Sonnentanz im Wintertraum – Winterliche Hohe Wand Überschreitung

Frischer Schnee, wolkenloser Himmel. Wenn das Wetter sich an der Perfektionslinie bewegt, sollte Geist und Körper nicht im Inneren versauern. Von Waldegg im Piestingtal näherten wir uns der Hohen Wand von der Nordseite, blieben danach meist nahe der Abbruchkante und stiegen nach einer langen Schneetour hinab nach Grünbach am Schneeberg. Eine winterliche Hohe Wand Überschreitung.

Winterspuren auf der Hohen Wand.

Schneestapfen auf der Hohen Wand

Distanz: 18,1 km
Aufstieg: 1116 Hm
Abstieg: 870 Hm
Dauer: 7,5 Stunden (mit Einkehr im Gasthof Postl)
Datum der Tour: 29. Dezember 2017
Start: Bahnhof Waldegg im Piestingtal
Ziel: Bahnhof Grünbach am Schneeberg Schule
Einkehrmöglichkeit: Kohlröserlhaus, Alpengasthof Postl, Gasthof Luf, Hubertushaus, Wilhelm-Eichert-Hütte
Charakter: Konditionell fordernde Tour, technisch keine besonders schwierigen Wege, Trittsicherheit jedoch grundsätzlich notwendig. Nur Abstieg und Aufstieg zwischen Hochkogelhaus und Hubertushaus in den Leitergraben sind steil und rutschig. Unterschiedliche Schneelagen möglich, je nach Verwehung tiefe Spuren oder nur minimale Schneehöhen. Bei tiefer Schneelage sind Schneeschuhe sinnvoll.
Markierung: Von Waldegg bis zum Sattel bei der Scheimhittn durchgehend rote Markierungen vom Nordalpenweg 01A und teilweise von Piestingtaler Rundwanderweg 231. Ab Scheimhittn nach Grünbach gelbe Markierung und Beschilderung über Bergmann-Steig.
Webcams in der Region: Gasthof Kleine Kanzel (1065 m), Wilhelm-Eichert-Hütte (1050 m), Kohlröserlhaus (900 m)
Wanderkarten: fb WK 012 1:50.000 | fb WK 5012 1:35.000 | Kompass  WK 210 1:50.000 | ÖK50 5201 Wiener Neustadt 1:50.000 | ÖK25V 5201-Ost Berndorf 1:25.000

volle Distanz: 18409 m
Gesamtanstieg: 1354 m
Gesamtabstieg: -1109 m
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Aufstieg auf die Hohe Wand

Vom Bahnhof Waldegg führen die ersten Metern an der Straße entlang zum Ortsteil Peisching. Hier überqueren wir den Piesting-Fluss und folgen den roten Markierungen zur Linken über eine Wiese aufwärts in den Wald. Bis in die Tallagen hinab haben sich die Schneeflocken verirrt. Ein gut markierter Wanderweg führt stetig aufsteigend zum Zimmermannplatzl mit Rastplatz. Gemeinsam mit dem Nordalpenweg 01 und in weiterer Folge auch am Piestingtaler Rundwanderweg 231 wandern wir durch tiefer werdenden Schnee über den Eselsteig hinauf zum Herrgottschnitzerhaus. Erst kurz davor verlassen wir den dichten Wald und lassen die Sonne auf uns in ihrer vollsten Pracht scheinen. Ein älterer Läufer kommt uns entgegen. Man spürt das Kind in ihm, er wirft sich abwärts in den Schnee.
Am Piestingerkreuz knapp unterhalb vom Herrgottschnitzerhaus legen wir eine kurze Rast ein. Der Aufstieg auf die Hohe Wand wäre schon mal geschafft. Jetzt steht nur mehr die Überschreitung der Hohen Wand bevor.

Weiß erwartet uns.
Blick ins Piestingtal und auf die gegenüber liegenden Föhrenwälder.
Markierungen sind gerade noch sichtbar.
Winterspuren auf der Hohen Wand.
Am Weg zum Herrgottschnitzerhaus.
Kurze Pause am Piestingerkreuz beim Herrgottschnitzerhaus.

Über die Hohe Wand zum Gasthof Postl

Die Gehrichtung ist eigentlich ziemlich klar: Stets nahe der Abbruchkante entlang wandern. Hier bietet sich der markierte Nordalpenweg 01A wunderbar an, denn abgesehen von einem kleinen Schwenker aufs Plateau, verläuft dieser stets im Nahbereich der aussichtsreichen Kante.
Auf der Asphaltstraße wandern wir am Kohlröserlhaus vorbei, passieren eine Straßenkreuzung und kürzen die Straße zum ehemaligen Gasthaus Almfrieden über einen Waldweg ab. Knackiger Nordwestwind wirbelt den feinen Schnee auf und verteilt ihn in unseren Gesichtern. Wir suchen Unterschlupf an der Rückseite des Gebäudes am Almfrieden und lassen den Wind über und neben uns hinwegbrausen.
Die meiste Zeit sind jedoch von den Wäldern windgeschützt unterwegs, so auch am Übergang zur Aussichtsplattform Skywalk und zum Alpengasthof Postl. Hier kehren wir ein und füllen unseren Energiespeicher mit Säften aus der Region und Linsen mit Knödel auf.

Es bläst der Wind am ehemaligen Gasthof Almfrieden.
Vitamin D tanken.
An der Aussichtsplattform Skywalk.
Blick hinab in die Tiefe.

Vom Gasthof Postl nach Grünbach

Von der Gaststube gut aufgewärmt fallen die ersten Meter im eisigen Wind etwas schwer. Wir folgen dem Weg kurz hinab zu einer Wiese, verlassen diese jedoch gnädigerweise bald wieder windgeschützt in den Wald Richtung Hochkogelhaus und Luf. Verschneite Waldwege führen uns leicht aufwärts, begleitet von Langlauf-Spuren durchqueren wir wenig aussichtsreiche Waldabschnitte zum Gasthaus Luf. Von hier sind es nur mehr wenige Meter zum Hochkogelhaus. Wir bleiben am markierten Wanderweg nahe der Abbruchkante, wandern anfänglich noch auf aussichtsreichen und fast ebenen Wegen entlang, ehe der steile Abstieg in den Leitergraben notwendig ist. An die 200 Höhenmeter müssen wir steil absteigen, am Gegenhang warten diese Höhenmeter im Aufstieg zugleich auf uns.

Spuren von Schuhen und Skiern.
Einer von vielen Aussichtspunkten.
Blick in die Neue Welt und auf die Fischauer Vorberge.

Der knackige Abstieg und der etwas gemächlichere Aufstieg vom Leitergraben führt zum Hubertushaus. Rauch steigt aus dem Kamin empor, zwei Klettersteiggeher kommen gerade aus der Hütte heraus und verewigen ihre Wintertour mit einem Selfie. Wir steigen am Wanderweg weiter leicht bergauf Richtung Willhelm-Eichert-Hütte, die beiden Männer hinter uns suchen den Abstieg von der Hohen Wand. Nach zwei Versuchen werden sie offensichtlich fündig.
Immer wieder wenden wir uns vom Weg kurz links auf freie Aussichtspunkte ab und genießen die sonnige Tour in vollen Zügen. Von der Großen Kanzel an der Wilhelm-Eichert-Hütte lässt sich erstmals ein Blick auf den Schneeberg werfen. Besonders markant sticht noch die vorgelagerte Geländehütte ins Auge, welche den Abschluss der Hohen Wand bildet. Diese sollen wir heute aber nicht mehr von der Nähe betrachten.

Hubertushaus im Winterbetrieb.
Walkin‘ on sunshine.
Blick zum Schneeberg.
Hat der Schneeberg einen Hut, wird das Wetter gut. Davor ist die Geländehütte am markanten Geländefelsen ersichtlich.

Auch wenn die warme Gaststube der Wilhelm-Eichert-Hütte verlockend wirkt, lassen wir diese links liegen und steigen hinauf zum Plackles. Mit 1132 Metern präsentiert sich der höchste Punkt der Hohen Wand etwas unspektakulär. Jedoch steigt Rauch aus dem Kamin des schon länger geschlossenen Berghaus am Plackles auf. Keine Ahnung, wer sich hier eingenistet hat. Unser Weg führt ab nun abwärts. Vom Wind geformte Schneewege führen abwärts zum Rastkreuz bei der Scheimhittn. Während die Sonne uns verlässt und der Vorhang der Nacht langsam hereinschwenkt, steigen wir über den Bergmann-Steig hinab nach Grünbach am Schneeberg. Eine wunderbare Wandertour findet am Bahnhof ihr Ende. Sonne von oben, Schnee von unten, und wir mittendrin. Ein grandioser Jahresausklang.

Im Abstieg zum Rastkreuz bei der Scheimhittn.
Die letzten Sonnenstrahlen aufnehmen.
Der Mond hat die Sonne abgelöst.

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