Welterbesteig Wachau

Schande über mich, dass ich es über 25 Jahre nicht in die Wachau geschafft habe. Eine kleine Ausnahme gab es, als ich noch ein kleiner Bub war. Aber seien wir ehrlich, ich hab keine Ahnung wohin mich meine Eltern hingeschliffen haben, im Gedächtnis blieb nichts hängen.
Umso besser wenn man die Wachau dann zu Fuß kennenlernen darf. So geschehen am ersten September-Wochenede 2013, dem wohl letzten Wochenende im 2013er Jahr, an welchem Sonnenschein und gnadenlos wunderbares Wetter dominierte, echt schlimm. Und schon mal vorweg gesagt: wer braucht den Süden, wenn es die Wachau gibt.

Wer sich hier nicht niedersetzt, ist selber schuld.
Wer sich hier nicht niedersetzt, ist selber schuld.

Auf unser Wanderung von der Bahnstation Furth-Palt bis zum Bahnhof Melk durchwanderten wir auf drei Tagen die Wachau und lernten dabei beide Donauseiten kennen. Am ersten Tag überquerten wir bei Mautern die Donau, schlenderten nach Dürnstein und spazierten am Welterbesteig Wachau bis nach Weißenkirchen/Wachau, einer Marktgemeinde mit mediterranem Flair. Tags darauf begleitete uns wiederum der Welterbesteig nach Spitz, ließen diesen aber dort hinter uns und überquerten mit der Rollfähre die Donau und wanderten auf der anderen Flussseite mit einem nächtlichen Zwischenstop in Aggsbach-Dorf bis nach Melk, teilweise wiederum am Welterbesteig. Was ist aber nun dieser Welterbesteig, wie verläuft er und was kann man auf ihm erwarten?

Der Welterbesteig ist ein 2010 geschaffener Weitwanderweg und ist als Rundkurs angelegt. Aufgrund der Tatsache, dass die Region Wachau seit dem Jahr 2000 als UNESCO-Weltkulturerbe aufscheint, war es der Tourismusregion ein Anliegen, auch diese Pracht zu Fuß zu entdecken. Auf ca. 180km durchwandert man alle 13 Gemeinden des Donauabschnittes der Wachau und erkundet dabei beide Uferseiten, bei Mautern und Melk wird die Donau überquert. Mit dabei ist auch der höchste Punkt, welcher sich entlang der gesamten Donau vom Ursprung bis zur Mündung finden lässt: der Jauerling mit 960m. Wein- und Obstgärten, Wälder und Wiesen wechseln sich ständig ab, Landschaftliche Abwechslung ist also vorprogrammiert, das Mitnaschen an den Wein- und Obstgärten ebenfalls.

Der Steig selbst ist einfach zu begehen und ist ausgezeichnet mit gelben Schildern und weißen Markierungen erkennbar, nur sehr selten kommt die Frage nach dem „wohin“ auf. Sehr viele Unterkünfte in den Gemeinden heißen Wandersmenschen gerne willkommen.
Kulturell und historisch kann der Welterbesteig auch einiges anbieten. Da wäre z.B. die Burgruine Dürnstein mit der Sage rund um Richard Löwenherz und Sänger Blondel, die Gemeinde Willendorf, deren berühmteste „Einheimische“ wohl Venus heißen wird, der über viele Grenzen hinaus bekannte Weinort Spitz oder das Benediktinerkloster Melk.
Außerdem erwandert man am Welterbesteig auch andere bekannte Weitwanderwege. So begleitet einen der Nord-Süd-Weg (05er Weg) sowie der Europäische Fernwanderweg Nr. 6 einige Kilometer, der Dunkelsteinerwald-Rundwanderweg (653) wird auf der Ostseite der Donau begangen, ein kleines Stück bewegt man sich im östlichen Teil der Wachau bei Krems und Göttweig am Großen Tullnerfelder Rundwanderweg (475/675) und der Österreichische Jakobsweg ist ebenfalls auf der östlichen Seite ein bewanderter Weg. Außerdem wird auf der Westseite ein Teilstück der ebenfalls 2010 eröffneten regionalen Jauerling-Runde genutzt. Viel zu gehen, viel zu sehen. Prädikat: Absolut Gehenswert.

Hinweis: Teile des Welterbesteiges werden in meinem Buch WIEN GEHT WEIT beschrieben, nur so als Information.

Weitere Informationen (Stand: 21.9.2013)

Streckenlänge: ca. 180km
Offizielle Homepage: www.welterbesteig.at
Wanderführer: „Welterbesteig Wachau“, Bergverlag Rother / Franz Hauleitner, 2014
„Österreich: Welterbesteig Wachau“, Conrad Stein Verlag / Werner Bartl, 2011
Wanderkarten: f&b WK 071 (Welterbesteig Markierungen vorhanden)
BEV ÖK50 UTM 4323, 4317 (keine eigene Markierung, teilweise Wege sogar nicht eingezeichnet)

Karten und Literatur aus dieser Region sind bei freytag & berndt, Wallnerstraße 3, 1010 Wien erhältlich, alpin@freytagberndt.at, +43(0)1 533 86 85-15, www.freytagberndt.at

Impressionen

Melk als Ausgangspunkt, als Endpunkt oder einfach nur als Zwischenstation.
Melk als Ausgangspunkt, als Endpunkt oder einfach nur als Zwischenstation.
Das Schloß Schönbühel thront über der Donau, als würde es schon immer hier stehn'.
Das Schloß Schönbühel thront über der Donau, als würde es schon immer hier stehn‘.
Ein autofreier Schnappschuss auf der Donaubrücke bei Mautern ist harte Arbeit.
Ein autofreier Schnappschuss auf der Donaubrücke bei Mautern ist harte Arbeit.
Blick von der Starhembergwarte oberhalb Dürnstein in die Wachau.
Blick von der Starhembergwarte oberhalb Dürnstein in die Wachau.
Wer sich hier nicht niedersetzt, ist selber schuld.
Wer sich hier nicht niedersetzt, ist selber schuld.
Nächtlicher Flair in Weißenkirchen/Wachau.
Nächtlicher Flair in Weißenkirchen/Wachau.
Spitz, komm in meine Arme.
Spitz, komm in meine Arme.
Die Markierung des Welterbesteiges ist nahezu lückenhaft.
Die Markierung des Welterbesteiges ist nahezu lückenhaft.
Blick von der Ruine Dürnstein auf die Donau inklusive Touristen mit Trolleykoffer.
Blick von der Ruine Dürnstein auf die Donau inklusive Touristen mit Trolleykoffer.
Marille, what else?
Marille, what else?

Begangene und gekreuzte Weitwanderwege

  • Niederösterreichischer Mariazellerweg 06 ganz kurz bei Stein
  • Jakobsweg Österreich teilweise auf der Ostseite von Melk nach Göttweig
  • Jakobsweg Weinviertel ganz kurz bei Stein und Mautern (schließt bei Mautern an den Jakobsweg Österreich an)
  • Nord-Süd-Weitwanderweg 05 wird am Jauerling gekreuzt und großteils auf der Ostseite
  • Dunkelsteinerwald Rundwanderweg 653 teilweise auf der Ostseite
  • Großer Tullnerfelder Rundwanderweg 475/675 ganz kurz bei Stein und Göttweig
  • Jauerling Runde teilweise auf der Westseite beim Jauerling

Übersichtskarte

volle Distanz: 197.14 km
Gesamtanstieg: 18389 m
Gesamtabstieg: -18153 m

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