Vom Gletscher zum Wein – Ratsch nach Kreuzberg

Relativ schwer ist es aus den gemütlichen Betten im neu gebauten Weingut Uhl zu kommen. Frühstück gibt’s ab 8 Uhr früh. Da wir aber sowieso keinen Stress haben und auch stressfrei unterwegs sein wollen, schlürfen wir um halb 9 erstmals am Kaffeehäferl. Das ausreichende Frühstücksbuffet lässt keine Wünsche offen.
> Am Vortag spazierten wir von Ehrenhausen nach Ratsch an der Weinstraße!

Tag 2: Von Ratsch über Leutschach zum Kreuzberg

21,9 Kilometer – 1020 Höhenmeter – weitere Informationen am Ende des Berichtes

Schon die Rucksäcke gepackt, eine Flasche Wein als Ballast mitgenommen und fertig für den Abschied, fällt mir ein, dass wir gestern gar keinen Schnaps aus der hauseigenen Brennerei verkostet haben. Was gibt es besseres, als am Vormittag einen Kriecherlschnaps in die Speiseröhre zu befördern. Ein scharfer Start in den Tag.

Grün in grau präsentiert sich der zweite Tag am Beginn.

Eigentlich sprach der Wetterbericht am Sonntag vom schönsten aller drei Wandertage. Dies zeigt sich am Vormittag jedoch nicht wirklich. Ebenso zeigen sich wieder einmal die Markierungen und Beschilderungen von ihrer schüchternsten Seite. So wandern wir zwar in ungefähr der richtigen Richtung bergan zu einer Straße, stoßen jedoch an anderer Stelle als gedacht an diese.

Wieder mal Südalpenweg.
HELP! Wer weiß was das für ein Gewächs ist?

Wir wandern an Klapotetzen (Mehrzahl? Keine Ahnung) und Weinpressen vorbei, lassen uns von den Blüten der Nektarine faszinieren und spazieren im schon bekannten Auf und Ab sehr abwechslungsreich auf Asphalt-, Schotter- und Waldwegen weiter Richtung Leutschach. Eine breite Talüberquerung und einen Baumsturz gilt es am Trobierweg zu überwinden. Die Hosen noch bis zu den Schuhen gezogen, zwängt sich langsam die Sonne durch die dichten Wolken. Am Ende des Trobierweges, nach einem Aufstieg durch einen Weingarten, werden aber die Hosenbeine endgültig entfernt. Der Sommer kommt nämlich.

Gestern noch reißende Bachquerung, heute talüberspannende Holzbrücke.
Ein kleines Hindernis.
Aussichtstisch direkt an der Grenze.

Der Grenztisch, an welchem wir direkt vorbeiwandern, symbolisiert Gemeinsamkeit und Nachbarschaft. Ein schönes Zeichen nach dem gestrigen Zaunerlebnis.

Nun wandern wir wieder für kurze Zeit am Grenzverlauf entlang, ehe wir uns nun endgültig dem Weg in den Westen nach Glanz an der Weinstraße zuwenden und die Grenze hinter uns lassen.

Wahrscheinlich noch ein Überbleibsel von gestern Abend.
Wenn die Traube das Herz ersetzt.
Alles hat seine Ordnung.

Auf Schildern zum Wanderweg Kulinarische Weinberg-Wanderung entdecken wir immer wieder die Sticker zur Gletscher-Wein-Route. Hier in diesen Regionen ist der Weg nun etwas besser beschildert. Ein Blick auf die Karte lohnt jedoch immer.
Wir sind zwar irgendwie im Ort Glanz, doch kommen wir in keinen Ort. Häuser und Bauernhöfe liegen verstreut in der Gegend herum, so einen richtigen Nachbarn hat hier niemand. Mehr als einmal kommt uns das Wort idyllisch über die Lippen. Ist es.

Ein wenig mit den Perspektiven spielen.

Nach einer Rast mit Müsliriegeln auf einem sonnenüberfluteten Wiesenhang setzen wir unseren Weg nach Asien fort. Wir blicken nämlich in der Ferne auf Wasserbüffel, welche seit Mai 2014 hier in der Gegend gezüchtet werden. Ich zitiere aus einer Infotafel: „Das Fleisch des Wasserbüffels enthält, gegenüber kommerziellen Rinderarten, bis zu 50% weniger Fett, 30% weniger Cholesterin jedoch 10% mehr Eiweiß und Mineralstoffe.“ Ob das der Büffel auch weiß?
Kurz danach spazieren wir an einer Hubertuskapelle mit eigenem Geläute vorbei. Wer will, kann sich hier auf das Tau schwingen und die Glocken läuten lassen. Zwischen dieser Besonderheit und unserer Einkehr bei der Eoryschenke liegen noch zwei natürliche Besonderheiten versteckt. Wobei, versteckt nicht wirklich. Ein seltener Speierling (gibt anscheinend nur 500 Exemplare in ganz Österreich) sowie eine imposante Stieleiche stehen als Naturdenkmäler einfach so rum. Ich empfehle jedoch nicht den Stammumfang der Eiche mit Umarmungen zu messen. Die abertausenden Ameisen werden dich sofort überfallen.

Ein seltener Speierling am Wanderweg.
Die Ameisen stehen jedenfalls auf das Naturdenkmal.
Imposante Stieleiche am Wegesrand.
Pause bei der Buschenschank Eory am gleichnamigen Kogel.

Der Asphaltanteil ist am heutigen Tag höher als gestern, jedoch noch im erträglichen Rahmen. Bislang. Denn ab Leutschach werden wir nur mehr am Asphalt herumwandern. Da gilt es noch bis nach Leutschach die aussichtsreichen Wiesenwege zu genießen.

Dort werden wir in etwa 20 Minuten vorbeiwandern.
Das Grau vom Morgen ist vom Blau ersetzt worden.
Ein Senfdazugabebuch am Wanderweg.

Ich muss ehrlich gestehen: Ich war sowas von unwissend was hier in Leutschach wächst. Als wir uns dem Ort näherten, wanderten wir an komisch anmutenden Anbauflächen entlang. Meterlange Holzstämme zeigen in den Himmel, Drähte verbinden diese und sind am Boden gespannt. Mein erster Gedanke: Käferbohnen. Wir sind mal konform mit meiner Aussage, könnte ja sein. Man möge mir jetzt eine Bildungslücke bescheinigen, aber spätestens in Leutschach selbst, beim hiesigen Brauereimuseum, fiel der Groschen. Hopfen! So, es ist amtlich. Das sind Hopfenfelder. Auch wieder was gelernt.

Leutschacher Hopfenfelder lassen uns staunen.

In Leutschach kemman d’Leut zam, und wenn nicht in einem der geschlossenen Gasthäuser, dann auf den kreuzenden Weitwanderwegen. Wir stoßen hier nämlich auf den Südsteirischen Höhenweg 560, welcher auf ca. 95 Kilometern Leibnitz und Wolfsberg in Kärnten miteinander verbindet. Diesem Weg werden wir nun nordwärts nach Leibnitz folgen, jedoch am Kreuzberg unsere Nacht verbringen.

Ab hier am Südsteirischen Höhenweg 560 unterwegs.
In Leutschach wird Gastwirtschaft gar nicht mehr geschrieben.
Leutschach: Bekannt für den Original Kornspitz.

Immer schön, wenn die letzten Kilometer zu einer Unterkunft stetig bergauf führen. Also, weil die Aussicht schöner wird. Zur Linken erblicken wir in der Ferne einen modernen Klapotetz, welcher uns jedoch nicht verleitet einen Umweg einzuplanen. Güterstraßen führen uns kurvenreich bergauf, immer näher zum Weingut Klug und in Richtung Kreuzbergwarte, welche wir jedoch erst relativ spät zu Gesicht bekommen.

Zum Buschenschank gackern.

Am Weg zum Weingut spazieren wir an einem am Straßenrand abgestellten Moped vorbei. Der Schlüssel steckt, weit und breit kein Mensch in Sicht. Was soll hier – in Oberösterreich nennen wir so einen Flecken Erde „Oaschicht“ – denn auch schon passieren. Den unfreiwillig angebotenen Gepäcktransport ignorieren wir.

Sonnenuntergang an der Sonnenterrasse im Weingut Klug.

Kaum ein Wort beim Weingut Klug gesagt, werden wir von Josef Klug schon als Oberösterreicher erkannt. Ob das der Grund war, dass wir im Laufe des Abends Achterl eingeschenkt bekommen, die sich schon mehr beim Vierterl befinden, lasse ich mal dahingestellt. Ich sage nur mehr: Käferbohnensalat, Käseplatte, Apfeltiramisu, Schokokuchen, ein wahnsinnig gut schmeckender Sauvignon Blanc und Sonnenterrasse. Uns geht’s gut.

Guad eingschenkte Achterl!
Hach, wie romantisch.

> Am Vortag spazierten wir von Ehrenhausen nach Ratsch an der Weinstraße!
> Weiter geht’s am nächsten Tag vom Kreuzberg über Frauenberg nach Leibnitz!

Informationen zum Weg, Einkehr und Unterkunft

Fazit: Ebenso wie am Vortag sehr aussichtsreiche Wandertour, auch wenn wir mehr auf Asphaltstraßen entlang wanderten. Immer wieder gibt es Einkehrmöglichkeiten und einige Rastplätze, die beiden Naturdenkmäler direkt am Wanderweg wirken sehr eindrucksvoll. Leutschach wirkt nach zwei Tagen ohne großartigen Menschen- und Ortskontakt etwas erdrückend. War gut, die Tour noch etwas fortzusetzen und erst knapp unterhalb des Kreuzbergs zu nächtigen. In Leutschach hätten wir die Idylle wohl vergeblich gesucht.
Länge: 21,9 Kilometer
Höhenmeter: 1020 Hm
Dauer: ca. 7 1/4 Stunden (mit Pausen und Einkehr)
Eingekehrt in: Eoryschenke, Eoryweg 65, 8463 Leutschach
Genächtigt in: Weingut Klug, Eichberg-Trautenburg 18, 8463 Leutschach; Preis für die Nächtigung/Person inkl. Frühstück: € 33,00
Wanderkarte: freytag & berndt WK 411, BEV ÖK50 4111

Übersichtskarte

volle Distanz: 21.9 km
Gesamtanstieg: 1019 m
Gesamtabstieg: -803 m

Schreibe einen Kommentar