Seven Summits of Saalbach Hinterglemm

Eine Tour, die mich wahrscheinlich an meine Grenzen bringt. Das meint die Homepage von Saalbach Hinterglemm zur Seven Summits Tour. Mit diesem Satz machen sie ja nicht gerade Werbung für die Gipfeltour – und das ist gut so. Die Beschreibung soll abschreckend wirken, soll klar machen, dass diese Tour nicht für jeden Halbschuhtouristen unter der Bergsonne geeignet ist. Denn bei dieser Tour gilt es 24 Kilometer Wegstrecke zu absolvieren, dazu kommen noch über 1.400 Höhenmeter im Aufstieg. Und das obwohl bei der Bergstation am Schattberg gestartet wird und man sich 1.000 Höhenmeter erspart.

Wanderführer Hans erklärt die Seven Summits Tour.

Das Video zur Tour!

Seven Summits von Saalbach

Gemeinsam mit #storybase2017-Mitbloggerin Cindy finde ich mich schon kurz nach 7 Uhr früh bei der Talstation der Schattberg-Bahn ein. Normalerweise werden erst ab 9 Uhr die Gondeln für Gäste freigegeben, aber nicht für jene, die die Seven Summits Tour gehen wollen. Dank der JOKER Card ist die Fahrt zur Bergstation wie der Abstieg bei meinem Trailrun auf das Spielberghorn kostenlos. Wer ohne JOKER Card auffahren möchte, muss sich schon am Vortag ein Ticket bei der Kassa der Talstation besorgen.
Es erwartet uns Wanderführer Hans, jedoch ein anderer Hans als bei der Sonnenaufgangstour auf den Tristkogel, direkt bei der Talstation. Neben Cindy und mir haben sich noch drei andere Gäste für die Seven Summits Tour eingefunden. Eine junge Frau aus Deutschland und ein Vater-Sohn-Gespann aus Belgien versuchen sich ebenfalls an dieser Tour.

Römische Zeichen sollte man bei der Seven Summits Tour lesen können.

Mit einer der ersten Betriebsfahrten überwinden wir die 2.000er-Grenze zur Bergstation am Schattberg. Das Wetter könnte kaum besser sein an diesem heißen Julitag. Sonnenschutz gegen Rothaut-Sprüche ist bei dieser nahezu schattenfreien Tour absolute Pflicht. Nachdem wir die ersten Meter im Abstieg auf einer Schotterstraße bewältigt haben, zeigt uns ein Holzschild mit einer eingravierten VII den Weg zur Seven Summits Tour auf einen schmalen Wanderweg. Dieser Wegweiser ist es auch, welcher die gesamte Tour über die sieben Gipfel zu sehen sein wird.

Die Karawane zieht weiter.

Den Mittelgipfel des Schattbergs umgehen wir auf seiner Südflanke, blicken Richtung Großglockner und Großvenediger und steigen sanft zur Marxtenscharte auf. Während zu unserer Rechten am Westgipfel des Schattbergs das Gipfelrestaurant wieder winterfit gemacht wird, werden zu unserer Linken die letzten Meter zum Stemmerkogel überwunden. 2.123 Meter: So die erste Richtmarke der Seven Summits Tour in Saalbach.

Sprunghaft hat sich die Anzahl der TourgeherInnen verdoppelt.
Am Weg zum ersten Gipfel: auf den Stemmerkogel.

Beeindruckend ist die Fernsicht auf diesem Weg. Neben den schon erwähnten Königen der Hohen Tauern, Großglockner und Großvenediger, lassen sich Watzmann, Dachstein, Bischofsmütze, Steinernes Meer, Mosermandl, Wilder Kaiser und noch mehr Granden der Ostalpen wiedererkennen. Dank unserem Anführer Hans, auch bekannt als profunder Kenner nahezu aller Gipfel, die von hier aus gesehen werden können, habe ich Gipfelnamen gehört, die ich schon wieder vergessen habe.

Einmal in die Ferne blicken.
Home of lässig ist am Kopf angekommen.
Übergang zum Hochkogel mit Blick auf die höheren Kogel.

Warum der Saalbachkogel umgangen wird, lässt sich mir nur so erklären, dass es sonst Eight Summits bei dieser Tour wären. Und das klingt bekanntlich nicht so heldenhaft wie Seven Summits. Dafür kommen wir schnurstracks bei den wildromantischen Hackelberger Seen vorbei, in welchem sich zwei Turtelpferdchen kitschig in Pose werfen.

Ein wildromantisches Pferde-Pärchen kühl sich im See ab.

Dann gilt es kurzerhand einen Weg zweimal zu begehen. Denn der Hochkogel liegt nicht direkt auf der Wandertour, ist aber nach einem fünfminütigen Aufstieg ohne Probleme erreicht. Hier tragen sich Vater und Sohn in das digitale Gipfelbuch der Summitlynx App ein. So digital will ich es dann doch nicht haben.

Man folge der Markierung.
Pinzgauer Schafe werfen sich gut in Szene.

Oben am Gipfel des Hochkogels verabschieden sich Cindy und ich aber von der restlichen Wandertruppe. Die Gründe: Cindy muss um 18 Uhr einen Helikopterflug erwischen und mir ist das Tempo ein wenig zu langsam. Das Tempo ist mir im Grunde auch egal, aber zu zweit läuft es sich doch ein wenig besser. Zur Sicherheit tauschen ich und Hans die Handynummern aus und wir machen uns auf den Weg.
Direkt danach lernen wir den technisch schwierigsten Aufstieg auf einen Gipfel der Seven Summits Tour kennen. Ein Drahtseil am Gipfelgrat hilft uns beim Überwinden der steinigen Steilstufen sowie beim luftigen Abstieg vom dritten Gipfel: dem Hochsaalbachkogel mit 2.212 Metern.

Hochsaalbachkogel: Nummer drei.
Ich könnt euch alle umarmen. Foto geschossen von der wunderbaren Mitwanderin Cindy.

Der Übergang zum Bärensteigkopf könnte schöner nicht sein. Einziger Wehrmutstropfen: Eine Hochspannungsleitung, welche vom Glemmtal ins Salzachtal über den Gebirgskamm verläuft. Doch dies ist auch schon das einzige Objekt in der Landschaft, welche das Alpenbild ein wenig trügt. Denn obwohl in Saalbach Hinterglemm ziemlich viele Seilbahnen und Lifte in der Landschaft herum stehen, fallen diese kaum auf, sondern fügen sich interessanterweise gut ins Bild ein. Und wer mich kennt, weiß, dass ich kein Verfechter von Seilbahnen bin.

Blick zurück auf die ersten drei Gipfel.
Relativ viel los am Bärensteigkopf.

Am Bärensteigkopf komme ich ins Gespräch mit einem älteren Ehepaar. „Guad, dass die jungen Leit brav unterwegs san“, sagt die Frau zu mir, „wei sterben dann ma olle moi!“
Das eskalierte zwar etwas schnell, aber sie hat ja völlig recht. Wenn nicht heute die Seven Summits Tour, dann im schlimmsten Fall sogar nie. Vielleicht werde ich ja von einem Eisblock am Übergang zum Gipfel Nr. 5 Manlitzkogel erschlagen. Wer weiß, was die Welt für Überraschungen für mich bereit hält.

Die Gruppe schrumpft auf zwei Personen.
Und ein Blick nach vor zum Manlitzkogel, der noch ziemlich weit weg ist.
Während die Kühe nach vor blicken.

Und die erste Überraschung kommt schneller als die Kuh mit dem Schweif wedeln kann. Nämlich der Arnoweg und der Zentralalpenweg 02. Diesen beiden Wegen folgt man nämlich für heiße 1,5 Kilometer über das Sommertor. Während die beiden über 1.000 Kilometer langen Wege Manlitzkogel und Mittagskogel südwärts umgehen, folgen wir entsprechend der Seven Summits Tour über die beiden erwähnten Gipfel. Unter die Kategorie „Zach“ fällt hier die Besteigung des Manlitzkogels. Diesen sieht man schon aus der Ferne und der Aufstieg zieht sich gewaltig in die Länge.

Ein wenig Schnuppern am Arnoweg kann nie schaden.
Nummer fünf, der Manlitzkogel, lädt zum Chillen ein.
Ein Kurvenwerk im Vogelalmgraben.

Nach dem 2.247 Meter hohen Manlitzkogel – Nummer fünf – folgt ein sanfter Abstieg zum sehr unscheinbaren 2.092 Meter hohen Mittagskogel. Beinahe wären wir daran vorbeispaziert. Nicht mal ein passendes Foto habe ich vom Mittagskogel. Da steckt wohl eine besondere Taktik dahinter. Mach den vorletzten Gipfel besonders unspektakulär, dann wird der siebte Gipfel einfach das Sahnehäubchen auf der Gipfeltorte. Doch wie später dann selbst gesehen, hätte es diese Taktik gar nicht gebraucht. Er ist es auch so.

Weiße Flecken oben und unten.
Wer es bis hierher geschafft hat, schafft auch noch den letzten Gipfel.

Doch werde ich ohne Cindy den siebten und letzten Gipfel besteigen. Die restliche Zeit bis zu ihrem Helikopterflug scheint doch etwas zu knapp bemessen. So verabschiedet sie sich von mir bei der Murnauer Scharte und steigt in den Vogelalmgraben nach Lengau ab. Alleine, aber dank der vielen Alpenblumen nicht einsam, komme ich dem Höhepunkt der Tour näher. Der 2.363 Meter hohe Geißstein (in anderer Literatur auch als Gaisstein bezeichnet) liegt an der Bundeslandgrenze von Tirol und Salzburg und markiert den achthöchsten Gipfel der Kitzbüheler Alpen. Doch hier ist die Bezeichnung der Grasberge fehl am Platz. Blumenberg trifft es für den Geißstein wohl eher. Eine gelbe Farbenpracht leitet mich auf den siebten Gipfel der Seven Summits Tour.

Goldener Empfang am Geißstein.

Von nun an ging’s bergab. Ein kurzes Stück steige ich am selben Weg zurück, ehe mich nordostwärts ein Wegweiser mit der Aufforderung zur erforderlichen Trittsicherheit auf den langatmigen Abstieg zur Lindlingalm führt. Am Gegenhang beim Mittagskogel erblicke ich den Wanderführer Hans und die junge Frau aus Deutschland. Das belgische Vater-Sohn-Duo hat ebenso wie Cindy den Weg über den Vogelalmgraben genommen. Aber nicht um einen Helikopter zu erwischen, sondern bevor noch ein Helikopter den Vater abholen muss. Die Tour führt also doch an Grenzen mancher Personen, übertreiben sollte man es nicht.

Kann die Trittsicherheit nur bestätigen.

Ich wünsche Hans und seiner Begleitung noch einen schönen Aufstieg auf den Geißstein, erfahre noch von ihm, dass sie zehn Minuten vorher erst ein Edelweiß getroffen haben und starte mit dem Abstieg. Und der hat es auf den ersten 200 Höhenmetern ziemlich in sich. Steile und abschüssige, sowie auch sehr rutschige und verwachsene Stellen führen in den ersten Metern um den Geißstein herum. Hier wachsen übrigens auch Brennnesseln. Erwähne ich für die Nackt-Wadl-Fraktion.

Ein Miniatur-Berg am Abstieg zur Lindlingalm.

Spätestens beim beschilderten Abzweiger zur Murnaueralm wird der Abstieg etwas sanfter. Den Westhang des Schusterkogels querend steige ich über die Schusterscharte hinab mit Blickrichtung Glemmtal. Im Abstieg zur Lindlingalm quere ich des Öfteren erfrischende Bäche, wandere an kleinen Wasserfällen vorbei und treffe auf wildes Getier. Teilweise erhasche ich den ersten Schatten an diesem Tag: Die Haut freut sich.

Nanu, wer bist denn du?
Die Hütte hat sich einen guten Liegeplatz ausgesucht.
Für den Wasserspielplatz bei der Lindlingalm war keine Kraft mehr.

Die Lindlingalm erreiche ich kurz nach 17 Uhr. Ein langer, ereignisreicher und kurzweiliger Bergtag soll hier sein Ende finden. Auch wenn mich diese Tour persönlich doch nicht an die Grenzen gebracht hat: schlafen werde ich trotzdem wie ein Stein. Und die Füße freuen sich auch über Freiheit.

Hinweise zur Seven Summits Tour

Was absolut notwendig ist: Kondition, Trittsicherheit, Proviant (man kommt bei keiner Hütte vorbei), ausreichend Wasser (nur im Abstieg zur Lindlingalm kann man die Flasche auffüllen), Sonnenschutz für die Haut und für den Kopf.
Vor allem im ersten Teil des Abstieges vom Geißstein gilt es noch die Konzentration hoch zu halten. Außerdem zieht sich der Abstieg ebenso ziemlich in die Länge. Zu beachten für weiche Knie gilt, dass in Summe 2.150 Meter im Abstieg bewältigt werden.
Länge der Tour: 24,4 Kilometer
Höhenmeter im Aufstieg: 1.430 Meter
Höhenmeter im Abstieg: 2.150 Meter
Anreise: Mit dem Regionalbus vom Bahnhof Zell am See zur Station Schattberg X-press. Parkgarage gegenüber der Talstation. Die Auffahrt mit der Bergbahn zur Bergstation ist mit der JOKER Card kostenlos.
Abreise von der Lindlingalm: Mit dem Regionalbus vom Talschlussparkplatz wieder retour nach Saalbach oder mit dem Taxi 6620.
Nächtigungstipp: Hotel Saalbacher Hof, weitere Tipps auf saalbach.com
Passende Wanderkarten: freytag & berndt WK 382*, Alpenverein 34/2 Kitzbüheler Alpen-Ost (mit dieser war ich unterwegs)*, BEV ÖK5 3220 Mittersill*

volle Distanz: 24.95 km
Gesamtanstieg: 1690 m
Gesamtabstieg: -2408 m

Meinen Kindern erzähle ich irgendwann, dass ich die Seven Summits erfolgreich bestiegen habe.

Dieser Bericht entstand im Zuge meines Aufenthaltes bei der #storybase2017 in Saalbach. Meine Meinung über die Region und sonstige Beschreibungen sind davon gänzlich unbeeinflusst.

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6 Gedanken zu „Seven Summits of Saalbach Hinterglemm

  1. Hi Martin,

    eine wirklich tolle und aufregende Tour und so viele tolle Bilder. Atemberaubend. Musste lachen, als du geschrieben hast, dass dir das Tempo zu langsam sei. Dann dürften wir 2 nicht auf Tour gehen *g*. Ich bin auch eher eine der gemütlichen Sorte. Für mich wäre die Tour jetzt nichts, denn ich bin da doch nicht ganz so der Bergfuchs bzw. so trainiert. Es macht mir Spaß und ich liebe es in der Natur unterwegs zu sein, aber dann doch lieber kleinere Touren. Letztens haben wir eine große Tour gemacht und waren doch einige Stunden unterwegs ( Bodenbauer- Sackwiesensee- Häuslalm-Sunschienhütte- Scheidegg- Bodenbauer) Im September wollen wir noch aufs Rennfeld gehen und der Hochschwab steht am Plan. Allerdings weiß ich nicht ob ich mir den Hochschwab zutraue, da ich Höhenangst habe und es dort einen Klettersteig geben soll. Habe bei dir leider keinen Beitrag zum Hochschwab gefunden. Übrigens haben wir auch eine kleine Wanderung/Urlaub in Salzburg gemacht : http://www.testmuster.at/salzburg-leogang/ . Die Landschaft das Panorama ist einfach herrlich.

    Danke für deinen tollen Beitrag. Ich wünsche dir ganz viel Spaß bei deinen nächsten Abenteuern 🙂

    Herzliche Grüße,
    Heike

    1. Hey Heike!
      Aber die Tour Bodenbauer-Sackwiesensee usw. ist ja auch schon ein schönes Stück. Du warst ein paar Stunden zu spät hier, gibt mittlerweile einen Blogbeitrag zum Hochschwab. 😉
      Den Klettersteig den du meinst, ist der Aufstieg über das G’hackte (A/B-Klettersteig mit Leiter). Alternativ kannst du auch vom Bodenbauer rüber zur Häuslalm, dann aber nicht zur Sonnschienalm, sondern direkt weiter zum Hochschwabgipfel, hinab zum Schiestlhaus und Abstieg über den Graf-Meran-Steig in Serpentinen. Von dort wieder bergauf Richtung G’hacktsteig, aber dann wieder hinab zum Bodenbauer.
      Zwar schon eine lange Tour mit einigen Höhenmetern, aber kein Problem mit Höhenangst, da nicht ausgesetzt und nicht luftig. Oder du schiebst eine Übernachtung am Schiestlhaus ein, siehe neuer Hochschwab-Bericht.
      Danke dir und liebe Grüße,
      Martin

  2. Da ich zu den Halbschuhtouristen gehören, die gerne mal ihre Sonnencreme vergessen, freue ich mich, dass Du mich auf die SevenSummitsTour mitgenommen hast. Keep on walking und bis hoffentlich bald mal wieder!

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