Bezirk reinkomme? Wandere über drei Tage durch den Bezirk Perg.
      Liebe Grüße,
      Martin

  2. Hi Martin,

    ich bin schon gespannt auf deine Tour. Gut kann ich deinen Gedankenblitz zu deiner Tour nachvollziehen. Irgend sowas hat mich auch getroffen. Man sitzt, liegt und steht irgendwo und geht gedanklich irgendwelche Karten durch..hihi, ich mag das stöbern in Karten :)

    Waymarkedtrails ist wirklich toll und inspirierend, normale Karten verwende ich eigentlich gar nicht, aber der Bedarf, eine solche Reise zu planen war auch noch nicht da, noch…

    Viele Grüße
    Bert

    1. Hey Bert!
      Je mehr ich mich jetzt mit der Tour im Vorfeld beschäftige, umso mehr will ich mich schon auf den Weg machen. :-D
      Ich werde mir aus den normalen Karten noch ein eigenes Kartenwerk zusammenbasteln, irgendwas in Papierform möchte ich mittragen.
      Danke dir und liebe Grüße,
      Martin

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