Ich habe die Hoamatroas abgeschlossen und Oberösterreich erfolgreich durchwandert

Am Abend des 5. August 2018 erreichte ich gemeinsam mit Maria den Bahnhof in Bad Goisern. An diesem Ort habe ich meine am 10. Mai begonnene Wandertour durch Oberöstereich abgeschlossen und das Bundesland lückenlos durch- und umwandert. Nach 1337,9 Kilometern und 49.395 Höhenmetern ist die Hoamatroas nun Teil meiner eigenen Geschichte geworden.

Wann war ich wo unterwegs?

Am 10. Mai 2018 startete ich bei meinem Elternhaus in Kremsmünster mit der Tour und wanderte planmäßig durch den Zentralraum, das Mühlviertel, das Innviertel, den Attergau und beendete nach 33 Tagen den ersten Teil der Wandertour in Bad Ischl. Zwei Wochen danach hätte die Fortsetzung in Bad Ischl starten sollen, doch schlechtes Wetter und Neuschnee am Dachstein machten mir einen Strich durch die Rechnung.

Abstieg vom Dachstein über Randkluftsteig – Etappe 55.

Statt am 26. Juni, setzte ich am 1. Juli die Tour von Bad Goisern fort. Nach 18 Tagen Wanderschaft durch das Tote Gebirge, Nationalpark Kalkalpen, Voralpen und den Zentralraum erreichte ich am 18. Juli mein Elternhaus. Von 1. bis 5. August holte ich die fehlenden Tage von Bad Ischl nach Bad Goisern mit einem „Abstecher“ auf den Dachstein-Gipfel nach.

Im Nationalpark Kalkalpen – Etappe 40. Foto: Maria Wimmer.

Vor, während und auch nach der Wandertour konnte ich gesamt 5.063,39 Euro an Spenden für die OÖ. Kinder-Krebs-Hilfe sammeln, welche ich Mitte September übergeben werde.

Mein Rückblick: 56 Tage Wandern in Oberösterreich

Es ist auch heute, einen Monat nach dem Ende der Hoamatroas, noch schwer, die passenden Worte für dieses besondere Erlebnis zu finden. Ja, es war schön. Ja, es war toll. Ja, es war eine prägende Erfahrung. Doch es war viel, viel mehr.

Im Stift St. Florian – Etappe 4. Foto: Maria Wimmer.

Ich lernte Oberösterreich als gebürtiger Oberösterreicher endlich in seiner Gesamtheit kennen. Die Wege zwischen klassischen Ausflugszielen und Sehenswürdigkeiten waren geprägt von Begegnungen mit interessanten Menschen und dem Entdecken fabelhafter Landschaften. Fremde Personen ließen mich in ihren Häusern schlafen, gaben mir Essen und Getränke, luden mich auf Mahlzeiten ein und wanderten ein Stück mit. Auf den letzten Kilometern vor meinem Elternhaus am Tag 51 begleiteten mich über 40 Personen aus Sipbachzell und Kremsmünster – ein ganz besonderer Moment.

Blick vom Pöstlingberg in Linz – Etappe 4.

Man verlieh mir den Titel „Florianer Mostprinz“, lud mich zu Stammtischen ein, zeigte mir Dorfläden und weltgrößte Taschenfeitel, ich fuhr mit Schiffen über Flüsse und Seen, kurierte mich in einem Kloster aus, schlief auf einem Heuboden, campte am Fuße der Drachenwand, trank Bier, Wein und Schnaps, durchwanderte Städte und kleine Dörfer, spazierte im Gewitter und schwitzte mir bei heißen Temperaturen die Seele aus dem Leib.

50.000 Schritte am Tag sind genug – Etappe 49.

Ich war teilweise überwältigt von der Gastfreundschaft, die mir entgegengebracht wurde. Auch traf ich während meiner Roas durch Oberösterreich Verwandtschaft, alte Freunde und Bekannte. Alles in allem sorgten diese Begegnungen dafür, dass ich mich stets wie Zuhause fühlte. Ich hatte eigentlich nie den Gedanken im Kopf, dass ich bereits seit zwei Wochen, drei Wochen, vier Wochen etc. durch Oberösterreich spazierte. Ich schlief jeden Tag woanders, doch kam mir jeder Tag wie eine Tagestour vor und nicht als Teil einer Weitwandertour. Anders wäre das Feeling wohl gewesen, wenn ich die acht absolvierten Wochen in einem anderen Land bewältigt hätte. So hatte ich oft das Gefühl, gar nicht weg zu sein, gar nicht unterwegs zu sein, sondern einfach daheim zu sein.

Am Dreiländereck im Böhmerwald – Etappe 15.

Während meiner Wandertour passierte ein tragisches Unglück innerhalb meiner Verwandtschaft. Etwas, das nicht greifbar war und auch immer noch nicht ist. Es zeigte mir nur wieder einmal, wie schnell ein Leben auf den Kopf gestellt werden kann, wie schnell ein Leben vorbei sein kann, dass nichts in der Welt sicher ist. Lange Zeit war es während der Wandertour für mich eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Ausblick auf das Tote Gebirge – Etappe 46.

Mein Kopf war nach etwa drei Wochen frei von jeglichen Gedanken. Ich saß an einem ruhigen Teich im Weilhartsforst im Innviertel, beobachtete die herumschwirrenden Libellen und das Wackeln der Blätter im Wind. Wie lange ich hier am Ufer des kleinen, eher unbedeutenden Teiches saß, weiß ich nicht mehr. Als ich meinen Rucksack schulterte und mich wieder auf den Weg machte, fiel mir auf: Ich hatte keinen Gedanken im Kopf, sondern beobachtete einfach nur die Umgebung. Ohne mir auch über die Beobachtung Gedanken zu machen. Sondern ich ließ die Umgebung auf mich wirken. Ein Zustand absoluter geistiger Freiheit. Gedanken, die schon längst im Dachboden meines Oberstübchens geparkt wurden, habe ich restlos aussortiert und verworfen. Wichtig war für mich während der Wandertour das Hier und Jetzt. Die Vergangenheit war Vergangenheit, die Zukunft ließ ich auf mich zukommen.

Morgenlicht am Gosausee – Etappe 53.

Faszination „Heimat“

Das Mühlviertel hat mich am meisten fasziniert. Die Landschaft und die besonderen Begegnungen mit Menschen haben mich in ihren Bann gezogen. Der Wohlfühlfaktor war überaus hoch. Und das, obwohl ich im Mühlviertel mit einer Beinhautentzündung im linken Schienbein zu kämpfen hatte. Auch die Voralpen zwischen Weyer und Traunstein sind mir – dank gnadenloser Fernsichten – besonders in Erinnerung geblieben. Ein weiteres Highlight war zweifelsohne die Besteigung des Dachsteins bei perfekten Bedingungen. Doch auch die anderen Regionen Oberösterreichs waren eine Besonderheit für sich. Landschaftlich, kulturell und menschlich. Den Begriff der „Heimat“ nahm ich nicht als Ort wahr, sondern als Gefühl.

Unterwegs im östlichen Mühlviertel – Etappe 10.
Am Baumkronenweg in Kopfing – Etappe 20.

Nachlese der Hoamatroas

Meine Erlebnisse werden im Herbst 2018 langsam aber doch als Blogbeiträge ihren Weg auf gehlebt.at finden sowie gesammelt im reich bebilderten Buch „Hoamatroas“ ab November 2018 im Kral Verlag erhältlich sein.
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Ritter-Selfie in Schärding – Etappe 21.

Abschlussworte

Ich kann nur jedem Menschen dazu raten, zumindest einmal im Leben eine längere Wandertour zu unternehmen. Auch in einer scheinbar vertrauten Umgebung. Man muss nicht immer ans Ende der Welt reisen, um ein Abenteuer zu erleben. Es geht auch vor der Haustüre. Geist und Körper werden es dir danken. Nimm dir bewusst Zeit dafür und „überplane“ dich nicht. Weiß über die zu gehende Strecke Bescheid, aber lasse den Weg und die Menschen auf dich zukommen. Und wenn du am frühen Morgen noch nicht weißt, wo du am Abend schlafen wirst: sei offen, freundlich und ehrlich. Dann ergibt sich schon ein Dach über dem Kopf. Ich spreche aus eigener Erfahrung. ;-)

Angekommen am Elternhaus – Etappe 51.

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